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Von Abmahnverein bis Zuckerberg – Der Jahresrückblick 2018

Zwölf Monate in einem Blogpost, klingt fast unmöglich – ist es aber nicht! Wir haben einige Themen herausgepickt, die uns im vergangenen Jahr mehr als einmal beschäftigt haben. Datenschutz oder die Bekämpfung von Fake News und Hetze zählten ohne Zweifel zu den größten Aktionsfeldern des Jahres.

Krisen am Zuckerberg

Lange hat Herr Zuckerberg nicht gewartet. Direkt im Januar verkündete der Facebook-Chef, dass nun endgültig Schluss mit der freien Reichweite sei. Was folgte waren Monate mit weiteren Verwirrungen um die Bedeutung von FB-Gruppen, alternativen Feeds und unzähligen Supertipps, die suggerierten, man könne dem neuen Algorithmus mit Tricks und Hacks die Stirn bieten – geschenkt! Am Ende des Jahres müssen wir alle feststellen: 2018 war das Jahr des großen Reichweiteneinbruchs auf Facebook.

Der Grund für Zuckerbergs algorithmische Einschränkung war nicht zuletzt der Missbrauch des Netzwerks durch Kampagnen wie Donald Trumps Wahlkampf. Bitter, dass das zweite große Sorgenthema für Facebook ebenfalls etwas mit diesen Leuten zu tun hat. Im März veröffentlichte die New York Times Informationen des Whistleblowers Christopher Wylie, der den Cambridge Analytica-Skandal endgültig auslöste. Nur einen Monat später musste Zuckerberg vor dem Kongress aussagen. Ein Event, das keine Sieger kannte und Facebooks Image endgültig beschädigte.

Lügen am laufenden Band

Fake News und Social Media war auch 2018 ein allgegenwärtiges Thema. In Deutschland kam es im April zu einem Vorfall, der dies nahezu lehrbuchartig dokumentierte: Im westfälischen Münster raste ein Amokfahrer mit seinem Wagen in ein Cafe, tötete dabei 4 Menschen, verletzte mehr als 20 und kam dabei selber ums Leben. Was daraufhin folgte, war so klischeehaft, dass man es hätte vorhersehen können: Gerüchte über den Täter und seine Herkunft, politische Motivationen, Verstrickungen terroristischer Vereinigungen und eine lügendurchtränkte Hetzaktivität, die nicht zuletzt auch durch die mittlerweile im Bundestag vertretene AfD angefeuert wurde. BuzzFeed Deutschland zeigten mit einem laufend aktualisierten Fakten-Check, wie einfach man hier entgegenarbeiten kann. Interessanterweise war der Fall Münster nicht mal unter den viral erfolgreichsten Lügenkampagnen des Jahres.

Quelle: BuzzFeed DE

Hetze-Bremse

Jahrelang haben alle sozialen Netzwerke und Dienstleister den Verschwörungsgurus und Hetzpredigern lange Leine gelassen. Es kam deshalb überraschend, dass 2018 einigen dicken Fischen der politisch-motivierten Hate-Bewegung der Hahn abgedreht wurde. Einer der international einflussreichsten Konspirationshelden war wohl Alex Jones mit seinem Portal InfoWars. Keine Bange, er lebt noch. Aber sein breit aufgestelltes Netz im Social Web ist nun zerschnitten. Genauer gesagt: Jones und InfoWars wurde auf allen relevanten Kanälen gesperrt. Deplatformed nennt man das. Und weil hetzen Geld kostet, tat es wohl auch weitere Protagonisten wie Tommy Robinson und den New Yorker ProudBoys weh, dass PayPal ihnen die Dienste für die Zukunft verweigerte.

Das große Reinemachen

Seit dem 1. Januar 2018 galt in Deutschland das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG), welches der Bekämpfung von Straftatbestände wie Verleumdung und Volksverhetzung zur Hand gehen soll. Die Initiativen zur Bekämpfung von Fake News und Hetze boomten aber auch außerhalb der bundesdeutschen Digisphäre. Quartalsweise meldeten YouTube, Google, Twitter und Facebook die Massenentfernung von Videos, Bildern, Beiträgen, Fake-Accounts, Fake-News oder Links zu Seiten, die strafverfolgungsrelevante Inhalte verbreiteten. Bevor die Jubelgesänge ausbrechen: Die Netzwerke stehen in der Kritik, weiter eher im eigenen Sinn und nicht im Geiste des NetzDG zu operieren. Und dann ist da noch die Kritik, dass die Praxis zu einer Overblocking-Mentalität führen würde. Ausgerechnet die Freunde der Hetze konnten gerichtliche Siege gegen die Löschpraxis Facebooks erringen. Und in den USA haben Zuckerbergs Algorithmen sogar einen Teil der historischen Unabhängigkeitserklärung als Hate-Speech deklariert und entfernt. Es bleibt spannend.

