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Alltagsrassismus und tanzende Pinguine – Monatsrückblick April

Der April brachte uns Rassismus, Zensur und andere Dummheiten. Zum Glück gab es auch noch einige neutralere, virtuelle Stimmungsaufheller. Und neben den obligatorischen Meldungen aus Politik und Netzleben versuchte sich das halbe Netz in Sachen Aprilscherz zu überbieten. Na dann – ein paar Highlights des April.

Herzblut – Großes Drama um die Passwort-Sicherheit: Ein Fehler in der Open-Source-Bibliothek OpenSSL (Heartbleed) hat dafür gesorgt, dass Registrierungsdaten von unzähligen Nutzern weltweit ausgelesen werden können. Betroffen sind im Grunde alle Seiten, die OpenSSL nutzen – also, fast alle, die mit empfindlichen Nutzerdaten arbeiten und eine Verschlüsselung benötigen. Netzbewohner sollten nun ihre Passwörter öfter wechseln und vor allem besser wählen. Der Fall ist zu komplex, um ihn hier abzuwickeln – wir empfehlen daher ein paar eigene Recherchen, beispielsweise beim BSI.

Getürkte Pixel – Erdogan ist schon ein Lümmel: Dass das eigene Verfassungsgericht seine Twitter-Zensur für illegal erklärte, ist dem Selbstgerechten vom Bosporus wohl ziemlich egal. Sein neuester Hit: Unliebsame Tweets werden gepixelt. Und zwar durch Twitter selbst. Die Regierung in Ankara wollte gerne ein Twitter-Büro in der Türkei – dem erteilte der Kurznachrichtendienst eine Absage, stimmte jedoch der Verpixelung zu. Merkwürdige Sitten sind das.

Pflichtverlade – Der April fängt natürlich mit dem 1. an, und das bedeutet: Scherzalarm. Wie auch in den letzten Jahren versucht sich das halbe Internet gegenseitig mit guten und gut gemeinten Späßen zu übertreffen. Aber so unterhaltend dies ist, so ermüdent ist es auch – wer hat schon Zeit, sich allein die schätzungsweise 50 prominentesten Hoaxs anzuschauen. Und wenn man die Aprilscherz-Orgien so exzessiv betreibt wie beispielsweise Google, dann muss man sich schon mal an seiner Arbeit aus der Vergangenheit messen lassen. Wer selbst mal schauen möchte, darf eins, zwei, drei Beispielseiten mit Aprilscherz-Sammlungen durchforsten. Lustige Panne: Toshiba, Samsung und HTC hatten mit dem Smart Glove die selbe Idee. Der offensichtlichste Prank kam aber wieder von Google – lustig, auch wenn man kein Japanisch spricht.

Alltagsrassismus – In puncto Rassismus sollten wir aus deutscher Sicht nicht mit dem Finger auf andere Länder zeigen. Das beweisen aktuell viele Abonennten der GNTM-(FB)Seite, welche sich seit Beginn der jetzigen Staffel mit rassistischen Beleidigungen gegen die dunkelhäutige Model-Kandidatin Aminata Sanogo zu überbieten versuchen. Pro7 löscht die Kommentare und blockt die Autoren – Aminata selbst hat sich entschieden, die rassistische Hetze auf ihrer Seite stehen zu lassen, damit die Anfeindungen sichtbar bleiben. Welcher Weg nun der bessere ist…

Tanz den Pinguin – Der neue Harlem Shake kommt nicht aus den USA, sondern aus dem arabischen Raum. Dort erfreut sich ein hopsiger Pinguin-Tanz, vornehmlich auf Hochzeiten, größt möglicher Beliebtheit. Auch wenn die überwiegenden Beispiele aus Saudi Arabien stammen (Männer und Frauen getrennt), findet man ebenso zahlreiche Beispiele aus allen Ländern mit großen moslemischen Bevölkerungsteilen  – von Asien bis Europa. Na ja, und das macht doch ein gutes, virales Craze aus – dass es Grenzen überschreitet.

