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Lokführer, Hooligans und gefrorene Eizellen – Monatsrückblick Oktober

Beim bislang längsten Monatsrückblick treffen wir wie erwartet auf viele Meldungen aus den Bereichen Netzleben, Politik und Business. Auffällig ist im Oktober jedoch, dass gerade das irdische Verhalten von Netzbewohnern öfter als gewohnt im Mittelpunkt steht. Und wir müssen leider eine besonders hohe Verdichtung bei den Topics Sexismus und stereotype Frauenbilder verzeichnen. Versprochen, es wird trotzdem unterhaltsam. Aber diesmal eben auch mit einigen nachdenklichen Fußnoten – bitte schön: Der Oktober.

tb_Monatsrueckblick_01Oktober2014 copyHirtenbrief – Edward Snowden hat sich mal wieder zu Wort gemeldet. Diesmal warnt der heilige Eddie vor Dropbox, Facebook und Google. Allesamt und bekanntermaßen keine Kandidaten für einen Diskretionspreis. In puncto Dropbox passte der Zeitpunkt allerdings wie die Faust aufs Auge: Erst tauchte ein Datenleck auf, eine Passwort-Änderung wurde empfohlen, und dann kamen bei vielen Usern auch noch Phishing Mails von Dropbox an. Gutes Timing.

Parade der Markenwerte – Das rennomierte Interbrand-Ranking hat seine Rechnung für 2014 gemacht: Apple ist trotz aller Schlagzeilen weiterhin die wertvollste Marke. Bewertet nach der Methodologie von Interbrand sind Meldungen und Analysten-Stimmungen nicht so ausschlaggebend wie die inneren Werte. Und die zeigen sich in blanken Zahlen und Formeln zur Errechnung von Einflusskraft oder Authentizität. Übrigens: Bemerkenswert, dass die ersten beiden Plätze von Unternehmen der digitalen Welt besetzt werden (Platz 2: Google) – und das mit Abstand. Der „Top Riser“ mit einem Zuwachs von 86%: Facebook auf Platz 29.

Friedenspreis lässt tief blicken – Jaron Lanier kann man getrost zur Technologie-Avantgarde zählen. Bereits in der Vor-Internetzeit hat sich der New Yorker Künstler/Informatiker/Unternehmer/Philosoph seine Meriten für die Förderung eines Kulturbewusstsein der anwachsenden Generation Digital verdient. Jetzt erhielt Lanier den Friedenspreis des deutschen Buchhandels. Seine Kritik an digitalem Kapitalismus, Umsonst-Kultur und schwindendem Humanismus trifft ins Schwarze. Das beweisen viele Kommentare und Nutzerstimmen, welche die kritische Betrachtung der digitalen Gesellschaft nicht an sich heranlassen und den New Yorker lieber als Zausel, der Unsinn redet, beschimpfen. Hören wir ihm vielleicht erst mal zu und behalten im Hinterkopf: Was er da erzählt, wird von seinen Kritikern als zusammenhangslos und absurd verrissen. Tja, eines manchen Netzbewusstsein steckt anscheinend noch in der Steinzeit fest.

Julian sagt… – Julian Assange erklärt uns in Newsweek, dass Google nicht ist, was es scheint. Was nach altem Aufguss klingt, ist aber in der Tat interessant. Herr Assange erzählt nämlich etwas von einem schleierhaften Besuch, welchen er von Google-Mitarbeitern erhielt. Was zunächst als Treffen mit Google-Mitarbeitern geplant war, stellte sich als Besuch von Mitarbeitern des US-Außenministeriums heraus. Das Ziel war anscheinend, mehr über die Strukturen und Organisation von Wikileaks zu erfahren. Kein skandalöser, aber sehr aufschlußreicher Einblick in Googles politische Agenda – oder der des US-Außenministeriums.

