Wieso verbrennt ein weltbekannter Künstler seine Werke? Warum muss die Landbevölkerung noch länger auf gutes Internet warten? Wie bringt man Pilze zum Klingen? Und könnte es sein, dass Elon Musk sich etwas verkauft hat? Wer jetzt Antworten braucht, muss dringend weiterlesen. Also noch einmal Kaffee holen und dann Füße hochlegen. Bitte sehr: der Oktober.

#Usb-C – Ein Port sie zu knechten

Kampf dem Elektroschrott: Es kündigte sich ja bereits an und nun hat das Europäische Parlament mit überwältigender Mehrheit die Vorschrift zur Vereinheitlichung der Anschlüsse von Ladegeräten verabschiedet. Mobiltelefone, Tablets und Kameras werden ab Ende 2024 nun via USB-C einheitlich betankt – für Laptops gilt dies ab 2026. Eine überfällige Vereinheitlichung.

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#Facebook – Zuckerbergs Talfahrt

Niemanden interessiert das Metaversum, TikTok wird zur größten Bedrohung für Instagram erklärt, Werbeeinnahmen über Facebook gehen zurück und das Mutterhaus verbrennt täglich astronomische Summen: so die Kurzfassung des Zuckerberg´schen Dilemmas. Der Facebook-Konzern steckt in einer echten Krise.

Die Facebook-Mutter ist aktuell der größte Verlierer der Tech-Giganten. Aber der Abschwung ist zurzeit auch ein Branchenvirus: Microsoft, Amazon und Alphabet haben ebenfalls schwer am Aktienmarkt verloren. Die Erklärungsversuche klingen altbekannt: überzogene Erwartungen, Gewinnprognosen in antizyklischen Zeiten (Pandemie), zu starker Dollar usw. Warten wir’s ab, im nächsten Monat kann alles schon wieder anders aussehen.

#KI – Analyze Me

Der „CLIP-Interrogator“ ist eine kleine KI, die Bildunterschriften generieren soll. Bisher darf sich das kleine Programm aufgrund seiner Offenheit einer kleinen Bekanntheit erfreuen. Die Netzgemeinde berichtet, dass das Tool wohl unfreiwillig komisch sei, da es eher sehr offene bis beleidigende Kommentare generiert.

Und damit haben wir direkt mal einen Tipp zum Ausprobieren: Besuchen Sie den Interrogator auf huggingface.co und versuchen es mal selber. Einfach ein eigenes Selfie hochladen und sehen, welches Verdikt die KI fällt.

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#YouTube – Die China-Connection

War Ihnen bewusst, dass Googles Video-Dienst pro Monat durchschnittlich 3.000 Accounts löscht, welche im Verdacht stehen, chinesische Einflussnahme zu betreiben? Im aktuellen TAG Bulletin-Report fürs dritte Quartal erklärt Google, dass von Juli bis August insgesamt über 10.000 YouTube-Kanäle entfernt wurden. Zur Erläuterung:

These channels and blogs mostly uploaded spammy content in Chinese about music, entertainment, and lifestyle. A very small subset uploaded content in Chinese and English about China and U.S. foreign affairs.

Die Taktik scheint also zu sein: Viel Quatsch und dazwischen verstecken wir etwas Content. Hui, die sind ja ausgebufft. (Ironie Off)

#PolitPrank – Besuchen Sie Kralovec

Wer auf der touristischen Seite visitkralovec.cz landet, erfährt, dass sich die russische Enklave Kaliningrad mit einem Referendum von Russland löst, der Tschechischen Republik anschließt und ab jetzt Kralovec nennt. Offensichtlich Satire und natürlich mit Bezug auf die Annexion der ostukrainischen Gebiete via inszenierten Scheinreferenden.

Wer hinter dem Scherz steckt, ist nicht klar. Aber die Scherzkekse müssen aus Tschechien oder Deutschland stammen: Auf der Seite ist von einem Flugzeugträger „Karel Gott“ die Rede.

