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Chris Turney – Social-Media-Lehrstück aus dem Eis

Eingefroren im Eis: Das russische Forschungsschiff Akademik Shokalskiy kam nicht mehr weg aus der Antarktis. Mehrere Rettungsversuche schlugen fehl und machten stattdessen die Retter zu Opfern. Nur die wichtigste Passagiergruppe blieb ruhig und lieferte ein Lehrstück in Sachen digitaler Kommunikation ab.

Im Geiste Mawsons

Die Expedition war nach Sir Douglas Mawson benannt. Als dieser vor rund 100 Jahren die Antarktis als erster Australier erforschte, verlor er Proviant und Begleiter auf einer Erkundung, baute ein abgestürztes Flugzeug zum Propellerschlitten um, ernährte sich von Hundefleisch und musste seine Heimreise aufgrund der arktischen Bedingungen herauszögern.

Ganz so schlimm war es bei der Expedition „Spirit of Mawson“ nicht. Aber die Besatzung der Akademik Shokalskiy teilte zumindest die Erfahrung, wie es ist, im Eis eingeschlossen zu sein. Eine weitere Parallele ist der Expeditionsleiter Chris Turney, welcher ähnlich einfallsreich sein Team bei Laune hielt, indem er das Forschungsschiff Shokalskiy zum Social-Media-Center in der Eiswüste machte.

Status Update

Chris Turneys Twitter-Account wurde dabei förmlich zum Live-Ticker des Geschehens. In der Zeit, als die Shokalskiy festfror, erreichte die Posting-Frequenz bis zu 20 Tweets pro Tag in Form von Texten, Bildern, Videos oder Links. Turneys Twitter-Account dokumentiert aber auch, wie welche Tools und welche Kanäle dabei Verwendung oder Beachtung fanden.

Zweckorientierte Tools

Es fällt schnell auf, dass die Wahl der Mittel nicht ganz zufällig war. Videos erschienen als kurze Nachrichten in Form von Vine-Clips, dagegen wurde für längere Bewegtbild-Beiträge ein eigener YouTube-Kanal verwendet. So haben sich auf Turneys Vine-Account im letzten Monat über 30 Clips angesammelt. Über den YouTube-Kanal bekommen wir dagegen einen tieferen Einblick in die Situation vor Ort, egal ob es um die wissenschaftliche Arbeit oder ein Neujahrs-Ständchen geht.  Der folgende Clip dokumentiert die Situation und die Stimmung vor Ort: Passend zum letzten Tag des Jahres singt die Crew Auld Lang Syne, während sie die Landefläche für die chinesischen Helikopter vorbereiten:

Wenn Google+ Sinn macht

Chris Turneys Konzept gibt Google+ klar den Vorzug vor Facebook. Auch wenn es einen Account im Zuckerberg-Netz gibt, welcher durchaus kräftig frequentiert wird, fungiert Turneys G+ Seite eindeutig als Basislager für die Verbreitung von Content. Natürlich wird der YouTube-Kanal entsprechend eingebunden. Darüber hinaus werden Hangouts für Interviews oder Live-Streams genutzt.

Die Facebook-Präsenz hat zwar einige Bilder zu bieten, der Schwerpunkt liegt aber klar bei G+ und Twitter. Allem Anschein nach funktioniert die Verbindung dieser Netzwerke besser, als irgendeine vergleichbare Kombination mit Facebook. Ein Instagram-Kanal ist zwar vorhanden, wird aber nicht gesondert bespielt.

Pinguin Small-Talk

Eine besonders originelle Idee ist der Soundcloud Kanal. Das Audio-Format dient dabei vornehmlich für kurze Berichte. Es sorgt aber auch für arktisches „Kopfkino“, wobei ein netter Eindruck davon ensteht, wie es sich anhört, an einem Ort wie der Arktis zu sein. Und zu guter Letzt dürfen wir auch noch ein paar Antarktis-Bewohnern beim Quasseln zuhören:

Breites Basislager

Turneys eigene Website gibt es direkt doppelt. Die eine Version ist über christurney.com zu erreichen, die andere über eine Landing-Page. Ob es sich dabei um zwei Versionen derselben Sache handelt, eine Seite aus Versehen noch nicht abgeschaltet wurde, oder sonst ein tieferer Sinn dahinter steckt, erschließt sich auf den ersten Blick nicht.

Die Expedition „Spirit of Mawson“ verfügt auch über eine eigene Webseite. Diese bietet ein Blog, welches laufend gepflegt wird. Darüber hinaus finden wir neben umfangreichen Arktis-/Wissenschafts-Infos einen Live Expedition Tracker, auf welchem man alle Stationen, Karten und Geo-Daten der Expedition inklusive Kommentaren finden kann.

Spendensammeln und Geschäftssinn

Die Expeditions-Seite versäumt nicht, notwendige Marketingmaßnahmen abzuarbeiten. So wird Turneys Buch über Mawsons Expedition am Rande permanent beworben. Das schließt gängige Rezensionen von Online-Shops, wie auch den Mobil-Medium Markt im Play Store ein.

Und weil Wissenschaft immer Finanzierung brauchen kann, darf natürlich auch die virtuelle Sammelbüchse nicht fehlen: Beim Crowdfunder indiegogo (s.u.) kann für die Arktis-Forschung von Turney gespendet werden.

Motivationsverantwortung

Wer nun eine große Polar-Party vermutet: Turney betont, dass all die Späße eben nicht nur zur Unterhaltung dienten. Die Situation ist durchaus ernst gewesen und das Warten auf helfende Eisbrecher kann die Betroffenen schnell mürbe machen. „We’re just currently waiting for the ship to come in, but the teams are currently continuing the science program and keeping themselves busy, which is fantastic.“

Wir wissen nicht, ob dieser intelligente Einsatz von digitalen Kommunikations-Tools nur Turneys wissenschaftlich rationalem Bewusstsein geschuldet ist oder ob im Hintergrund ein Netzprofi die Weichen stellt. Sicher ist aber, dass wir ein besonderes Lehrstück bewundern dürfen: Alle Kanäle werden konsequent einer bestimmten Absicht/Funktion zugewiesen und es tauchen keine Verlegenheitspostings auf. Wieder einmal wird klar, dass Social Media nicht nur als Verwalten bestimmter Kanäle, sondern als Prinzip verstanden werden darf.

Und vergessen wir nicht: Das alles geschieht nicht unter idealen Bedingungen, sondern in der widerspenstigen Eiswüste der Antarktis.

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Artikelbild: Screenshot-Collage Social Media Konzepte

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