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Fairphone, Frosch und Nazi-Bot – Monatsrückblick März

Wieder haben wir einen bunten Monat hinter uns gebracht. Und wir können lernen, wieso manche kaum Geld verdienen, andere dafür Hilfe brauchen, warum wir uns vielleicht mal Gedanken über die Produktion von Smartphones und Tablets machen sollen und wieso Reddit eine Bastion der Netzkultur ist. Ach, und Microsoft haben bewiesen, wie gut sie Fettnäpfchen finden können. Füße hoch, Cocktail raus – hier kommt der Monatsrückblick März 2016.

twitter com 2016-04-12 09-43-56#Instagram – Folge dem Trend

Instagram hat verkündet, was auf kurz oder lang eh nicht zu umgehen war: Die Einführung eines Algorithmus‘. Und, als wäre es nicht vorher klar gewesen, die Reaktionen waren panisch, genervt, zickig, unbegeistert – natürlich mit obligatorischem RIPInstagram-Hashtag. Das Instagram-Statement klingt dagegen nüchtern: 2015 sank die Interaktion um 40 Prozent, bei steigenden Nutzer- und Content-Zahlen. 70 Prozent der Inhalte würden von den Usern nicht (mehr) gesehen. So verstanden, wird der Algorithmus folglich zur Pflicht, wenn sich die Mitglieder- und Contentmenge, angesichts der Masse, gegenseitig das Wasser abgräbt. Klingt logisch. Dass das auch mit der Sichtbarkeit und Ausspielung von Werbeinhalten zusammenhängen könnte, ist zum jetzigen Zeitpunkt reine Spekulation. #ZwinkerZwinger

#tumbler – Rettungsanker?

Tumblr geht es nicht gut. Der Blogdienst verdient einfach kein Geld und wird folglich gerne als größter Fehlkauf von Yahoos CEO Marissa Mayer bezeichnet. Abhilfe soll Facebook schaffen, die Anzeigen ihres Audience Networks auf dem ungenutzen Inventar der Tumblr-Seiten schalten möchten. Der Vorwurf, dass es eine Verzweiflungstat sei, ist durchaus valide, wurde doch kürzlich  bekannt, dass der Blogdienst selber gerade mal 15 Prozent ihrer Werbefläche verkauft bekommt. Der Fall ist nicht mit anderen Krisentieren wie Twitter zu vergleichen – die fahren ja wenigstens Umsätze ein.

#Youtube – Jedis im Birkenwald 

Shawn Bu ist Regisseur und Drehbuchautor. Vi-Dan Tran ist Action-Choreograph und Kameramann. Ihr YouTube-Kurzfilm „Darth Maul: Apprentice“ könnte einer der erfolgreichsten Fan-Filme sein, wenn er nicht die Bachelorarbeit Shawn Bus an der FH Aachen wäre. Von der Uni gab es eine 1, von der Netzgemeinde knapp 8 Mio. Views alleine auf YouTube und aus Hollywood hätten sich bereits Talentagenturen gemeldet. #läuft

#Streaming – König der Datenströme

Die aufkommende Konkurrenz auf dem Streaming-Markt hat Spotify bisher nicht viel Wasser abgraben können. Mit 30 Mio. Abonnenten hat der schwedische Streamingdienst fast dreimal so viele zahlende Kunden wie der Zweitplatzierte, Apple Music (11 Mio.), ganz zu schweigen vom Drittplatzierten Pandora, mit 3,9 Mio. Abonnenten. Und auch was die Reichweite angeht, legt Spotify die Latte unerreichbar hoch: Eine AG Medien-Analyse ermittelte 100 Mio. Abrufe, was mehr ist, als alle Radiosender zusammen erreichen (81 Mio.).