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#MentaleGesundheit – Brave Together

Bisher haben Kosmetikbrands KIs in App-Kameras für interessante bis lustige Praxistest-Linsen genutzt. Welcher Lippenstift steht mir usw. – Sie wissen schon. Anlässlich der World Mental Health Days hat nun die L’oreal-Marke Maybelline New York eine Quiz-Lense auf Snapchat veröffentlicht, welche helfen soll, Anzeichen für Depressionen zu erkennen. Eigentlich eine lobenswerte Idee, aber das technische Angebot war auch schneller wieder verschwunden, als es verfügbar war. Das Engagement gegen Depressionen, eine Kampagne namens Brave Together, ist trotzdem aller Ehren wert.

#NFT – Burn Baby, Burn

Letztes Jahr veröffentlichte der englische Künstler Damien Hirst seine NFT-Sammlung „The Currency“: 10.000 Werke als NFTs zu einem Einzelpreis von 2.000 Dollar. Auf der Höhe des Hypes erzielten die NFTs bei Weiterverkäufen Preise bis zu 20.000 Dollar, welche aber mittlerweile wieder auf im Durchschnitt plusminus 6.000 Dollar gesunken sind. Eines der physischen Werke der Sammlung erzielte dagegen sogar 30.000. Große Zahlen.

Zum Konzept des Projekts gehörte, dass die Käufer sich nach einem Jahr entscheiden müssten, ob sie das NFT oder das physische Original besitzen wollten. Knapp die Hälfte entschied sich trotz gefallener NFT-Kurse für das digitale Zertifikat. Das heißt auch, dass knapp die Hälfte der physischen Originale den Weg der Vergänglichkeit gehen mussten.

In der nun offiziellen Eröffnung der Ausstellung von „The Currency“ verbrannte Hurst die ersten 1000 Exemplare seiner gepunkteten Serie. Für die einen sind das mehr als 10 Millionen Dollar, die vernichtet wurden, für Hirst ist es komplexer, eher wie ein Transformationsprozess. Wer tiefer in die Interpretation des Künstlers eintauchen möchte, hier ein Interview aus dem letzten Jahr.

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#Nervenschoner – Mach weg das Banner

Genervt von den omnipräsenten Cookie-Banner-Abfragen? Die Verbraucherschutzzentrale Bayern bietet nun eine Open-Source-Browsererweiterung an, welche diese Bannerabfrage blockieren soll. Der sogenannte „Nervenschoner“ klickt nichts in unserem Auftrag, würde aber sehr wohl Werbetracking unterbinden. Für Firefox ist das Plug-in im Add-on-Store frei erhältlich – bei Chrome und Edge sind zwei, drei Handgriffe nötig.

#Gigabit – Breitband-Operette

Am 17. Oktober stellte der Bund die Gigabit-Förderung für den Rest des Jahres ein. Die Budgets sind aufgebraucht und die Anträge müssen erst mal auf Eis liegen. Die Gigabit-Förderung ist gerade für strukturschwache, also im Klartext ländliche Regionen gedacht, da die freie Wirtschaft in diesen Regionen tendenziell weniger investiert. Die Regierung hat zwar 12 Milliarden für den Ausbau locker gemacht, die müssen aber für die ganze Legislaturperiode halten. Macht also pro Jahr lediglich 3 Milliarden.

Da meldeten sich 15 Bundesländer und die kommunalen Spitzen und lamentierten „Na, so geht das aber nicht – das ist ja Missmanagement der Regierung“. Kaum wurde das Schreiben der Landesherren publik, meldete sich die frei Ausbauwirtschaft über die Verbände Bitkom, BREKO und VATM: Das Schreiben entbehre jeder sachlichen Basis. Nicht zu vergessen, dass nicht mal 10 Prozent der realisierten Breitbandausbauten seit der Bewilligung aus den öffentlichen geförderten Töpfen gekommen seien. Also: Maul halten.

Vorläufiges Ende vom Lied: Die freie Wirtschaft baut weiter, die Kommunen müssen sich gedulden und ab 2023 wird die Förderung regional priorisiert und die Bewilligung soll genauer, aber auch schneller laufen. Na, da sind wir mal gespannt. Bis jetzt riecht es immer noch nach #Neuland und Speziwirtschaft. Und dass das digitale Ressort jetzt in Händen einer Klientelpartei liegt, stimmt uns nicht zuversichtlich.