Gold in the hills

Gier ist ein wunderbarer Motor für den Hype. In der zweiten Hälfte von 2017 konnten wir beobachten, wie die Öffentlichkeit plötzlich Kryptowährungen als neuen Wohlstandsgenerator entdeckte. Und so kletterte und kletterte der Wert für Bitcoins. Mit dem Beginn des neuen Jahres fiel dieser Hype in sich zusammen und 2018 holte die Gemeinde der Gierlappen wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Nachdem es im Januar nochmal kurz nach Wiederaufstieg aussah, setzte der Kurs danach Segel Richtung Normalisierung. Bitcoin-Freunde sahen freudig eine Stagnation auf höherem Niveau. Aber der November brachte dann den endgültigen Tiefschlag und der Kurs lag wieder auf der Höhe vor dem Hype.

Quelle: finanzen.net

Die Ära der Abmahnvereine

Das Jahr 2018 wurde auch durch das Inkrafttreten der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) geprägt. Kurzzeitig sah es sogar so aus, dass Social Media im Verdacht steht, grundsätzlich gegen die Grundverordnung zu verstoßen. Facebook bekräftigte, seine Nutzer und Geschäftspartner nicht alleine zu lassen und Lösungen vorzubereiten. Davon haben wir bis jetzt nicht viel gesehen. Bis heute stürzen sich die Abmahner auf fehlende SSL-Verschlüsselungen, mangelnde Opt-In-Zustimmungen oder widerrechtliche Cookies. Aber man muss auch festhalten, dass es sich oftmals eben erst um die Abmahnungen handelt. Und die sind durch das Abmahnen an sich noch nicht rechtskräftig. Im Gegenteil. Wenn wir Glück haben gibt es 2019 eine Novellierung, die missbräuchliche Abmahnungen in die Schranken verweisen soll.

Für Influencer war 2018 auch das Jahr der Abmahnungen. Dabei brauchte es dafür gar nicht die DSGVO. Die berüchtigten Wettbewerbsverbände, auch Abmahnvereine genannt, stürzten sich auf die Kennzeichnungspflicht für werbliche Inhalte. Die große Auffälligkeit in diesem Jahr: Gerichtliche Entscheidungen haben wenig Klarheit für die Praxis gebracht. Im Gegenteil sah es sogar so aus, als würden viele Gerichte einfach die Unverschämtheiten vieler Abmahner durchwinken und den Influencern einfach alles verbieten. Auch hier liegt die Hoffnung vieler darauf, dass 2019 ein Gesetz zur Stärkung des fairen Wettbewerbs das Licht der Welt erblickt und für Rechtssicherheit sorgt.

Social gone wrong

Manchmal hat der Ehrgeiz im Social Web auch ungewollte Effekte im echten Leben. Ein gutes Beispiel dafür lieferten ein paar junge Männer, die für ein Instagram-Projekt ihre blanken Hintern in die Kamera hielten. Dummerweise haben sie das auf dem heiligen Felsen Pidurangala in Sri Lanka getan, was ihnen erst einmal eine Inhaftierung durch die Polizei einbrachte. Oder der ambitionierte junge Mann, der am rheinischen Loreley-Plateau ein Selfie machen wollte. Wie ein Polizeisprecher dokumentierte: „Auf einem oder zwei der Bilder ist der Mann noch zu sehen. Auf dem nächsten aber nur noch der Felsen“. Was folgte war eine Rettungsaktion, denn der junge Frankfurter hing zwanzig Meter tiefer an einem Felsvorsprung.

Weniger amüsant war der Fall der Vlogger von „High on Life“. Anfang Juli verunglückten drei bekannte kanadische Vlogger tödlich in den Shannon Falls, einem bekannten malerischen Wasserfall in British Columbia. Auch wenn sich die Tragödie wie ein Unfall liest, stellt sich die Frage, wie viel Social Media spezifische Ursache drin steckt. Die Vlogger des Kanals High on Life sind in der Vergangenheit bereits durch sehr waghalsige Clips aufgefallen. Und dass man sie dafür auch schon juristisch zur Rechenschaft gezogen hat, hat sie offensichtlich auch wenig beeindruckt. Na, dann doch lieber mit Beauty-Tipps berühmt werden.

Der letzte Vorhang

Zwei große Namen haben ihr Ende in 2018 verkündet: G+ und die Cebit. Während Google für G+ aber noch Pläne für den Business-Sektor haben, schließt Deutschlands Vorzeige-Messe für Computertechnologie endgültig die Pforten. Was beide gemein haben: Schon seit Jahren zeichnete sich ab, dass das öffentliche Interesse mehr und mehr schwindet. Für G+ haben wir auch nicht viele Bemühungen seitens des Mutterkonzerns gesehen, hier nochmal frischen Wind reinzupusten. Aber die Cebit hatte 2018 noch versucht, sich neu zu erfinden. Im Juni bot die Messe neue Angebote mit Attraktionen im Außenbereich und einem Festival mit Musik-Stars. Hat alles nichts geholfen. Im November wurde das Aus für Deutschlands Tech-Messe verkündet. Und nicht wenige Experten sind der Meinung: Das hat diese alte Institution nicht verdient.

