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Eiskübel und nackte Schweizer – Monatsrückblick August

Popcorn raus, Füße hoch – die Netz-Welt macht ernst und glänzt mit einer Flut von Neuigkeiten. Hashtag-Kampagnen, ein toller Timelaps-Clip, ein unsensibler Waschbrett-Bau und reichlich Updates aus den Bereichen Technik, Politik und Corporate. Bitte schön – der August.

Karitatives Einnässen – 100$ an die ALS-Forschung spenden oder 10$ spenden, sich einen halbgeschmolzenen Kübel Eis über die Figur schütten und drei weitere Kandidaten nominieren: Das sind die Regeln der viralen Kampagne #IceBucketCallenge, mit welcher im August web-weit auf die degenerative Nervenerkrankung ALS aufmerksam gemacht wurde. (hier unser Special)

Die Liste der namhaften Teilnehmer an diesem Hype, ist lang. Aber auch Erna Jedermann hat kräftig Eiskübel verschüttet – unter Freunden, in Sportvereinen, Schrebergärten: Jeder machte mit. Allem voran vermerkten Betroffenenverbände positiv, noch nie solch eine Aufmerksamkeit erhalten zu haben.

Aber wo viel Licht, da auch Schatten: So wurde eben auch gemutmaßt, dass  ein Großteil der Spenden nicht in die Forschung, sondern in die Verwaltungs- und Gehaltskosten fließen würden oder dass die ALS-Forschung selbst von Ärzten, wegen ihrer umstrittenen Tierversuche, sehr kritisch gesehen wird. Die Kritik hat auch dazu geführt, dass Artikel um das Pro und Contra der Kampagne boomen. Tragisch, dass dabei nicht vorrangig Aufklärungsarbeit über ALS geleistet wird. Und ebenso tragisch, dass größere und gegenwärtigere Probleme durch ähnliche Kampagnen selten diese Aufmerksamkeit erlangen.

#ocaptainmycaptain – Robin Williams ist tot. Der ausufernden Trauer um den großen Verlust des genialen Komikers und Mimen, verlieh das Netz durch Respektsbekundungen Ausdruck: Ganz im Stil der legendären Tisch-Szene aus „Club der toten Dichter“, stiegen tausende Netzbewohner aufs Holz und machten brav Selfies von sich in der szenischen Pose. Wir verneigen uns: Oh Captain, mein Captain. #aufdietische

Offensive vom Zuckerberg – Die Facebook-Entwickler müssen aktuell viel RedBull trinken: Like-Gates werden verbannt, es wird getestet, Satire gesondert zu kennzeichnen, User werden von Fake-Profilen genervt (unser Special) und obendrein wird Portalen der Windrichtung Buzzfeed oder heftig.co das Klick-Sammeln schwer gemacht (unser Click-Baiting Special). Dazu gibt es eine neue (Zwangs)App: Der Messenger wurde ausgelagert und gehört nicht mehr zur zentralen Facebook-App. So sehr das Klientel auch verärgert werdern könnte: Die Zuckerberg-App ist weiterhin die meistgenutzte in deutschen Landen.

Dashcam Chaos – Wir kennen die lustigen Dashcam-Videos aus Russland. Dort verfolgen sie den sinnvollen Zweck, in rechtlichen Fragen Beweisbilder zu liefern. Der Trend hat auch in Deutschland Freunde gefunden. Aber was in Russland niemanden schert: Die Kameras sind laut einem Datenschutz-Gutachten in Deutschland nicht zugelassen, weil das Abfilmen des öffentlichen Raums Persönlichkeitsrechte von Privatpersonen verletze. Ein Gericht hat nun geurteilt, dass das Verbot im Einzelfall aufgehoben werden kann. Ein anderes Gericht lehnte kurz darauf Beweise durch Dashcams ab. Die Lage ist schwierig und uneindeutig: Die Verwendung von Dashcams bleibt verboten und kann mit hohen Geldstrafen geahndet werden. Andererseits werde dieses Verbot nicht verletzt, wenn man eine Dashcam einsetzt, um eine private Fahrt zu dokumentieren. Wer soll daraus schlau werden?

Pyongyang in a day – Nordkorea ist ein geschlossenes System. Exklusive Einblicke liefern uns die Branding-Experten JT Singh und Rob Whitworth, welche bereits beeindruckende Kurzfilme anderer Städte geliefert haben. Angeblich habe man den beiden freie Hand bei ihrer Arbeit gelassen. Das Ergebnis ist auf jeden Fall ein interessanter Timelaps-Clip der Hauptstadt Pjöngjang. Nordkorea-Tourismus ist ja eher selten – somit: Schön, dass wir das auch mal sehen. Enter Pyongyang from JT Singh on Vimeo.

