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Nackte Stars und schlagende Modells – Monatsrückblick September

Kann mal einer auf Pause drücken? Im September war mal wieder jeder der Meinung, für viele Nachrichten sorgen zu müssen. Business, Technik, Politik, Netzkultur, Kampagnen – kein Feld wurde ausgelassen. Also gehen Sie noch mal zum Kühlschrank – das kann jetzt etwas länger dauern. Bitte schön, der September.

tb_Monatsrueckblick_01September2014 copyApfel Dilemma – Bevor es zu den Highlights des Monats geht, müssen wir das hier erst mal abarbeiten: Eigentlich sollte es mit dem Apfel-Imperium jetzt wieder richtig bergauf gehen – so wie zu Jobs Zeiten. Stattdessen muss die Generalität in Cupertino Angriffe an allen Fronten abwehren. Und Konkurrenz wie Netzbewohner sparen nicht mit Spott und Häme.

Am 9. September wurden iPhone 6 und Apple Smartwatch vorgestellt. Die irischen Rocker von U2 gesellten sich auf die Bühne und verschenkten ihr neues Album auf iTunes. Leider klappte das mit dem Live-Stream der Keynote nicht so gut. Und die verschenkte Musik kam wegen der benötigten 72MB Speicherplatz auch nicht so gut an.

Zum Verkaufsstart lief dann aber soweit alles gut – normale Ungereimtheiten, nichts Spektakuläres. Doch dann setzen sich ein paar adipöse Spezialisten auf ihr neues Zauberphone und sorgen für einen Knick im Werk. Der Zwischenfall wird schnell hochstilisiert und schon ist #bendgate geboren. Zugegeben, der Test zeigt wirklich Defizite. Wenig später bleiben dann noch User mit ihren Barthaaren zwischen Display und Gehäuse hängen – voilá: #hairgate ist geboren.

Das Netz macht sich lustig, Gewerbetreibende nutzen den Zwischenfall als Vehikel für ihre Werbung und es gehört ja schon zur folkloristischen Tradition, dass gerade Samsung jeden Apfel-Fauxpas ebenso mit großer Häme begleitet. Eigentlich auch schon wieder normal – und für Apple-Freunde ändert das alles nichts. Das beste Mockery des Monats hatte aber weniger mit der Technik, sondern mehr mit der Kultur der Technikverliebtheit zu tun – und kam von IKEA. Da darf man auch mal lachen.

Wünsch dir was-TV – Netflix ist da. Der in den USA äußerst erfolgreiche Streaming-Anbieter lässt nun auch den deutschen Konsumenten am programmbefreiten Angebot teilhaben. Das Konzept ist nicht unbekannt, denn die Konkurrenz von Netflix ist längst etabliert: Maxdome, Sky oder Amazon Prime Instant erfreuen sich bereits reger Beliebtheit. Wer nun glaubt, dass Netflix sich daher hinten anstellen muss – weit gefehlt: Der Streamingdienst packtiert direkt zum Start mit Telekom und Vodafone, fürs mobile Geschäft. Marktbeobachter verstehen diesen Einstieg als Kampfansage, zumal sich Netflix in keinem Land zuvor so breit aufgestellt hat.

Shitstorm mit Ansage – Soll man nicht sagen, aber: Wie kann man so blöd sein: Die absturz- und tragödiengeplagte Malaysia Airlines macht ein Gewinnspiel, in welchem sie von ihren Kunden erfahren möchte, was sie vor ihrem Tode noch erleben wollen. Die Reaktionen kann man sich denken. Und was machen die Spezis aus der Marketingabteilung? Sie nennen das Gewinnspiel nicht mehr bucket list, sondern nunmehr „Win an iPad or Malaysia Airlines flight to Malaysia“. Aha, dann gehts ja.

Gisele strikes back – Passen Topmodel Gisele Bündchen und der Sportartikelhersteller Under Armour, bekannt für Kampfsport, Football und andere toughe Ressorts, zusammen? Die Reaktionen der UA-Anhänger sind gemischt – leider jedoch tendenziell eher skeptisch bis unverschämt. Und wie macht man daraus gute Werbung? Man trägt die Kommentare als stille Begleiter vor und beweist im bewegten Bilde das Gegenteil. Dieser geniale Clip ist Bestandteil einer philosophischen Kampagne, mit welcher neue Absatzfelder gefunden werden sollen. Eine weitere Empfehlung bei Interesse: Die Ballerina Misty Copeland.