Sexistische Butterbrote – Subway ist australisch für Schnitte Brot und darüber hinaus noch die Heimat eines mindersensiblen Spots, welcher suggeriert: Frauen sollen keine Burger essen, denn sie müssen ja auch nach dem Sommer in Form bleiben – für Halloween. Das Ganze wird garniert mit den denkbar klischeehaftesten und textilärmsten Beispielkostümen. Was eigentlich nur ein verächtliches Kopfschütteln verdient hat, stößt bei vielen Amerikanern auf reaktionsstarke Sensibilität – mit anderen Worten: Shitstorm vom Feinsten. Die Sandwich- und Baguette-Schmiede steht der Empörung anscheinend eher ratlos gegenüber, nimmt den Clip erst aus dem Traffic, stellt ihn wieder online und löscht ihn dann endgültig. Nicht entschuldigen und trotzdem löschen – klingt nach Einsicht.

Ein Bild, welches Ebay-Verkäufer kimberlyk1018 zur Artikelbeschreibung postete.  

iLeak – Da ist doch glatt ein iPhone6-Prototyp bei eBay aufgetaucht. Keine Wirtschaftsspionage, sondern der zweite Teil einer anderen Geschichte: Ein Verizon-Kunde hatte statt eines handelsüblichen Modells den Prototyp zugeschickt bekommen. Der Kunde retournierte nicht, sondern versuchte das Unikat zu verkaufen. Zwei Tage vor dem Ende der Auktion wurde das Angebot jedoch zurückgezogen. Wir wissen somit nicht, ob es den Besitzer gewechselt hat, oder ob Apple ein Angebot gemacht hat, welches der Verkäufer „nicht ablehnen konnte“. Bleibt trotzdem noch die Frage: Wie kommt ein Zweitanbieter, in diesem Falle Verizon, in den Besitz eines Prototypen, welcher dann auch noch in den Verkauf gelangen kann? UPDATE: Das Gerät ist wieder zur Auktion freigegeben – jedenfalls macht es den Eindruck, denn: Der Nutzer kimberlyk1018 verkauft wieder ein iPhone 6 – der Titel der Auktion lautet „Brand New Rare Unfinished Silver 64gb Apple iPhone 6 Previousely Listed as Prototype„. So so.

The Snappening – Die Idee war eigentlich, dass via Snapchat versendete Bilddateien nach dem Aufrufen wieder gelöscht werden. Faktisch sammelte eine Erweiterung der App tausende Fotos und Videos von Nutzern. Oh Wunder, dass einer der Datensätze jetzt in die Hände von Hackern geraten ist. Und noch mal Oh Wunder: Die privaten Bilder, darunter auch viel aus dem Ressort „textilfrei“ und eben auch von Kindern, landeten auf dem mittlerweile berüchtigten Imageboard 4chan.org. Da gegen Hacker bisher kein Kraut gewachsen ist: Vielleicht sollte man in Zukunft keine Amateur-Pornos oder Junk-Shots mit dem Smartphone machen.

Cat Calling – Hollowback! ist eine NPO, welche sich gegen Belästigungen von Frauen in der Öffentlichkeit stark macht. Für ein Straßenexperiment der Organisation ist die Schauspielerin Shoshana Roberts nun 10 Stunden durch New York gelaufen, um zu dokumentieren, wie Frauen völlig selbstverständlich und alltäglich auf offener Strasse belästigt werden. Was besonders Männer für eher harmlos halten, nennt sich in den USA Cat Calling und ist durchaus hochemotionale Gesellschaftsdebatten wert. Nicht erst dieser Clip befeuert eine Sexismus-Debatte, die gerade wegen diesem Cat Calling die Wogen hochschlagen lässt.

Während sich die meisten Frauen einig sind und durch das auf 2 Minuten geschnitte Video bestätigt fühlen, ist es erschreckend und beschämend, wie die Reaktionen der Männerwelt aussehen: Übelste Beleidigungen, Mord- und Vergewaltigungsdrohungen gegen Shoshana Roberts. Und es bleibt fraglich, ob es nicht mindestens genauso schlimm ist, dass sich selbst Kommentatoren von Mainstream-Sendern an der Kritik beteiligen (s.rechts): Hollowback! würde ja nur die sexuelle Belästigung offenlegen, aber sie nicht hinterfragen – Belästigungen würden ja von den Frauen eher provoziert als erlitten. Ja nee, is klar. Und selbst aus dem eigenen Lager kommt Kritik: In dem Clip wären nur Latinos und Schwarze abgebildet – das Zeichen, welches gesetzt würde, sei rassistisch.