Tödliches Selfie – In Portugal kam ein polnisches Paar beim Versuch ums Leben, ein Selfie an einem Steilhang zu machen. Besonders bitter: Die Kinder der 31-jährigen Eltern waren auch anwesend und mussten die ganze Tragödie mitansehen.

Nackte Schweizer – Weniger tödlich, aber umso heikler ist (anscheinend) ein Nackt-Trend in der Schweiz: Der Stadtammann (Gemeindepräsident) der schweizer Gemeinde Baden, Geri Müller, verschickte eifrig Nacktselfies an seine Geliebte. Nach Beendingung der Affäre forderte er sie, unter Drohungen, auf, die Selfies zu löschen. Und wie das so ist, wenn man etwas geheimhalten möchte: Sie ging natürlich an die Öffentlichkeit. Die selbige, also die Öffentlichkeit, will nun, dass Müller zurücktritt, was Müller ablehnt. Leider hat der schweizer Politiker diese Nackt-Marotte bereits an seinen Sekretärinnen „ausgelebt“, was ihm so langsam keine andere Wahl als den Rücktritt mehr lässt. So steht es übrigens auch um eine Sekretärin des schweizer Bundeshauses, welche lustig Nacktselfies aus dem Büro verschickte – und zwar sehr detailreiche Selfies. Ende vom Lied: In beiden Fällen heißt es nun „Nackt und arbeitslos„.

Blick von oben – Wer mal ein paar Minuten Entspannung gebrauchen kann, dem empfehlen wir einen Besuch der Twitter-Seite unseres Mannes auf der ISS: Alexander Gerst twittert über @Astro_Alex wunderschöne Aufnahmen aus der Astronauten-Perspektive.

Bots und Möpse – Wie peinlich, wenn der offizielle Twitter-Account des englischen Premiers Cameron als prominenter Follower von ILikeTitsDaily auffällt – ein Kanal, der sich vornehmlich den sekundären Geschlechtsmerkmalen weiblicher Homo sapiens widmet. Sittenwächter können aber beruhigt werden: Die Followerschaft sei auf den Bot einer veralteten Software zurückzuführen. Das erkläre auch, wieso Pfarrer, Britney Spears oder „Cowboy-Accessoires“ dem Kanal ebenso folgen. Etwas unreif, dieser Bot. #hihi

Logbuch des Vergessens – Vom EuGH-Urteil, Google-Einträge löschen zu können, sind auch Wikipedia-Aktikel betroffen. Die Online-Enzyklopädie spricht von Zensur und macht die Google-Löschungen öffentlich. Der Renner scheint es nicht zu sein, denn bislang sind gerade einmal 8 Einträge zu vermerken.

PinterChat – Das beliebte Bilderportal Pinterest führt ein Message-System ein. Der Austausch unter Nutzern des Netzwerks war bisher nur per Kommentar unter den Bildern möglich. Nun kommt ein Message-System, sowohl für 1-zu-1 Kommunikation, als auch für Gruppen. Wie man den Kommentaren unter dem Firmen-Blogpost entnehmen kann, wird das Projekt auch skeptisch aufgenommen, da hierdurch die Einfachheit verloren ginge oder nervige Gruppen-Dauerbenachrichtigungen drohen könnten. Bei Pinterest ist aber noch mehr in Bewegung: Nach Großbritannien, Frankreich und Japan, eröffnet das Netzwerk nun auch eine deutsche Dependance. Damit dürfen wir in Zukunft mit deutlich mehr Pinterest-Präsenz rechnen.

SocialMedia-Skills – Til Schweiger hat vieles. Tolle Bauchmuskeln, eine undeutliche Aussprache und vor allem wenig Feingefühl im Umgang mit sozialen Medien: Erst postet er aus dem Sommerurlaub, wie er mit einer Plastikflasche eine Feuerqualle (vermutlich) auf seiner Yacht ins Jenseits befördert. Als sich User darüber aufregen und das gar nicht so cool finden, antwortet Schweiger mit Zynismus und postet, wie er eine imaginäre Wespe aus einem Pool rettet. Flankiert wurde das ganze auch noch von weiteren Postings, in welchen der 50-jährige Mime eher wie ein 16-jähriger Präpubertärer auftritt. Ach, und kritische Kommentare wurden alle entfernt. (Wow!) Wie gut, dass niemand dem Herrn Vorbild-Charakter bescheinigt.