Auferstanden aus Ruinen? – StudiVZ hatten wir eigentlich schon begraben. Nun versendet das Netzwerk wieder Mails an seine ehemaligen User, Inhalt: Frohe Botschaft – wir versuchen es noch mal. Immerhin ist StVZ ein Grab vieler Userdaten, und das möchte man nicht vergammeln lassen. Somit macht der neue Eigentümer (ja, den gibts) ernst mit seinem Versprechen, das alte Netzwerk zu revitalisieren. Klingt stark nach dem MySpace-Relaunch – ist ja auch voll eingeschlagen. #prust

Geschäfte mit Lichtenstein – Lichtenstein der Supergeile ist wieder aufgetaucht: In seinem neuen Clip bricht er ins Archiv des Webvideopreises ein, meckert darüber, dass er nicht nominiert wurde, verrät die Nominierten und gibt sich im Telefonat wie ein Neuberufener der YouTube-Selbstvermarktung. Die Lästereien sind natürlich nicht echt und der Clip dient nur der Werbung für den Webvideopreis. Trotzdem macht es Sinn, Lichtenstein in dem Kontext der Selbstvermarktung zu sehen – eine Notiz für die Zukunft.

Deppen des Monats – Ein selten dämlicher Trend ist im April kurzzeitig aufgeflammt und glücklicherweise auch schnell wieder verschwunden: Teenies twittern Bombendrohungen an Fluggesellschaften. Angefangen hat alles mit einem 14-jährigen Mädchen aus den Niederlanden, welche sich als Ibrahim ausgab und American Airlines bedrohte. Einsicht, dass der Spaß keiner war? Fehlanzeige. Ihr Twitter-Account gleicht einem pubertären Kreuzzug gegen die „böse Luftfahrtindustrie“. Wer das übrigens auch nicht lustig findet: Die Airlines, das FBI und eben Twitter, die alle Nachahmer rausschmeißen. Fraglich nur, wieso dieses holländische Mädchen noch immer nicht gesperrt wurde.

Alles Banane? – FC Barcelona-Star Dani Alves wurde, wie so viele andere dunkelhäutige Spieler in allen Ligen, beim Eckball mit einer Banane beworfen. Der Kicker reagierte souverän auf die rassistische Attacke, nahm die Banane, aß sie und führte den Eckstoß aus, als wäre nichts geschehen. Das Netz reagierte solidarisch und postete auf allen Kanälen Selfies, auf denen Stars und Normalos Bananen essen. Hashtags wie #somostodosmacacos bzw. #weareallmonkeys sorgten für eine schnelle Verbreitung der Solidarität.

Leider gibt es eine Schattenseite: Es gibt Hinweise, dass das Ganze eine inszenierte PR-Aktion war. Verbindungen führen zu einer brasilianischen PR-Agentur und zum Spieler Neymar, welcher anscheinend der erste Bananen-Aktive auf Twitter war. Wäre der Bananenwurf selbst echt gewesen und Alves hätte nur auf die Gelegenheit gewartet – ok. Leider ist das aber noch nicht ganz raus.

Facelifting – Der Kurznachrichtendienst Twitter hat sich eine Schönheits-OP geleistet und nähert sich mit der neuen Fassade dem Konzept eines Community-Netzwerkes an. Zunächst gab es das Facelifting nur für ausgesuchte Promis, mittlerweile können auch Privatiers wechseln. Funktionale Änderungen – keine.

Bashtag – Das ging dann mal nach hinten los. Die Idee der Social-Media-Manager der New Yorker Polizei: Twittert nette Bilder mit NY-Cops und verwendet den Hashtag #myNYPD. Und weil die New Yorker Polizei ja auch für ihre Freundlichkeit bekannt sind, goutierte das die Twitter-Gemeinde mit eindrucksvollen Bildern. Vermutlich nicht das, was sich die Behörde gewünscht hat. War nicht wirklich unvorhersehbar.

 

Das fliegende Klassenzimmer – Da sitzt man in seinem Flieger und erträgt die Flugzeit, und dann das: Die australische Mannschaft des Musicals König der Löwen flog gemeinsam mit der restlichen Holzklasse von Brisbane nach Sydney. Plötzlich und anscheinend spontan fingen sie an zu singen. Zur sichtlichen Verwunderung der restlichen Fluggäste. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich hierbei um einen öffentlichkeitswirksamen PR-Stunt handelt – immerhin mehr als 16 Millionen Views. Das ließ sich bisher jedoch nicht bestätigen – um so schöner.

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