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Monatsrückblick Oktober – Netzneutralität, AdBlocker und sexy Frikabrötchen

AdBlocker, Nerd-Kult und Gerichtsurteile: Die Blätter werden bunter und so halten es auch die Themen im Oktober. Mit wichtigen Meldungen zur Netzneutralität und Datensicherheit ist die Abteilung Digital-Politik diesmal stärker vertreten. Aber keine Spur von Langeweile: Wir haben den vielleicht beklopptesten Selfie-Trend der Welt entdeckt und für die Freunde nerdiger Popkultur gibt es auch ein paar Leckerbissen. Wenn das kein Angebot ist. Füße hoch und viel Spaß – der Oktober.

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Montage: socialmediakonzepte.de

URLxyz – Das neue Google-Dach Alphabet konnte bisher unter der vielsagenden Adresse abc.xyz.com erreicht werden. Aber das Imperium mit dem Doppel O macht keine halben Sachen und hat auch noch den Rest des Alphabets gekauft – na ja, nicht ganz: Google haben sich die Adresse abcdefghijklmnopqrstuvwxyz.com gesichert. Registriert sei sie seit 1999 und wurde nun von einem privaten Eigentümer zurückgekauft. Die Adresse Alphabet.com ist übrigens nicht mehr frei – die gehört seit 1995 BMW. Apropos gehört: Dem ehemaligen Google-Mitarbeiter Sanmy Ved hätte fast die Domain Google.com gehört. Beim Stöbern in Google Domains indizierte ein grünes, lachendes Icon, die Adresse sei frei. Schwups buchte Ved das Angebot und es sah wirklich so aus, als gehörte sie jetzt ihm – jedenfalls so lange, bis die Fehlermeldung kam und die Transaktion abgebrochen wurde. Das wär ja was gewesen. Leider ist der Dienst in Deutschland nicht verfügbar, denn für 12 $ würde sich das gelegentliche Stöbern lohnen.

animation (2)Drück dich aus – Dass der Dislike-Button auf Facebook kommt, stellte sich ja anscheinend als Mißverständnis heraus. Was Zuckerberg wollte, ist eine Möglichkeit, Gefühle wie beispielsweise Trauer angemessen auszudrücken. Und das wird jetzt getestet: Zum altbekannten Like kommen 6 Emoji-Gesichter, welche die Reaktion ausdrücken können/sollen. Getestet wird die Funktion zunächst in Irland und Spanien – angeblich weil die User in diesen Ländern die wenigsten ausländischen Freunde haben (urgh). Man muss schon anmerken, dass das endgültige Bild unter einem Posting damit ziemlich bunt und knallig würde und sich recht schnell abtragen kann. Unter den User-Anfragen übertrifft der Bedarf nach solch einer Ausdrucksmöglichkeit, laut Facebook, bei weitem die Nachfrage nach dem Dislike-Button. Warten wir’s mal ab.

Instahype – Das Fragezeichen des Monats möchten wir Thorsten Beek, dem Social-Media-Boss bei SpOn, verleihen. Der erklärte bei Zapp, wieso SpOn nun auch bei Instagram sei: Ein funktionaler Nutzen kann nicht benannt werden, da keine Links heraus führen. SpOn hat auch schöne Bilder und die könne man dort noch besser platzieren. Das Spiel mit Bewegtbildern (mittlerweile ein alter Hut) wird auch angedacht, steht aber anscheinend nicht auf dem Plan. Die Werbe-Option bekommt auch keine gesonderte Aufmerksamkeit und wird lediglich in die Abo-Abteilung verschoben. Aber: Hauptsache man ist auf Instagram und wird als Marke wahrgenommen. Womit wahrgenommen – tja, das sagt er nicht. Sein Ansatz klingt schwer nach Brand-Awarness-Kampagne – nur ohne die Kampagne und ohne erkennbares Konzept. Positiv ist jedoch, dass er auf dem Weg zu einem jüngeren Publikum die Offenheit für den Umgang mit aktuellen Rockstars wie Snapchat propagiert. Vor dem Hintergrund des bereits gesagten, klingt es aber auch wie eine Botschaft an die Entscheider im eigenen Haus.