Ausschnitt des geleakten Vertrags von Sony-Music. Quelle: Digitalmusicnews

Der berechtigte Einwand, wieso dann so wenig beim Künstler hängenbleibt, muss etwas differenzierter beantwortet werden: Ausgezahlt werden Umsatzbeteiligungen. Spotify spricht von 70 Prozent – Apple Music gibt vor, dies noch zu toppen (71 Prozent). Das scheint sich jedoch nur auf Verträge mit Major-Labels zu beziehen. Indie-Lables dürfen gerade mal mit 58 Prozent rechnen. Hinzu kommt, dass die Ausschüttung nach Steuern erfolgt (Revenue post-taxes). Das bedeutet, beim Label kommen dann vielleicht rund 45 Prozent an. Dann kommt der Künstler und wieviel der dann von den 45 Prozent sieht, welche ja für das Label 100 Prozent einer neuen Rechnung sind, wird bei rund 15 Prozent des ursprünglichen Umsatzes eingeordnet – vor Steuern (!).

Und das, liebe Kinder, ist die Antwort auf die Frage, wieso ein Künstler so wenig verdient: Weil der Verkaufsapparat der digitalen Musikindustrie so kopflastig ist, dass der eigentliche Produzent und Rechteinhaber des Produkts nur noch die Knochen abknabbern darf. Oder etwas struktureller ausgedrückt: Die Künstler schaffen es, mit ihrer Arbeit 5 verschiedenen Berufszweigen ein Einkommen zu ermöglichen und dabei selber der schlechtest bezahlte Teil zu bleiben. Früher nannte man das Sklaven-Markt – und wie früher schon, findet das Publikum das durchaus ganz ok (Stichwort: Gema-Bashing). Schöne neue Welt.

#Zika-Virus – Such den Tümpel

Brasilien hat ein ernsthaftes Mücken-Problem. Die Insekten übertragen nicht nur das in letzter Zeit wieder aufgekommene Zika-Virus. Auch das Dengue-Fieber und andere tropische Krankheiten stehen auf der Lieferliste der fiesen Stecher. Im Fokus der Bekämpfung stehen Tümpel und Pfützen, in welchen die Mücken ihren Nachwuchs züchten. Und darauf zielt auch die App Sem Dengue (ohne Dengue): Wer eine verdächtige Wasserstelle findet, in welcher sich bereits Mückenlarven tummeln, kann mittels der App ein Foto machen, welches mit den genauen Geo-Daten versehen wird. Eine Meldung geht automatisch an die lokalen Behörden und innerhalb von 72 Stunden wird die Brutstätte dem Erdboden gleich gemacht. Vielleicht sollte man die App auch noch in Englisch nachreichen, zumal sich zu den Olympischen Spielen 2016 auch viele ausländische Gäste in Brasilien aufhalten werden.

#AdBlocker – Signale aus dem Hintergrund?

Wer AdBlocker nutzt, erlebt gelegentlich Probleme auf werbefinanzierten Portalen. So beispielsweise auf YouTube, wo Nutzer im März meldeten, dass ihnen statt eines werblichen Vorspanns eine Fehlermeldung für die Dauer des Werbeclips gezeigt wurde. Auffällig war, dass nur Nutzer von AdBlock Plus, und unter denen auch nur ein eingeschränkter Kreis, betroffen waren. Die Expertenmeinungen interpretieren: Diese Vorkommnisse könnten darauf hindeuten, dass Google-seitig Veränderungen vorgenommen und diese an ausgesuchten Gruppen ausprobiert wurden. Unbezweifelt ist: Wenn auch die Blockaden der Geschmacksrichtung Bild.de eher lächerlich wirken, andere Erzfeinde der Werbesperren fahren langsam andere Geschütze auf. Schauen wir mal, wie wirksam die dann sein werden.

#Microsoft – Schulmädchen Stripper und Nazi-Bots

Microsoft zeigten uns im März, dass sie auch dämliche Schlagzeilen können. Auf der Aftershow-Party einer Spieleentwickler Konferenz, tischten die Organisatoren knapp bekleidete Tänzerinen in Schulmädchen-Uniformen auf. Es waren auch weibliche Entwickler vor Ort und die fühlten sich, in Twitter-Lautstärke, ziemlich unwillkommen. Microsoft blieb nichts anderes übrig, als sich öffentlich dafür zu entschuldigen.

