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Eiswasser und Eiergrapscher – Der Challenge-Hype in sozialen Netzwerken

Die Ice Bucket Challenge ist vorüber, doch ein Ende solcher Aktionen noch lange nicht in Sicht. Schon versuchen neue Initiatoren mit neuen, teilweise fragwürdigen Ideen, die nächste Welle in Gang zu setzen.

Ein Hype und seine Nachahmer

Was bewegt Tausende von Menschen dazu, sich vor laufender Kamera mit Eiswasser zu übergießen und das Video anschließend auf Facebook mit der Welt zu teilen? Wenn die ALS Ice Bucket Challenge, die jüngst die sozialen Netzwerke überrollte, eines eindrucksvoll demonstriert hat, dann ist dies die Massendynamik, die Internet-Hypes in Zeiten von Social Media entwickeln können. Hätte es sich bei der Ice Bucket Challenge um eine gezielte Marketing-Kampagne gehandelt, sie wäre wahrscheinlich mit Preisen überhäuft worden. Schließlich spülte sie über 100 Millionen Dollar in die Spendenkassen der amerikanischen ALS Association.

Bei der Ice Bucket Challenge ließen sich reihenweise Leute mit Eiswasser übergießen.  Foto: By Chris Rand (Own work) [CC-BY-SA-4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons

Bei der Ice Bucket Challenge ließen sich reihenweise Leute mit Eiswasser übergießen.
Foto: Chris Rand, via Wikimedia Commons

Da verwundert es kaum, dass nach dem Abklingen des Hypes bereits die nächsten Challenges ins Leben gerufen wurden, die sich wohltätigen Zwecken verschrieben. So machte kurz darauf etwa die sogenannte „Camel Toe Challenge“ von sich reden, die Frauen dazu aufrief, Fotos der Abzeichnung ihrer Geschlechtsteile in zu engen Hosen zu posten, um damit auf Gebärmutterhalskrebs aufmerksam zu machen. Da die Sinnhaftigkeit dieser Aktion sich jedoch weit weniger Menschen erschloss als deren offensichtliche Geschmacklosigkeit, fristete sie nur ein Nischendasein und verschwand schließlich in der Versenkung. Ähnlich erging es auch dem männlichen Pendant, der „Feeling Nuts Challenge“, bei der Männer sich demonstrativ in den Schritt fassen und so auf Hodenkrebs hinweisen sollten.

Vom Kettenbrief zur Challenge

Früher waren es Kettenbriefe, ursprünglich mit der Post verschickt oder als Zettel in der Schule verteilt, die nach dem Schneeball-Prinzip unaufhaltsam ihre Kreise zogen, obwohl die meisten Leute sie als nervig empfanden. Wohl kaum jemand wird von sich behaupten können, nicht wenigstens einmal einen weitergeleitet zu haben – sei es aus tatsächlicher Angst vor den gern angedrohten Konsequenzen, oder um den vermeintlichen Spaß einfach mitzumachen, Teil einer Welle zu werden und nicht als Spielverderber dazustehen.

Mit dem Aufkommen digitaler Kommunikationswege überschwemmten die Kettenbriefe bald auch E-Mail-Postfächer oder wurden per SMS, später Instant Messenger und schließlich soziale Netzwerke auf die Reise geschickt, was das Weiterverteilen deutlich vereinfachte. Die Social Networks förderten zudem weitere Schneeball-Phänomene wie Hoaxes oder Memes immer stärker zutage, denn plötzlich gingen die Schauermärchen und Bildwitze nicht mehr nur an einzelne Adressaten. Es wurde einfach alles mit jedem geteilt, sodass man direkte Reaktionen und eine breitere Öffentlichkeit erhielt.

Hybrid aus Meme und Kettenbrief

Die Challenges sind als Hybriden aus Meme und Kettenbrief nicht zuletzt deshalb so erfolgreich, weil sie beide Phänomene miteinander verbinden: Durch öffentliches Teilen erzeugen sie große Aufmerksamkeit, durch die Nominierungen dagegen eine Verpflichtung zum Mitmachen und Weiterverbreiten. Dass dieses Prinzip funktioniert, zeigte bereits die Anfang des Jahres kursierende Biernominierung, bei der die Teilnehmer auf möglichst ungewöhnliche Art einen halben Liter Bier trinken oder stattdessen dem Nominierenden eine Kiste Bier schenken sollten. Später folgte dann die „Cold Water Challenge“, die einen Sprung ins kalte Wasser forderte und erstmals bei Nichterfüllung auch die Möglichkeit einer Spende vorsah.

Das Spendenelement kam jedoch erst bei der anschließenden Ice Bucket Challenge wirklich zur Geltung und gab ihr dadurch den entscheidenden Anschub. Schließlich wollte keiner in Verruf stehen, nicht spendenbereit zu sein. Dennoch ist auch ein vorgeblich guter Zweck kein Garant dafür, dass eine Challenge funktioniert, wie #cameltoechallenge und #feelingnutschallenge zeigen. In erster Linie zählt immer noch der Spaß, den die Aufgabe bereiten soll – denn ohne diesen oder zumindest die erwarteten Reaktionen macht sich kaum einer die Mühe, dafür aktiv zu werden.

Spieltrieb ohne Grenzen

Ein Ende der Challenges ist derzeit jedenfalls nicht in Sicht, auch wenn es bis zum nächsten großen Hype wahrscheinlich noch ein Weilchen dauern wird. Viele sind vorerst übersättigt, andere halten sich mit kleineren Challenges wie den derzeit kursierenden Aufrufen, zehn Lieblingslieder oder -bücher preiszugeben, über Wasser. Der Spieltrieb der Menschen und ihr Wunsch nach Aufmerksamkeit scheinen jedenfalls unersättlich und werden uns auch weiterhin – je nachdem, wie man dazu steht – köstlich unterhalten oder einfach nur unendlich nerven.

 

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