Rob Bliss, der inszenierende Kameramann, welcher Shoshana begleitete, kommentierte, dass er mit naiven Vorstellungen in das Experiment gegangen sei – er habe nicht damit gerechnet, Stalking, Obsozönitäten und Bedrängungen in dieser Intensität zu erleben. Bevor wir nun kopfschüttelnd wieder die USA belächeln: Führen wir uns die Kommentare zu Gemüte, welche sich in Deutschland unter Artikeln über das Video eingefunden haben (Zeit|Spon) und dann lesen wir nach dem Clip weiter.

Aufschrei gegen #aufschrei – Anne Wizorek initiierte vor zwei Jahren die #Aufschrei-Kampagne, welche Alltagssexismus via Twitter dokumentieren sollte. Die Kampagne war/ist ein Erfolg und so verwundert es nicht, dass Wizorek auch via Zwitscherversum um positive Rezensionen zu ihrem Buch bat. Jetzt raten Sie mal: Direkt im Anschluß entbrannte auf der Produktseite bei Amazon ein Wettstreit um den übelsten Verriss – überwiegend nicht-verifizierter Käufer. Dabei unterscheiden sich die zwanghaft sachlichen Schmähungen (Liebe Frauen, wir erklären euch mal die Welt) nicht sonderlich von den Weltsichten der amerikanischen Cat-Caller. Interessant auch, dass die Dreckspatzen entweder wie xyz nur dieses Buch bei Amazon rezensiert haben, oder wie Nutzer Schwarzer Witwer alles progressiv/linke, von nachhaltigem Lebensmittelbewußtsein bis alternative Energie, verteufeln und dagegen die Biografie von George W. Bush hochloben. Tja, Land der Dichter und Denker, nicht wahr?!

Ende einer Ära – Bertelsmann kauft Gruner+Jahr. Mit dem Kauf der letzten 25,1% Familienbeteiligung kann der Gütersloher Konzern in Hamburg nun durchregieren. Auch wenn Bertelsmann-Chef Rabe die Übernahme als Bekenntnis zum Journalismus verkauft, sollte man einen realisitschen Blick behalten und sagen, was bisher nur angedeutet wird: G+J scheiterte nicht zuletzt am erfolglosen Digitalgeschäft bzw. dem fortschreitenden Niedergang des Print-Geschäfts. Rabe bekräftigt zwar, dass das Unternehmen nun nicht filetiert werden soll, nur: Einschnitte sind abzusehen, weil notwendig. Alle Zeichen stehen auf digital – und das hat nun mal Konsequenzen.

Wasserstandsmeldung – Als Google im Juni begann, Löschanträge anzunehmen, waren es noch 12.000 Anträge. Anfang August waren es bereits 91.000. Aktuell wird von 135.000 Anträgen mit 483.000 unliebsamen Links gesprochen. Wer jetzt große Löschorgien vermutet, wird enttäuscht: Google sieht sich durch das EuGH Urteil vor neue Fragen gestellt und gründet erst mal einen „Lösch-Beirat“, welcher sich mit der „neuen Herausforderung“ beschäftigt. Wir bleiben dran.