Datenschutz wie aufm Fischmarkt – Wir wollten uns eigentlich nicht explizit drum kümmern, aber es gibt ein interessantes Update in Sachen NSA & Co.: Der große Bruder musste den gemeinen Bundesrepublikaner gar nicht ausspähen – der BND hat lustig geliefert. Einer technischen Panne ist es zu verdanken, dass sogar noch mehr geliefert wurde als eigentlich gedacht. Na, dann ist ja gut.

#whyIstayed – Das Problemfeld häuslicher Gewalt führt glücklicherweise kein Schattendasein mehr, sondern wird als real existent anerkannt – weltweit. Pustekuchen: Der Fall des Football-Spielers Ray Rice, welcher seine Freundin in einem öffentlichen Fahrstuhl bewußtlos schlug, entfacht wieder ein Debatte um Härte in den eigenen vier Wänden. „Debatte?“ möchte man fragen und reibt sich verwundert die Augen, dass es ernsthaft Menschen gibt, welche hier die Täter zu Opfern machen wollen – ganz zu schweigen von den Schuldzuweisungen an die Opfer. Angestoßen von einer Debatte im TED-Forum, sammelt der von Beverly Gooden initiierte Hashtag #whyIstayed Begründungen, warum Frauen trotz häuslicher Gewalt bei ihrem Peiniger bleiben. Die Aktion ist wichtig, denn nicht nur, dass dadurch die Debatte mit Inhalt aufgebrochen wird – Frauen, die ähnlichen Situationen durchleben, finden ihre eigenen „Legitimationen“ im breiten Diskurs wieder. Und vielleicht hilft das der einen oder anderen Frau dabei, eine Entscheidung zu treffen.

Jedem Tierchen sein Plaisierchen – Ab jetzt gibt es auch in Deutschland stattliche 60 Geschlechter bei Facebook. Darunter so exotische Geschmacksrichtungen wie „androgyn“, „Viertes Geschlecht“, „Femme“ oder „nicht-binär“. Das Konzept wurde in Zusammenarbeit mit dem Lesben- und Schwulenverband entwickelt. Vielleicht auch mit dem Verband der Anthropologen oder Fantasy-Autoren. Also, wenn Sie die grünhäutige Alien-Schönheit sind, mit der Kirk mal eine Liaison pflegte – bei Facebook sind Sie garantiert richtig. Aber wie der Kölner so schön sagt: Jeder Jeck ist anders.

Stürmt das Gebäude – Beeindruckende Bilder erreichen uns aus New York: Der spanische Künstler Daniel Canogar lässt Passanten des Time-Square über einen GreenScreen-Teppich kriechen und projeziert die Bilder auf Leinwände der berühmten Plaza in Big Apple.  Und was soll das? Das Projekt gehört zur Serie der Midnight Moments in New York. Die Arbeit erfreut sich unterschiedlicher Interpretationen: Normale Bürger, die die Stars vom Time-Square werden; das Überwinden von Hindernissen; eine vollständige Interaktion von Analog und Digital …  Man darf es aber auch schlicht schön finden.

Storming Times Square from Daniel Canogar on Vimeo.

Kaufknopf – Soziale Plattformen absatzfreundlicher zu gestalten, ist aktuell der Trend unter den Big-Playern. Twitter testet zur Zeit den buy-button. Was daraus wird – schauen wir mal. Was es bedeutet, dürfte klar sein: Das Bild des bis dato doch recht Content-dominierten Zwitscherversums wird in Zukunft von sichtbar mehr Werbung angereichert werden. Wir warten ab.

Lap(s)top – Nachdem Sony mit VAIO seine Laptop-Produktion verkauft hat und damit dem PC-Markt den Rücken kehrte, zieht Samsung nach: Was offiziell als Anspassung an die Bedürfnisse des Marktes etikettiert wird, bedeutet praktisch den Rückzug aus dem europäischen Markt. Samsung verkauft also in Europa keine Laptops mehr – müssen sie auch nicht. Der Absatz von Smartphones, Tablets und neuen Gadgets stellt mittlerweile das Zugpferd der südkoreanischen Elektronikschmiede dar.

Aspirational – Kurzer Film, große Aussage: Kirsten Dunst veralbert in dem Kurzfilmchen „Aspirational“ die Kultur des Selfie-machens und des Like-erhaschens. Es geht eigentlich noch ein Stückchen weiter. Man könnte auch herausstellen, dass die Meta-Ebene stärker als das eigentliche Ereignis geworden ist: Kirsten Dunst getroffen zu haben und es sozial-medial zu dokumentieren, ist wichtiger als die Actrice selbst zu treffen. Wie wahr – leider.

