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Facebook verstärkt den Zeitfaktor im News Feed und versucht Vorwurf der Filterblase zu entkräften

Im Hause Zuckerberg wird laufend am Algorithmus geschraubt. Eine unüberschaubare Zahl von Einflussfaktoren sollen die Sichtbarkeit und das Ranking von Beiträgen im News Feed bedingen. Die aktuellen Modifikationen gewichten auch die Zeit der Betrachtung. Und es scheint Facebook wichtig zu sein, den Vorwurf der Filterblase zu entkräften.

Wir haben erst kürzlich ein Update zum Status Quo von News Feed und Algorithmus auf Facebook gegeben (>>Beitrag). Den Spagat eines ausgewogenen Mixes aus Freunden und Seiten versucht das Netzwerk über kleinere Links, dafür aber mehr verwandte Storys, zu bewältigen. Und da es auch weiterhin nicht das Erfolgsrezept schlechthin geben wird, sollte man auch zukünftig auf intelligentes und kreatives Interaktionsverhalten setzen, will man gesehen werden und seine liebsten Beiträge gut gerankt sehen.

Verweildauer beim Scrollen

Die aktuelle Ankündigung auf Facebooks Business-Blog erklärt, dass man in den nächsten Wochen damit beginnt, die reine Verweildauer auf einem Posting stärker zu gewichten. Befragungen hätten ergeben: Auch wenn viele Nutzer einen Beitrag nicht kommentieren, liken oder teilen, so kommt es oft genug vor, dass sie sich längere Zeit dafür nehmen, ihn in Ruhe lesen und dadurch gegebenenfalls zu weiteren Aktionen geführt werden – das ist ja mal eine Neuigkeit. Das heißt, auch ein passiver Stop beim Durchscrollen des News Feed, schlägt in Zukunft zu buche.

Der letzte Satz des Blogposts lässt jedoch etwas offen, wie spürbar diese Veränderung sein wird: „We do not expect Pages to see significant changes in distribution as a result of this update.“ Da die Ankündigung keine weiteren Details dazu preisgibt, liegt es nahe, dass der Algorithmus (indirekt) zugunsten privater Nutzer arbeitet – indirekt, weil private Nutzer mit jedem Beitrag nun auch weitere Postings unterstützen.

Die Sache mit der Filterblase

In unserem letzten Monatsrückblick verwiesen wir auf eine Untersuchung, welche das Filterblasen-Dilemma von Facebook unter die Lupe nehmen sollte. Wie in Facebooks News Feed FYI unterstrichen wird, hätten viele Nutzer Freunde mit entgegengesetzten politischen und sozialen Ansichten. Da die Beiträge von Freunden im Algorithmus stärker berücksichtigt werden sollen, fiele die Orientierung, welche durch die eigene Seiten-Auswahl zum Ausdruck gebracht wird, weniger ins Gewicht und der News Feed würde so ausgeglichen gestaltet.

Facebook kämpft mit dieser Image-Offensive offenbar um wertvollen Boden: „Instant Articles“ soll den News Feed zur Content-Plattform machen. Kritik um die inhaltliche Unausgewogenheit im Ranking und der Sichtbarkeit, relativiert die Wertigkeit dieser Plattform natürlich erheblich. Da lässt man sich die Qualität auch gerne mal von der Wissenschaft attestieren.

Luftige Annahmen

Es gibt Leute, die Behaupten, Facebook würde seinen Nutzern den schwarzen Peter für Unausgewogenheit zuschieben wollen. Nüchtern betrachtet hakt die wissenschaftliche Erhebung an zwei Punkten: Netzwerk wie Forscher setzen voraus, dass man eine relativ heterogene Interessenverteilung unter den eigenen Freunden hat. Das ist eine wacklige Annahme, zumal nur die Nutzer gezählt wurden, die auch explizit ihre politische Haltung ausdrückten. Zum anderen untersucht die Studie nur eine kleine ausgewählte Menge an Nutzern, wodurch die methodologische Validität der Ergebnisse bezweifelt werden muss.

Der Soziologe Nathan Jurgenson relativiert in einer detaillierten Rezension viele Aspekte der Studie und stellt heraus: Die Filterblase ist logisch, unvermeidbar und in der Natur des Algorithmus. Zahlreiche Einflussfaktoren des News Feed gehen Hand in Hand mit Aktionen unserer natürlichen Präferenz. Um hier eine klare Abgrenzung zwischen News Feed-Qualität und natürlicher Auswahl zu ziehen, müsse man mehr Faktoren des individuellen Nutzungsverhaltens einbeziehen.

 

Artikelbild: socialmediakonzepte.de

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