Eine kleine Nac(k)htmusik – Und nun ein etwas versöhnlicher Ausklang zu den sexistischen Ergüssen des Monats. Schlüpfrig? Mitnichten: Wenn ein YouTube-Video in weniger als einem Monat über 30 Mio. Aufrufe verbuchen kann, sollte es eine Nennung wert sein. Sara „X“ Mills ist ein Tattoo-Model und darüber hinaus ein sehr lebenslustiger Charakter. Der Clip war nur als Spaß gemeint und wurde glücklicherweise auch überwiegend so verstanden. Auf der Schattenseite gibt es eine harmlose „Hater“-Debatte, die um die Frage kreist, ob der Clip nicht ein Fake sei. Aber auch viele präpubertäre Männchen fühlten sich zu obszönen Kommentarorgien eingeladen. Da haben sie die Rechnung ohne die Wirtin gemacht: Frau Mills kommuniziert hauptsächlich über ihre Facebook-Seite und geht dort sehr offensiv mit jeder Art missverstandener Rezeption um – egal ob es dumme Kommentare oder öffentliche Angebote zu Porno-Drehs sind. Ihre Mails lässt sie von einer Freundin administrieren, welche Mills als „sick fuck“ beschreibt, die jeden nassforschen User in der Luft zereißt. Und wenn das nicht reicht: Ihre Facebook-Fans stehen wie eine Eins hinter ihr und lassen keinen Zweifel aufkommen: Nur weil sie zeigefreudig ist, Pole-Dancing Clips postet und lustige Videos mit ihren Brüsten dreht, heißt das nicht, dass sie Freiwild für Fleischwarenfreunde ist. Go Sara!

Lauschangriff – Ab dem nächsten WhatsApp-Update dürfen sich die User über eine VoIP-Funktion freuen. Technisch wird sich diese Option voraussichtlich nur im WiFi-Betrieb lohnen. Rechtlich allerdings ist der Schritt durchaus bedenklich, zumal das neue Feature Mitschnitte von Gesprächen erlauben soll: §201 StGB verbietet solche Aufzeichnungen ohne wenn und aber. Viel Wind um eine App, mit der Zuckerberg angeblich noch gar kein Geld verdienen will.

Die Verbrechensbekämpfer stellen sich vor: Aufgaben der EC3

A few „good“ men – Sie sind kriminell und wollen ins digitale Geschäft einsteigen? Dann zücken Sie schon mal das Scheckbuch. Denn laut Troels Oerting, seines Zeichens Chef des Cyberabwehrzentrums (EC3) von Europol, gibt es in der organisierten Cyberkriminalität weltweit nur 100 Top-Programmierer für Malware. Ausgestattet seien die Burschen besser als die verfolgenden Behörden, was nicht verwundere, nehme die Kommerzialisierung der Cyberkriminalität doch stetig zu. Glücklicherweise verbessere sich aber auch die Zusammenarbeit mit Russland, was durchaus wichtig ist, denn: Die meisten dieser Top-Programmierer kommen aus dem russischsprachigen Raum.

Rituelle Symbolpolitik – Die digitale Infrastruktur Deutschlands hinkt hinter internationalen Standards hinterher, Kanzlerin und zuständiger Verkehrsminister sind in der Vergangenheit bereits mehrfach mit vollmundigen Versprechen des Breitbandausbaus aktenkundig geworden – und hier die nächste Episode: Nach langer Beratungsarbeit in Gremien und Ausschüssen hat der Bundestag eine neue Initiative für den Breitbandausbau verabschiedet. Unter Protest der Opposition, denn Grüne und Linke kritisieren zurecht die mangelhafte Finanzierung, welche bisher keine Hoffnung auf Kontinuität des Ausbaus macht. Der Plan geht nach Regierungskalkulation nur mit Investitionen der privaten Wirtschaft auf. Nachdem sich die reiche Schöne erst zierte, deckeln Unternehmen nun 80% der Finanzierung. Über die restlichen 20%, oder wie die 80% seitens der Politik „erleichtert“ werden, gibt es bis dato keine klaren Aussagen. Aber man muss damit rechnen, dass die Investitionen des privaten Sektors ein anderes Opferlamm zur Schlachtbank führen werden: Die Netzneutralität. Und somit bleiben die angestrebten 50 Mbit/s für 100% Bevölkerung ein schamloses Lippenbekenntnis.