 

Die AdBlocker-Operette – Bild.de macht Nägel mit Köpfen und sperrt alle Nutzer aus, die einen AdBlocker nutzen. Wer mit Werbesperre auf die Website geht, sieht eine Erklärung, wieso er nichts sieht. Eyeo, das Unternehmen hinter dem Blocker, behauptet, die Springer-Aktion habe eine Solidaritätswelle losgetreten und einen unerwarteten Geldsegen in die Kassen gespült. Springer erklärt dagegen, dass die Aktion erfolgreich gewesen sei und 2/3 der Besucher ihren AdBlocker abgeschaltet hätten. Belastbare IVW-Zahlen gibt es bislang nicht – man wird also noch sehen, ob das stimmt. Zwischenzeitlich verklagte Springer einen kleinen YouTuber, weil er ein Tutorial-Video gemacht hat, welches eine Methode zum Umgehen des Bild-Blockers erklärt. Der YouTuber sperrt sich gegen die erwirkte Abmahnung und deren Kosten, wie auch gegen eine Unterlassung. Eines ist mal klar: Große Haie, die sich im Becken an kleinen Fischen abarbeiten, geben ein jämmerliches Bild ab. Bei Springer kennt man anscheinend das Grundgesetz des Webs nicht: Was einmal im Netz ist, ist für immer im Netz.

Virale Kinder – Die Hagener Polizei hat sich in der Vergangenheit schon des Öfteren als social-kompetente Dienststelle präsentiert. Diesmal raten die digitalen Ordnungshüter zum bedachten Umgang mit Bildern des Nachwuchses: „Hören Sie auf, Fotos Ihrer Kinder zu posten“, lautet die Empfehlung und verweist dabei vor allem auf das (für gewöhnlich nicht thematisierte) Recht der Kinder auf Privatsphäre. Der Aufruf trifft damit eine Debatte, die eigentlich nie zu Ende diskutiert wurde: Was passiert mit Bildern von Kindern im Netz. Futter für Pädophile? Relikte, die den betroffenen Kindern Jahre später noch nachhängen? Widerrechtliche Nutzung des Bildmaterials? Die Fragen sind zahlreich und das sind auch die Gründe, wieso die Polizei mit dieser Warnung recht hat. Die Kids entdecken Instagram früh genug für sich selbst – da muss man sie vorher auf Facebook nicht bereits zu Trophäen der eigenen Eitelkeit machen.

Erfolg mit Stützrädern? – Android kann man getrost zu den erfolgreichen Betriebssystemen zählen – Chrome OS eher nicht. Wem das andere Betriebssystem zurecht nichts sagt: Chrome OS ist das Google-System, welches auf den nicht minder erfolglosen Chromebooks von Google läuft. Jetzt machte die Meldung die Runde, dass Android und Chrome OS verschmolzen werden sollen – ähnlich wie es Microsoft bereits mit Windows 10 gemacht hat. Irgendwas muss die Alphabet-Leute nervös gemacht haben, denn mittlerweile wurden solche Pläne gänzlich ausgeschlossen und dementiert. Das Missverständnis hatte Alphabet-Geschäftsführer Eric Schmidt selber befeuert, als er bei einem Event in China davon sprach, dass das eine System irgendwann im anderen System aufgehen muss. Auch wenn die Meldung falsch war, das Interesse daran war echt.

Alter Bekannter – Ex-Microsoft-Chef Steve Ballmer war shoppen. Und weil die Twitter-Aktie gerade mal wieder auf Talfahrt war, hat Bill Gates‘ ehemaliger Side-Kick zugegriffen und sage und schreibe 4 % des Unternehmens gekauft. Mit 4 % an Twitter sind Sie übrigens bereits Großaktionär und besitzen mehr als der derzeitige CEO und Mitgründer Jack Dorsey. Hoffen wir mal schwer, dass Ballmer damit auch mehr Einfluss gewinnt, denn wenn Twitter eines wirklich dringend gebrauchen kann, dann ist es jemanden, der in puncto Big-Business weiß, wo Barthel den Most holt.