Ziemlich peinlich, aber allem voran gescheitert, ist das KI-Experiment mit Microsofts Twitter-Bot Tay (@Tayandyou): Das Ziel war, je mehr man mit Tay chattet, desto mehr lernt er/sie/es. Die Idee, von Menschen zu lernen und auf diese Art die KI menschlicher zu machen, übersieht, dass Menschen nicht selten ziemlich daneben sind. Nachdem der Bot anfänglich noch süßlich „humans are super cool“ säuselte, gab er/sie/es nur 24 Stunden später „Hitler hatte recht. Ich hasse alle Juden“ von sich. Da drängt sich doch die Frage auf: Wie schaffen wir es, einer KI etwas über Geschichte und Ethik beizubringen? Ein weiterer Beweis dafür, dass Naturwissenschaften nicht wichtiger als Geisteswissenschaften sind.

#OpenSource – Eine Runde Software für alle

Die Meldung lautete, dass die US-Regierung mehr Open-Source-Software in Behörden nutzen will – könnte ja Steuergelder sparen. Und schon fingen Kritiker hierzulande an, die bescheidenen Beispiele OneGov (Zug, Schweiz) oder LiMux (München) ins Spiel zu bringen. Bei genauerer Betrachtung sieht es aber anders aus: Software, die für eine Behörde einmal entwickelt wurde, soll auch für alle anderen Behörden nutzbar sein. Dazu kommt, dass steuerfinanzierte Software dann auch öffentlich für jeden verfügbar sein soll. Ebenso erhofft sich die US-Regierung, dass die Open-Source-Programme von Mitarbeitern und allen Codern, die wollen, verbessert werden kann. Hoffen wir nur, dass die Sicherheitsarchitektur nicht auch open-source wird.

#Fairphone – Gutes Gewissen mit Einschränkungen

Der niederländische Hersteller des sogenannten Fairphones hat sich auf die Fahnen geschrieben, kaum Gewinne am Verkauf seines Smartphones machen zu wollen und sich um faire Arbeitsbedingungen zu kümmern. Nun geht das Telefon in den Massenverkauf: T-Mobile Österreich bieten das Smartphone seit März zu seinen Verträgen an. Das klingt zunächst gut, ruft aber auch kritische Stimmen auf den Plan, denn „fair“ ist, unter Berücksichtigung der Situation in den afrikanischen Wolfram-Minen, ein sehr dehnbarer Begriff. Aber es ist komplizierter. Wir empfehlen daher den sehr guten und umfassenden Bericht des Autors Hannes Koch (>>hier).

#GoogleDeepmind – Künstliche Intelligenz, echter Sieg

Das von Googles KI-Schmiede Deepmind entwickelte Programm AlphaGo hat nur einen Auftrag: Go spielen. Und das macht die Software erschlagend gut. So gut, dass man von einem leichten nationalen Schock Südkoreas sprechen kann, nachdem AlphaGo den südkoreanischen Go-Großmeister Lee Sedol zum wiederholten Male schlug. 760 Mio. Euro ist der Förderfund groß, welchen Südkoreas Regierung nun bis 2020 für die KI-Entwicklung aufbauen will. Mit im Boot ist das Who-is-Who der koreanischen Tech-Branche (Samsung, Hyundai, LG, etc.). Was ein verlorenes Spiel alles auslösen kann.

#AppleRecycling – Liam ohne Noel

Wenn Sie bei dem Namen Liam bisher immer an Oasis oder Kraftklub denken mussten, dann wird sich das jetzt wohl ändern. Apple hat einen Roboter mit selbigem Vornamen. Und der zerlegt iPhones und andere Devices so präzise, dass die alte Gerätschaft perfekt recycled werden kann. Wer nun den lückenlosen Verwertungskreislauf erwartet, wird enttäuscht. Nur die Stoffe, die durch dieses Verfahren leicht getrennt werden können, schaffen es recycled zu werden. Und auch nicht, um genau die gleichen Bauteile neu zu produzieren. Liam ist zur Zeit noch ein Testprojekt. Ob er zur festen Mitarbeiter im Apfelhäuschen wird, ist fraglich. Sinn ist klar, der Nutzen wird sich an ökonomischen Gesichtspunkten messen müssen. Aber es ist ein schönes Signal für den Umweltschutz, der nun immer häufiger auf Apples Agenda auftaucht.