Foto: Facebook / Quelle: Bild.de

Wie Unbedachtheit zum Verhängnis werden kann … – … durfte Casting-Relikt/Metal(?)-Barde/Ex-Radiomoderator Martin Kesici am eigenen Leib erfahren: Erst postete er mit minimaler Reflektion diese unterstützenden Worte zu den Ausschreitungen der HoGeSa-Aufmärsche (s.rechts, wo sonst), nach vermutetem Dämmerzustand löschte er den Beitrag dann und veröffentlichte an gleicher Stelle eine Erklärung, um alles wieder ungeschehen zu machen. Zu spät, denn von seinem Job als Radiomoderator ist er zunächst freigestellt, und der Shitstorm ist in vollem Gange. Der Leichtmetaller unter den Schwermetallern moderiert seine Seite anscheinend nicht, denn dort findet man nun zahlreiche Links zu rechtsextremen Seiten jeglicher Färbung. Und nicht wenige Kesici-Fans tönen nun von Boykott und verunstalten die Seite seines vorerst ehemaligen Arbeitgebers Star FM mit erpresserischen Drohungen, den Sender nun nicht mehr zu hören – nicht selten mit bräunlichem Nachgeschmack.

Erfolg ist Ansichtssache – Wir registrieren: Ein Jahr gibt es nun die Huffington-Post in Deutschland. Chefredakteur Sebastian Matthes und Herausgeber Cherno Jobatey sehen das erste Jahr auf dem deutschen Markt als Erfolgsgeschichte. So optimistisch sind andere Portale nicht: Meedia.de sieht vor allem stagnierende Zuwachsraten und wenige Perspektiven, die Zielsetzungen im geplanten Zeitraum zu erreichen. In einem Punkt können wir uns aber alle einig sein: Der Journalismus wurde weder neu erfunden, noch kompatibler für die Online-Herausforderung gemacht.

Ist das Kunst oder kann das weg? – Virgin America macht jetzt wohl auch in Konzept-Kunst. Die Rede ist von einem sechsstündigen Werbefilm, in welchem nichts passiert, außer dass man sprechende Mannequin-Puppen in der Langeweile eines Langstreckenflugs sieht. Es gibt in der Bloggosphäre niemanden, der sich einen Reim darauf machen kann. Adweek.com konnte mit dem verantwortlichen CD Bryan Houlette von Eleven in San Francisco sprechen: Der Film sollte zeigen, wie langweilig es ist, wenn man wie auf Autopilot bei einer „Blah“-Gesellschaft fliegt – und dass es nicht so sein muss. Wenn man den Clip einfach laufen lässt und dabei versucht ein Buch zu lesen, bekommt man den idealen Eindruck. Vor dem Hintergrund, dass dieses Filmwerkchen einfach aufgrund seiner bizarren Erscheinung und Form von sich Reden macht, wird es fraglich, ob das nicht doch ein genialer Einfall war.

Auf Eis gelegt – Eigentlich kein SocialMedia-Topic, aber doch ziemlich aussagekräftig: Apple und Facebook bieten nun ihren weiblichen Angestellten an, das Einfrieren von Eizellen zu bezahlen – sozusagen „für später“, stünde eine geplante Mutterschaft den Karriereplänen im Wege. Das zynisch klingende Social-Freezing ist nicht neu, allerdings bis dato nicht sehr verbreitet: Erstmals 1997 erfolgreich angewandt, wurden bisher rund 2000 Kinder auf diese Weise geboren. Durch die Initiative von Apple und Facebook wird die Debatte nun neu angestoßen und man sollte nicht glauben, dass sich alle Frauen damit zur kalkulierbaren Gebärmaschine degradiert fühlen. Die Karriereprioritäten wiegen für viele Frauen doch schwer genug, um das soziale Einfrosten als Option in Betracht zu ziehen. Der Soziopsychologe würde fragen, was die Arbeitskultur heute mit traditionellen Wertevorstellungen macht.