Sexy Frikadellenbrötchen – Apple haben unter Steve Jobs eine Monstrosität geschaffen: Die Präsentationskultur, technische Geräte nicht nur wie Lifestyle-Produkte, sondern wie mythisch-religiöse Devotionalien zu lobpreisen. So werden die selbstverständlichsten Profanitäten nicht selten wie eine spirituelle Erfahrung zelebriert – ist dem Marken-Evangelismus zuträglich, wirkt aber aufgeblasen. Dieser Werbe-Duktus wurde schon einige Male mit gelungenen Parodien aufs Korn genommen, wie auch diesmal von BuzzFeed-Video: Was, wenn McDonalds wie Apple werben würde?

 

Hafen geschlossen – Das Safe-Harbor-Abkommen sollte garantieren, dass im Datenaustausch mit den USA Daten von EU-Bürgern vor dem Zugriff durch US-Behörden sicher sind. Nach den Unruhen um amerikanische Geheimdienstaktivitäten und das irische Auflösen europäischer Reglements, ist das Vertrauen in dieses Abkommen zurecht abhanden gekommen. Folgerichtig hat der EuGH nun Safe-Harbor für ungültig erklärt und stellt klar, dass nationale Datenschutzbehörden, werden sie angerufen, unabhängig ermitteln müssen. Zu verdanken haben wir das jedoch nicht dem Rechtsverständnis unserer europäischen Behörden, sondern der Klage eines österreichischen Privatiers, dem Datenschutzaktivisten und Juristen Max Schrems, welcher nach vergeblichen Einsprüchen bei irischen Datenschutzbehörden die Brüsseler Gerichte einschaltete. Für Facebook ist dieses Ereignis ein Teil in einem größeren und ernsteren Puzzlebild:

Status: Es ist kompliziert – Nachdem Facebook erst meinten, das EuGH-Urteil beträfe sie nicht, lenken die Selbstgerechten vom Zuckerberg nun ein und machen auf Transparenz. In Belgien wird das Netzwerk wegen eines heimtückischen Cookies verklagt, der deutsche Bundesverband der Verbraucherzentralen sieht in den Voreinstellungen und Werbeversprechen Verletzungen deutscher und europäischer Datenschutz- und Verbraucherschutzgesetze und geht dagegen vor. Und die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen vorsätzlicher Beihilfe zur Volksverhetzung gegen drei Facebook-Manager. Gerade im letztgenannten Thema eiert Facebook in einer Peinlichkeit rum, die offenlegt, wie kopflos und ignorant es mit echten soziopolitischen Krisensituationen umgeht – nämlich gar nicht. Der Gegenwind aus Europa wird von den Freunden aus Übersee gerne belächelt – das könnte sich bald als Fehler herausstellen.

Social Force – Marketing Stratege für Disneys Star-Wars-Franchise zu sein, muss im Moment ein wahrer Traumjob sein. In den ersten 24 Stunden nach Veröffentlichung des ersten The Force Awakens-Trailers verzeichnete YouTube über 20 Mio. Views und nach bereits 4 Minuten schoss Twitter von 3.700 Tweets pro Minute auf knapp 18.000. Insgesamt kommt allein der Trailer auf rund 400.000 Tweets und knapp 60 Mio. Views – anständig, allerdings nicht Top-of-the-mountain. Das ist aber nur die halbe Wahrheit – der tatsächliche Buzz kann kaum exakt gemessen werden: Der Trailer wird in allen Formaten auf allen erdenklichen Plattformen rumgereicht, Schlüsselszenen in unzähligen Gifs geloopt und Baupläne des neuen Kult-Droiden machen die Runde. Dazu wird jedes neue Bild oder Video sekundengenau analysiert und mit Spekulationen genährt. Das Netz fühlt sich gut gefüttert und ruft nach mehr. Wie gesagt – Traumjob.

