Das Coronavirus hat unseren Alltag komplett auf den Kopf gestellt: Nun arbeiten wir alle im Home-Office. Für unsere Kunden bleibt alles wie gewohnt, aber wir müssen neue Arbeitsabläufe entwickeln. Wie es ist, von zu Hause aus zu arbeiten, berichtet heute unsere weltbeste Volontärin: Samina Ahmed.

17. März: Die Freuden der Ruhe

Mindestens zwei Wochen Home-Office: Als ich das gehört habe, hat der Geräuschehasser in mir einen Freudentanz aufgeführt. Ich habe bei der Arbeit gerne meine Ruhe. Mal sehen, ob 14 Tage Social Distancing meine Meinung ändern können.

08:15 Uhr: Ausgeschlafen. Erste Maßnahmen: Brötchen in den Ofen, Tee kochen, Lieblingstasse voll machen, an den Esstisch setzen. Wow, so schnell war ich noch nie auf der Arbeit. Mein alter Schreibtischstuhl, der sonst in meiner Abstellkammer lebt, darf seit gestern endlich wieder ans Tageslicht. Ich setze mich und lege meine Füße auf einen Esszimmerstuhl – es stellt sich heraus, die Jogginghose ist doch die beste Arbeitskleidung. Eins zu null fürs Homeoffice.

To Dos Checken

09:00 Uhr: Mein To-Do-Zettel von gestern liegt immer noch auf dem Tisch – ich muss ja für niemanden aufräumen. Eine Aufgabe von gestern kann ich heute beenden. Mal sehen, was das Projektmanagement-Tool noch so für mich im Angebot hat.

Ich fange heute eine Stunde früher an als sonst. Erst fühlt es sich an als würde ich super pflichtbewusst vorarbeiten und ohne störende Whatsappnachrichten richtig gut voran kommen – aber dann merke ich wie schnell doch eine Stunde vorbei ist, und wie wenig man da so schafft. WhatsApp meldet sich – weitere To Dos werden verteilt.

11:00 Uhr: Lautes Hämmern. Ich hasse meine Nachbarn und denke, die machen das doch mit Absicht. Ich schalte das Radio ein. Schluss mit Ruhe, Billie Eilish kommt in mein Büro.

11:50 Uhr: Die Chefs rufen an und fragen nach dem Status Quo. Da ich die letzten beiden Wochen krank war, werde ich auf den aktuellsten Stand gebracht. Kommunikation über WhatsApp im Home-Office gestaltet sich schwieriger, als gedacht. Manche Sachen klärt man besser schnell persönlich. Definitiv ein Punkt für das Arbeiten in der Agentur – es steht eins zu eins.

Jemand da?

12:30 Uhr: Bei all dem Social Distancing möchte ich so langsam gerne mal wieder in ein freundliches Gesicht gucken. Ich stelle mir meinen Kaktus auf den Tisch, der mich mehr oder weniger freundlich anguckt. Bin gespannt, wann ich das erste Mal nach dem Blumentopf statt der Teetasse greife. Zwei zu eins für das Arbeiten in der Agentur.

13:00 Uhr: Die To Do Liste wird kürzer, das Hämmern wird lauter. Ganz kurz wünsche ich mir meinen Arbeitsplatz im Büro zurück. Aber dann halte ich mir noch mal meine bequeme Jogginghose vor Augen. Alles wieder gut. Weiter geht’s, Landing Pages in verschiedenen Sprachen bauen. Eine meiner Lieblingsaufgaben, die sich im Home-Office noch besser erledigen lassen, als sonst. Wieder ein Punkt für’s Home-Office, es herrscht Gleichstand.

13:55 Uhr: DER SPIEGEL sagt mir per Eilmeldung, die Fußball-EM sei dank Corona auf nächstes Jahr verschoben. Ich frage mich, wie viele Leute jetzt gerade am Boden zerstört sind und wie viele, wie ich, mit dem Schultern zucken und weiterarbeiten. Die letzte Landing Page ist fertig.

asiatischer Nudelsalat14:00 Uhr: Mittagspause. Eigentlich koche ich Abends nach Feierabend, um zu entspannen und den Rest am nächsten Tag mit in die Agentur zu nehmen. Jetzt mache ich mir mein Mittagessen frisch. Sehr gute Abwechslung vom Schreibtisch. Normalerweise übernehmen  die Kollegen ja die Sache mit der Ablenkung. Es gibt übrigens einen asiatischen Nudelsalat mit grünen Bohnen und Erdnüssen. Schmeckt viel besser, als sonst, wenn’s aus der Tupperdose kommt. Definitiv ein Punkt für’s Home-Office – das liegt jetzt mit drei zu zwei vorne.

Ich hab’ da mal ’ne Frage

16:00 Uhr: Endspurt. Bisher habe ich nicht so viel geschafft wie ich gehofft hatte, aber alles wichtige ist erledigt. Rückfragen werden per WhatsApp gestellt. Da wünscht man sich doch, man könnte eben schnell den Kopf zu den Chefs ins Büro stecken, um Dinge ein wenig schneller zu klären. Dann ist da noch die Sache mit dem unbeobachtet sein. Ich habe mich zwei mal dabei erwischt, wie ich das Eichhörnchen im Innenhof beobachtet und mich gefragt habe, ob sein Schwanz sich genau so flauschig anfühlt, wie er aussieht. Was jetzt außerdem möglich ist: Mit dem Schreibtischstuhl zum Kühlschrank rollen. Schlecht für die Figur, klarer Punkt für die Agentur.

Mein Fazit zum Home-Office

Drei zu drei – Gleichstand. Als Mensch, der die Ruhe liebt und beim Kuliklicken oder Paprikakauen seiner Kollegen zu viel kriegt, empfinde ich das Arbeiten von zu Hause als absoluten Segen. Schade aber, wenn mein Kaktustopf das einzige Gesicht bleibt, in das ich heute geschaut habe. So eine kurze Unterhaltung mit den Kollegen und ein paar Minuten an der frischen Luft sind definitiv Dinge, die mir heute gefehlt haben. Ich freue mich, wenn wieder Normalität einkehrt und Home-Office nicht zum Standard, sondern zur Abwechslung wird.

Artikelbild: killustrationsBjörn Gooßes / Montage socialmediakonzepte.de / Vector: openClipart-Vectors / pixabay

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Ein Kommentar zu “Die Home-Office-Chroniken #2 – Ruhe ist mein liebstes Geräusch”

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