Vorzeitiger Analyseerguss? – In den letzten Oktobertagen wurde an manchen Ecken über den Niedergang von Foursquare getuschelt. Den Gerüchte zugrunde liegen Zahlen zu UVs, Downloads und Rankings in App-Stores, welche den Anschein erregen, dass das Unternehmen infolge des Swarm-Splits an Bedeutung verliert. Nun: Zunächst kommt das nicht unerwartet, sondern bestätigt CEO Crowleys Hypothese zur App-Nutzung. Und andererseits präsentieren die Zahlen nicht die (zur Zeit) wirklich wichtigen Nummern wie Engagement metrics, oder wie Verluste durch mobile Web-Visits kompensiert werden. Bei Foursquare können wir gerade beobachten, wie ein Unternehmen seiner eigenen Obsoleszenz durch Reaktion auf Userverhalten zuvorkommen will und dabei versucht, neue Wege in der Kommerzialisierung des Location Targeting zu gehen. Machen wir also die Pferde nicht bereits nach zwei Monaten scheu – versuchen wir zu verstehen.

Es fährt kein Zug nach irgendwo – Die Erben von Lukas, dem Lokomotivführer, streiken, das Volk stöhnt und Twitter schafft es, dem nervigen Arbeitskampf etwas Stimmungsaufhellendes abzugewinnen: Unter dem Hashtag #LokführerFilme tweetet die Republik abgewandelte Filmtitel, die zum Streik passen. Da viele Beispiele auch auf alle anderen „regulären“ Verkehrsstörungen der Bahn passen, könnte der Hashtag sich noch einige Jahre halten.

WikiLeaks goes commerce – Wikileaks ist die bekannteste und bedeutendste Whistleblower-Plattform. Das schließt anscheinend nicht aus, dass man aus dem eigenen politischen Werk Profit schlägt – und das auch noch auf Kosten treuer Unterstützer: Das Nerd-Kaufhaus GetDigital.de druckt seit 2010 Wikileaks T-Shirts und spendet nahezu die gesamten Erlöse dem Portal. Vorbei: Der Shop gab nun bekannt, auf Druck von Wikileaks, vertreten durch Bavaria Media, den (Spenden-)Verkauf der Shirts einstellen zu müssen oder in Zukunft Lizenzen für die Logo-Nutzung zu kaufen. Nach einem Bericht in der SZ und netzaktiven Empörungsspitzen, hat Bavaria scheinbar eingesehen, dass diese Form (unpersönlich mit Form-Mail) unangemessen war und entschuldigte sich bei GetDigital. Das ändert aber nichts an der Sache selbst: Bavaria bietet an, über eine Zusammenarbeit oder einen Lizenzerwerb demnächst wieder mit GetDigital zu sprechen. Zunächst müsse man aber Mitbewerber mit mehr Marktpotential anhören. Bleibt nur die Frage: Ist es angemessen, eine Idee mit soviel realpolitischem Impact wie Wikileaks zu einer Marke zu machen und monetär abzumelken?

Dessert für Androiden – Nach Ice Cream Sandwich, Jelly Bean, KitKat und noch einigen anderen Süßspeisen, kommt jetzt Lollipop – und weil Meldungen über neue Betriebssystem-Updates nur in Langausführung Sinn machen, widmen wir uns lieber kurz einem anderen Mysterium: Warum werden die Android-Versionen eigentlich nach Süßkram benannt? Zunächst: Die chronologische Namensgebung verläuft in alphabetischer Reihenfolge, also: Nach der Betaphase hieß die erste Version Cupcacke, dann Donut, dann Eclair, usw. Aber eine tiefergehende Antwort gibt es zumindest von offizieller Seite nicht. Es ist eine interne Team-Sache, ähnlich wie bei Apple, welche die OS-Versionen ab Mac OS X nach Großkatzen benannten (Cheetah, Puma, Panther, etc.). Auf dem Android-Firmengelände gibt es jedoch zu jeder Version eine Statue. Wir hoffen, Apple hat keinen geheimen Zoo.