Spaltung macht Stimmung – Mögen Ebay-Shareholder PayPal nicht? Gerüchte um die Ausgliederung des Bezahlsystems bescheren der Ebay-Aktie einen Boost. Klar ist, dass solch eine Spaltung reichlich Liquidität in die Kassen des Auktionshauses spülen würde. Es sieht jedoch so aus, dass die Pläne nicht vom Unternehmen, sondern vom Großaktionär Carl Icahn vorangetrieben werden. Und der hat sicher noch einmal andere Pläne als Ebay und PayPal.

Selfie statt Schloss – Liebesschlösser (lucchetti dell’amore) sind ein italienischer Brauch, der mittlerweile an allen Brücken großer Städte zu beobachten ist. Das ganze Metall ist natürlich schwer, was aktuell Paris‘ historische Brücken leiden lässt. Erst im Juni ist ein Geländerteil der Ponts des Arts abgebrochen. Nun würde die Stadtverwaltung die Schlösser gerne verbieten, ist sich aber darüber im Klaren, dass dies nur schwer praktisch umzusetzen ist. Daher werden Besucher gebeten, ab jetzt Selfies von der trauten Liebe zu machen und auf einer gesonderten Seite zu posten. Das hat einen Vorteil: Nach gescheiterter Amour kann ein Selfie schnell gelöscht werden. #hihi

Kinderpronographie im Postfach – Bei Google gibt es anscheinend Scanner, welche die Postfächer der Gmail-Konten nach Kinderpornographie absuchen. In Houston (TX) führten die Hinweise des Mail-Hosters  nun zur Festnahme eines Mannes.  Die deutschen Marktführer Telekom, gmx und web.de verfügen nach eigenen Angaben über keine Scanner dieser Art. Aber in den USA geht man nicht nur diesen Schritt weiter: Das FBI infiziert mittlerweile Nutzer des Tor-Netzwerkes mit einer Malware, um die Rechner der Missetäter auszuspähen. Die Operation Torpedo wird mit dem Kampf gegen die Kinderpornographie gerechtfertigt. Was aber wirklich dahinter steckt …

Auf die Plätze, fertig, Bundestrojaner – Wo wir gerade bei staatlicher Malware sind: Auch das BKA infiziert jetzt wieder verdächtige Rechner. Auf Anfrage von Andrej Hunko, Bundestagsabgeordneter der Linkspartei, bestätigte das Innenministerium, dass ein neuer Bundestrojaner „einsatzbereit“ sei. Und wem Geheimdienst-Spyware noch nicht suspekt genug ist: An der Erstellung war auch CSC beteiligt, deren amerikanisches Mutterunternehmen eng mit der NSA zusammenarbeitet. Ja ja, so sind’se.

 Quelle: tagesschau.de

twitch zum Ersten, zum Zweiten, zum… – Bis Mitte August gingen die Experten noch davon aus, dass Google der nächste Besitzer des Gamer-Portals twitch.tv wird. Noch vor einer offiziellen Meldung hörte man von ersten Veränderungen, die Google vorgenommen hätte. Doch dann kam Herr Bezos von Amazon, legte 970 Millionen US-Dollar auf den Tisch und: gekauft! Interpretationen, welche Google ein Versäumnis andichten, sprechen von kartellrechtlichen Gründen. Fakt ist aber auch, dass Google twitch.tv nicht braucht, zumal der Branchen-Primus allein durch YouTube bereits über eine ausreichende Infrastruktur verfügt, um etwas eigenes zu züchten. Amazon dagegen legt sich damit ein neues Puzzle-Teilchen zurecht und wir sind gespannt, wie das Gesamtbild aussehen wird. 

Faster-Fail – Zum Abschluß noch ein schönes Beispiel, wie man es nicht macht: Die Sportschlappen-Schmiede Puma startete mit ein paar Fußball-Endorsern eine Twitter-Aktion namens #Fastergraph. Die Idee: Fans lassen sich über ihren Account individuelle Autogramm-Karten ihrer Stars schicken. Individuell heißt in diesem Fall, dass auf der Karte der (Twitter)Name des adressierten Fans steht. Und was haben einige Spaßvögel gemacht: Fake-Accounts mit Namen wie „Kokain“ oder „ISpreadEbola“. Das Ergebnis – seht selbst.

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