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#Twitter – Schall, Rauch und echte Probleme

So und jetzt ein kleines Special zum Twitter-Kauf von Musk. Es ist also passiert. Der verhaltensoriginelle Elon Musk hat es nun doch getan und die Befürchtungen drehen sich darum, ob der Kurznachrichtendienst zum Freilaufgehege für woke-feindliche Giftspritzen wird. Wer sich daran beteiligen will, ok. Aber richten wir mal den Fokus auf die eigentlichen Baustellen, die das Vogelhäuschen plagen oder besser: Probleme, die Musk mitgekauft hat.

  • Hatespeech: Welche Meinung man für zulässig oder zu toxisch hält, ist irrelevant. Fakt ist: Je mehr nicht moderierte (antisemitische, rassistische, homophobe, die Klimakrise leugnende etc.) Beiträge frei auf einer Plattform rumtoben, desto kleiner wird die Nutzerzahl, ergo wird die Plattform unattraktiver für Werbekunden. Das durften Gettr, gab, Parler oder Truth auf die harte Tour lernen.
  • Twitter muss Geld verdienen: Die Zwitscherbude hat mit schweren finanziellen Problemen zu kämpfen und die Banker bereuen bereits, Musk geholfen zu haben. Die vermuteten 5000 Entlassungen sind eher eine Notbremse als radikaler Umbau.
  • Technologie: Twitter ist das innovationsschwächste Unternehmen der New Economy. Musk hat ein technologisches Inventarium gekauft, in welches eigentlich erst mal sehr viel Geld gepumpt werden müsste.

Das Vogelhäuschen hat darüber hinaus Problem mit der Funktionalität der Community: Als Musk noch selbst vom Kauf Abstand nehmen wollte, hielt er Twitter vor, dass die größten Accounts quasi Aktivitätsfriedhöfe sind. Da hatte er recht. Und jetzt hat er den Schmand an der Backe.

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Resümieren wir: Die Plattform wieder für Schreihälse von Trump bis Kanye zu öffnen, ist faktisch ökonomischer Selbstmord. Wenn Musk bis Ende des Jahres kein Konzept vorlegen kann, den Laden zum prosperierenden Netzwerk zu machen, wird 2023 ein Jahr des Schmerzes und der Verluste. Immerhin steckt er mit 22,5 Milliarden Dollar Eigenkapital selber auch in der Verantwortung. Wenn er weiterhin den egozentrischen Free-speech-Jesus für abgehängte Neocons gibt, ist das auf jeden Fall nicht sonderlich konstruktiv.

#TarunNayar – Die singenden Pilze

Und zum Ende noch etwas Musik: Tarun Nayar kommt aus Montreal und macht Musik mit Pilzen – aber nicht nur Pilzen. Das ist die kurze Fassung. Etwas mehr Kontext: Der Kanadier ist eigentlich gelernter Biologe und hat irgendwann entdeckt, dass alle Pflanzen bioelektrische Energie besitzen, welche man natürlich auch messen kann. Dann hat er weiter entdeckt, dass die Messergebnisse analoge Synthesizer zum Klingen bringen kann. Der Mechanismus funktioniert ähnlich wie bei einem Lügendetektor. Wenn wir es verstanden hätten, könnten wir es auch besser erklären.

Aber das ist auch egal, denn seine Clips sind äußerst beliebt im Social Web: kaum ein TikTok-Clip unter 5-stelligen Views. Ähnlich sieht es auf seinem YouTube-Kanal Modern Biology aus, wo man dann auch mehr Input als ein paar abgefahrene, kurzweilige Clips bekommt. Natürlich kommt das ganze Projekt auch mit einer tieferen Message, die wir großartig finden. Aber wenn wir den Pflanzen über die Klänge hinaus zuhören sollen, müssen wir vermutlich ein paar der Pilze auch essen. Das lassen wir dann heute mal. Trotzdem: Wir legen jedem einen Besuch auf seinen Accounts nahe. Not your average music entertainment.

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Artikelbild: Mathew Schwartz / unsplash

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