Der längere Hebel – Wir erinnern uns kurz an das letzte Update in Sachen Leistungsschutzrecht: Google, Web.de, Telekom und GMX haben den Verlagen zu verstehen gegeben, wenn man für Snippets in Suchergebnissen zahlen soll, dann wird man in Zukunft auf den Content der großen Verlage verzichten. Und jetzt wissen wir auch, wer am längeren Hebel sitzt, denn: Kurz vor dem 23.Oktober, ab dem Google dann endgültig auf Snippets und Bilder verzichtet hätte, erteilten die Verlage, vertreten durch die VG Media, Google eine „Gratiseinwilligung“ zur unentgeltlichen Nutzung der Presseerzeugnisse. So läuft der Hase.

Anweisung aus Mittelerde – Dass Neuseeland und alles, was sich in dem kleinen Staat abspielt, gerne mit allen erdenklichen „Herr der Ringe“-Referenzen wirbt, ist bekannt und gern gesehen. Der neueste Clou kommt von Air New Zealand, welche die Sicherheitsanweisungen auf ihren Flügen nun durch Gandalf & Co. durchführen lassen. Was dabei herauskam, wird allseits als eines der epischsten Safety Videos aller Zeiten gefeiert. Zu Recht! Und Peter Jackson ist natürlich auch dabei.

Freiwillige Erfolgsbilanz – Die IVW registriert seit Juni die Erfolge der paid-content-Angebote in Deutschland – das heißt: von solchen Anbietern, die ihre Zahlen preisgeben möchten. Das umfasst auch den Sektor der mobilen Inhalte inklusive der App-Verkäufe. So umfangreich die Statistik auch ist (s.hier): Bis dato haben sich nur Bild-Plus und Welt Digital mit ihren Angebotskonglomeraten zur Zählung gemeldet. Aber auch wenn die neue Volkszählung den allgemeinen Zustand im Lande nicht wirklich befriedigend reflektiert, so wissen wir nun, dass Bild-Plus mit knapp einer Viertelmillion Abonnenten durchaus erfolgreich ist. Und laut Bild-Geschäftsführerin Donata Hopfen, habe das Angebot somit bereits mehr Mitglieder als der FC Bayern München. Was ein Vergleich. #facepalm

Katzen für China – Westliche Industrie-Weisheit: Der Chinese kopiert gerne. Mit dem Ziel, der fernöstlichen Netzkultur einen moderneren Anstrich zu verpassen, geht nun WeZeit an den Start. Und das Produkt des Start Ups ähnelt auffällig Buzzfeed – mit Vorsatz: Eigentlich habe man eine Art chinesisches Huff-Post gründen wollen, aber das wäre wohl (vom Gründer zugegeben) zu politisch und somit zu riskant geworden. Es macht durchaus Sinn, diese wie alle weiteren Meldungen zu chinesischen Start Ups ernst zu nehmen: Alibaba ist dabei, Amazon und Ebay irgendwann auch international abzuhängen, und der WhatsApp-Konkurrent WeChat legt nicht nur stetig zu, sondern macht sich auch für westliche Nutzer immer hübscher. Also: Lernen wir langsam mal Chinesisch.

Einmal um die Welt – Und zum Abschluß noch etwas Friedliches, Faszinierendes, Entspannendes: Die ISS beschenkt uns immer wieder mit schönen Bildern von oben. Dieses Mal: Ein Timelapse-Filmchen einer Erdumrundung bei Nacht. Wir sehen die Lichter der Städte, Blitze von der anderen Seite der Wolken und die Nordlichter, welche sich wie ein grüner Film über die Erde legen. Der Clip ist zwar schon zwei Jahre alt, aber: einfach schön.

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Beim bislang längsten Monatsrückblick treffen wir wie erwartet auf viele Meldungen aus den Bereichen Netzleben, Politik und Business. Auffällig ist im Oktober jedoch, dass gerade das irdische Verhalten von Netzbewohnern öfter als gewohnt im Mittelpunkt steht. Und wir müssen leider eine besonders hohe Verdichtung bei den Topics Sexismus und stereotype Frauenbilder verzeichnen. Versprochen, es wird trotzdem unterhaltsam. Aber diesmal eben auch mit einigen nachdenklichen Fußnoten - bitte schön: Der Oktober.

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