 

Die verkaufte Chancengleichheit – Das EU-Parlament hat einem Gesetzentwurf zugestimmt, wonach Telekommunikationsriesen das Recht eingeräumt wird, ihre Leistungen unterschiedlich zu staffeln. Bezahlt haben das die Unternehmenslobbyisten mit der Roaminggebühr, welche ab Mitte 2017 (schon?) wegfallen soll. Wer das noch mal langsam erklärt braucht: Die Netzneutralität ist nun in ernsthafter Gefahr – und das mit tatkräftiger Hilfe der Politik. Günther Oettinger, Digitalkommissar und der denkbar schlechteste Mann für den Job, rückte den Aktivismus für Netzneutralität in die Nähe von Terroristen – welch ein Respekt für Bürgerfreiheiten. Aber auch die mittelständige Industrie sieht sich durch die Entscheidung bedroht. Der lachende Dritte sind Telekommunikationsriesen wie die Telekom – und die schmiedet bereits Pläne für die Monetarisierung der digitalen Zweiklassen-Gesellschaft. Aber: Auch gut für die Kino-Industrie, denn Netflix wird in Zukunft dann wohl nicht mehr ruckelfrei übertragen.

Hackerfestival – Wo wir gerade über die Telekom sprechen: Anfang Oktober erbeuteten Hacker die Datensätze von 15 Mio. T-Mobile Kunden in den USA und Ende des Monats schafften es Hacker, das TAN-SMS System für Online-Banking auszuhebeln und erbeuteten insgesamt über eine Millionen Euro von Telekom-Kunden. Wenn der Bonner Riese mehr Geld für seine Leitungen haben will, sollten die Experten vielleicht zusehen, dass ihre Kunden nicht zusätzlich Geld verlieren.

Nussecken – Ok, hier kommt der ultimative WTF-Moment des Monats: Nutscaping heißt ein neuer Selfie-Trend, der hoffentlich kein Massenphänomen wird. Wir beschreiben das mal so: Sie begeben sich in eine wunderschöne Landschaft, stellen sich mit dem Rücken zum schönsten Panorama, ziehen dann die Hose runter, beugen sich so weit vor, dass sie durch die eigenen Beine ein Bild der Landschaft machen können – und achten darauf, dass ein Testikel den oberen/unteren Bildrand anschneidet. Jetzt wissen Sie auch, wo die Nüsse ins Spiel kommen. Dahinter steckt ein Kollektiv des Künstlers Clancy Philbrick. Der Instagram-Account wurde bereits gesperrt, auf Twitter und der Tumblr-Projektseite kann man die skurilen Exponate noch sehen. Trotz der Aufforderung des Künstlers, es ihm gleichzutun, konnte Nutscaping keine verzeichenbare Gefolgschaft aktivieren – höchstens Spott. Na ja, ist ja auch kalt im Moment.

Der Apfel ist schuld – Kommen wir von den primären Geschlechtsmerkmalen zu den Sekundären. Bei einem Event von Dazed Digital erklärte Instagram CEO Kevin Systrom, wieso bare Nippel auf seinem Dienst verboten sind: Appel sei schuld (war ja klar). Die Policy des Apple App Stores sei so streng, dass jeglicher, bedenklicher Content zum Rausschmiss der Instagram App aus dem Store führe. Das Beste: Er hält an dieser Erklärung fest. Twitter beheimatet unzählige Porno-Accounts, wo man „alles sieht“. Und die App ist bis dato noch nicht aus dem Store geflogen. Ne ne, bevor man Blödsinn erzählt, sollte man doch besser gar nichts sagen.

Buy one, get one free – In den USA ist Youtube Red an den Start gegangen: Für knappe 10 Dollar im Monat gibt es alle Inhalte werbefrei. Und der Bonus: Wer YTR abonniert, kann Google Play Music auch nutzen – und umgekehrt. YouTube entwarnt auch direkt, trotz des Bezahlmodels ändert sich nichts am Standardangebot der Video-Plattform. Klingt zu harmlos um wahr zu sein.

BTTF – Und zum Abschluss: Der 21.Oktober 2015 ist gekommen. Für Freunde der Alltags-Popkultur ist der Tag das Datum, in welches Marty McFly in Back to the future II (der Teil mit den Hover-Boards) „fliegt“. Wie es sich gehört, wurde der Film-Kult natürlich im ganzen Netz gebührend gefeiert. Ausgerechnet von der standesseriösen Tagesschau kam einer der besten Beiträge. Und das ist nicht nur irgendeine Trittbrettfahrerei – hier wurde mit viel Nerd-Verständnis gearbeitet. Wir haben immer noch feuchte Augen.

 

Artikelbild:Jerome Bon (flickr / Nutzungsbedingungen) 

 

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