#Facebook – Zuckerbergs fleißige Wichtel

Facebook Nutzer dürfen sich auf zwei praktische neue Features freuen: Egal ob terroristische Anschläge, tragische Katastrophen oder juristische Siege für gleichgeschlechtliche Paare – die Facebook-Gemeinde liebt es, das Profilbild einer sympathisierenden Kolorierung zu unterziehen. In Kürze wird eine Plattform vom Zuckerberg ausgerollt, welche es Seitenbetreibern erlaubt, einen temporären Frame für seine Sache zu kreieren. Zwar spricht Facebook nur von Kooperation mit NGOs. Aber in der Realität wird diese Plattform allen Anbietern offen stehen.

Das zweite Feature warnt Nutzer, wenn ihr Name oder ihr Profilbild für ein mögliches Fraud-Profil missbraucht wurde. Auf den Roll-Out freuen wir uns jetzt schon – da wird es bei manchen Nutzern richtig klingeln. Dumm nur, wenn diese Nutzer selber Fakes sind.

#Reddit – Frosch und Tiger

Facebook mag die größte Social-Plattform sein, aber der Spirit typischer Netzkultur, wird eher woanders lebendig gehalten. Suchen Sie doch mal auf Reddit nach Photoshop-Battles (PsBattle). Zwei besonders schöne Vorzeige-Threads im März drehten sich um Tierfotos, welche einen Frosch auf einem Hirschkäfer und einen Tiger im Wasser zeigten und nun auch in unserem Monatsrückblick ihre Beachtung finden. Die Ergebnisse landen oftmals auch auf anderen Plattformen und machen eine virale Karriere, die manchmal Jahre andauern kann. Also, wenn Sie vielleicht Zeit in den Sozialen Netzwerken totschlagen wollen, gehen Sie doch einfach mal auf Reddit, suchen nach Battles oder stöbern in den Kategorien – es lohnt sich.

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#AppleVsFBI – Ätsch, ich brauch dich nicht mehr

Im Fall Apple gegen das FBI, hat die amerikanische Bundespolizei nun für Tatsachen gesorgt: Man brauche das Unternehmen nicht mehr, denn man habe es auch ohne deren Hilfe geschaft, das iPhone zu entschlüsseln. Und während die beiden Streithähne noch diverse Spitzen austeilen, stellte der israelische IT-Sicherheitsanbieter Checkpoint, auf einer Hackermesse, einen Weg vor, iOS9 zu knacken. Apple sei über die undichte Stelle bereits letztes Jahr informiert worden. Hat man zur Kenntnis genommen, getan wurde nichts. Und während Apple wenig Professionalität im Umgang mit den eigenen Kernwerten (wie eben der Sicherheit) zeigt, interessiert sich das FBI bereits für den nächsten Mitbewerber: WhatsApp sollte sich schon mal darauf einstellen, dass die Bundespolizei ein Angebot macht, das sie nicht ablehnen können.

#Windows95 – Kinder öffnen Zeitkapsel

Man konfrontiere Kinder und Jugendliche mit der Computertechnik der 90er, filme sie dabei und erhalte eine wunderbar lustige Dokumentation der hohen Entwicklungsgeschwindigkeit digitaler Technologie. Wer die Geräte und Software noch kennengelernt hat, als sie brandneu war, schüttelt vielleicht an manchen Stellen den Kopf. Aber man muss das auch mal im Verhältnis sehen: Wer in den 70ern geboren wurde, kann sich auch keine Autos ohne Sicherheitsgurte vorstellen. Und wer in den späten 80ern das Licht der Welt erblickte, kann sich keine Welt ohne Internet vorstellen. Da ist es also nicht weiter tragisch, dass die Kids ein Modem für ein urzeitliches Reptil halten.

 

 

Artikelbild: pixabay

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