Momo findet dich!

Die Skulptur, welche für das Profilbild herhalten musste. Quelle: Instagram

Während viele Social Trends des Jahres doch eher lustig oder zumindest langweilig waren, stach eine Merkwürdigkeit hervor: Momo. User berichteten, dass sie plötzlich eine neue Nummer in ihren WhatsApp-Kontakten hatten, welcher sich Momo nannte. Diese zeichnete sich durch ein gruseliges Profilbild und bedrohliche Nachrichten aus: Schock- und Gore-Bilder oder Botschaften wie „Ich finde dich“. Bis zu diesem Punkt war es lediglich ein urbaner Mythos, denn niemand konnte wirklich Beweise für dieses Phänomen liefern.

Dann tauchten jedoch drei Telefon-Nummern auf Facebook auf, welche via WhatsApp direkt zu diesem Account führten und den urbanen Mythos zur Wirklichkeit machten. Offensichtlich war der Hype nur der Köder. Der Bericht vom Selbstmord eines Mädchens in Argentinien legte die Vermutung nahe, dass es sich bei der Momo-Challenge um ein Suicide Game, ähnlich der russischen Blue Whale Challenge, handle. Aber stimmte das alles?

Fakt ist leider: Es gibt für wenige der Dinge, die um Momo und blaue Wale erzählt werden, handfeste Beweise. Ja, es gibt suizidgefährdete Jugendliche. Ja, es gibt Gruppen in sozialen Netzwerken, die sich damit beschäftigen. Und ja, es gibt auch düstere Communities, die zum Selbstmord anstiften. Aber haben diese breit vorgeführten Phänomene etwas damit zu tun oder sind sie nur Teil der großen Urban-Myth-Kultur, die maximal eine selbsterfüllende Prophezeiung kreieren können? Man weiß es nicht.

Claire Wineland

Wir haben leider auch einen traurigen Nachruf. Clair Wineland ist im September 2018 gestorben. Wem der Name nichts sagt: Wineland war sozusagen Pionierin einer Form des Internet-Aktivismus, bei der Betroffene versuchen etwas für ihre Leidensgenossen zu tun und Aufmerksamkeit zu erzeugen. Und das mit viel positiver Attitüde.  Obwohl ihre Ärzte früh nur eine kurze Lebenserwartung bestätigten, wurde sie mit 13 Jahren aktiv und gründete die Organisation Claire’s Place Foundation, mit der sie andere Menschen mit chronischen Erkrankungen und deren Familien unterstützte.

Als sie vor acht Jahren damit anfing, öffentlich über ihre Erkrankung zu sprechen, galt das noch als ein kleiner Tabubruch. Mit knapp 300 000 Followern auf YouTube oder Auftritten bei TED Talks gab sie anderen chronisch Erkrankten eine Stimme. Sie klärte nicht nur über Krankheiten auf, sondern gab sehr offen Einblicke in das Seelenleben der Betroffenen.

Eine Woche nach der lange erhofften beidseitigen Lungentransplantation starb Claire Wineland am 2.September mit 21 Jahren. Sie spendete alle ihre Organe.

R.I.P. Claire Wineland — CF Activist Who Inspired Millions

She was born with cystic fibrosis and lived a life that inspired millions to change their views on death. R.I.P. Claire Wineland. (via Brut)

Gepostet von Upworthy am Mittwoch, 5. September 2018

Rewind 2018

Zum Abschluss aber noch etwas Amüsantes. YouTube machen jedes Jahr ein Rückblick-Video, um das Jahr mit seinen Highlights Revue passieren zu lassen. Wer nicht so oft auf YouTube unterwegs ist oder sich einfach nicht so intensive mit Memes und Crazes beschäftigt, wird mit dem ganzen Bewegtbild-Dokument nichts anfangen können. Es sieht einfach wie ein fürchterlich zusammenhangsloses Irgendwas aus. Und so sieht es offensichtlich auch die YouTube-Gemeinde. Das diesjährige Rewind-Video hat nämlich direkt mal einen Rekord gebrochen. Noch nie gab es so viele Dislikes für ein Video auf Youtube. Mit (zurzeit) 14,4 Mio. Daumen nach unten, bei immerhin über 151 Mio. Views, darf sich der Jahresrückblick 2018 das unbeliebteste Video aller Zeiten nennen.

 

Artikelbild: Screenshot-Collage Socialmediakonzepte.de

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