ASPIRATIONAL from Matthew Frost on Vimeo.

Wie du mir … – Google, T-online, web.de und gmx schmeißen LSR-Verlage aus den Suchergebnissen. Damit reagieren die Web-Dienstanbieter auf drohende VG-Media Forderungen, für Snipets zahlen zu müssen. Der Akt ist mehr als eine Symbolhandlung, aber Google zeigt zumindest Verhandlungswillen: Auf Bitten der VG-Media lässt sich der Suchmaschinenriese noch Zeit mit der Verbannung.

Mehr als 40 Räuber – Man fasse ein B2B-Amazon, ein Ebay, ein Paypal und oben drauf noch Yahoo China in einem Unternehmen zusammen – so sieht die chinesische Alibaba Group aus. Und genau die gehen jetzt mit Alibaba.com an die Börse. Die Nachfrage ist so groß, dass sich das Maximalvolumen des Börsengangs auf der Rekordhöhe von 24,3 bis auf 25 Milliarden Dollar einpendelt. Big Business. Was dabei jedoch gänzlich unter den Tisch fällt: Ein nicht unbeträchtlicher Teil der auf Alibaba.com angebotenen Ware, besteht aus Raubkopien und Plagiaten. Der Händler zeigt sich aktiv und will zugunsten der Luxusmarken auf den „grauen Markt“ verzichten. Warten wir mal ab.

Der leise Schrei – Und wie ein weniger erfolgreicher Gang aufs Handelsparkett aussieht: Zalando und Rocket Internet werden jetzt auch an der Börse gehandelt. Und wenn man den Experten glauben darf, handelt es sich in beiden Fällen um ein recht perspektivenloses Unterfangen. Wenig Substanz, große Skepsis, wenig Nachfrage … riecht schwer nach der nächsten Blase.

Over and out – Vielflieger dürfen sich ab jetzt 5 Sekunden Smartphone-Fummelei sparen: Mobiltelefonie im Luftschiff ist nach Meinung der Europäische Luftsicherheitsbehörde EASA keine Gefahr mehr. Das bedeutet im Grunde das Ende des Flugmodus‘. Das letzte Wort haben aber immer noch die Luftfahrtgesellschaften selbst – wenn die „ausmachen“ sagen, muss der Knochen offline gehen. Andererseits: Versuchen Sie da oben mal Empfang zu bekommen.

Occupy Hongkong – In Hongkong wurde gestreikt – für mehr Demokratie, freie Kandidatenwahl und Transparenz. Interessant, dass die Regierung in Hongkong als erstes die Kommunikation der Protestierenden angriff: Via WhatsApp wurde Malware auf die Smartphones der Teilnehmer geschmuggelt – allem Anschein nach mit Ursprung China. Und weil sich die Bilder der Proteste auf Instagram wie ein Lauffeuer verbreiteten, wurde der Bilderdienst gleich mitgesperrt. Unter der starken Vernetzung leidet auch das lokale Netz. Die findige Lösung der Protestler: FireChat, ein Nachrichtensystem für urbane Kommunikation über BlueTooth, verbindet die Teilnehmer ganz ohne Netzanbindung. Schlau, schlau.

Nackt und geknackt – Hacker haben allem Anschein nach die iCloud geknackt und zahllose Bilder der Mobilgeräte diverser Stars geklaut. Das wäre nicht interessant, wenn es dabei nicht um intime bis pornografische Schnappschüsse ginge – und wenn diese nicht auf 4chan.org gelandet wären. Apple steht in der Kritik, welche die Apfelherren selbstverständlich nicht annehmen. Seitdem tauchen immer wieder Nacktbilder-Drohungen von Hackern auf, welche eigentlich unterm Strich nur eine Frage offen lassen: Wie vertrauenswürdig sind Clouds noch?

Ossi Urchs – Zum Abschluß: Ossi Urchs ist tot. Der Unternehmer, Autor, Moderator galt als Internetpionier in Deutschland. Urchs entwickelte bereits in den frühen Neunzigern Strategien für die Netzkommunikationen und hat seinen Anteil daran, dass das Netz in Deutschland heute so aussieht wie es aussieht. Urchs war sicher seiner Zeit voraus – und deshalb auch streitbar.

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