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Falsche Stinkefinger und tanzende Dolmetscher – Monatsrückblick März

Pionierarbeit für die Netzneutralität, Wichtiges zum Thema Datenschutz und inspirierende Aktionen und Kampagnen aus der Netzwelt. Garniert mit lustigen Mems, hilfreichen Verbraucherinfos und unterhaltsamen Clips. Kurz um: Der März hatte alles, was wir gerne sehen. Knackig verpackt in unserem neuen Monatsrückblick – bitte schön: Der März.

Die Knospen sprießen – Wir hatten in der jüngeren Vergangenheit schon mehrfach auf Obamas neues Steckenpferd, die Netzneutralität, aufmerksam gemacht. Die amerikanische Telekommunikationsaufsicht FCC hat nun eine schärfere Regulierung des Breitbandgeschäfts verabschiedet, welche u.a. gesonderte Kosten für einen höheren Datendurchsatz verbietet. Nachdem die Behörde zunächst laschere Reglements durchsetzen wollte, stellte sich Obama auf die Seite der Kritiker – was anscheinend half. Man muss anerkennen, dass die USA damit eine Vorreiterrolle einnehmen – eine solche Regulierung ist bis dato ohne Vergleich. Und das bekommt die FCC auch im eigenen Land zu spüren: Die Industrie, allem voran Verizon, spuckt Gift und Galle und hat bereits die Anwälte losgeschickt. Der Kampf hat erst begonnen, die Fronten sind sehr breit.

Tanz den Varoufakis – Die Griechenlandkrise hat Böhmermann im März erfolgreich für einen Doppelschlag genutzt: Zuerst erfreute uns der öffentlich-rechtliche Qualitätskasper mit einer satirischen Varoufakis-Hymne, irgendwo zwischen Laibach und Rammstein, welche auch aus Griechenland überwiegend humorvolle Sympathiebekundungen erntete. Dann behauptete er, das intensiv debattierte Video, mit dem symbolträchtigen Mittelfinger des hellenischen Finanzpolitikers, gefaked zu haben. Applaus aus Athen und Verwirrung unter den medialen Debattenführern in Deutschland. Böhmermann hatte aber de facto nichts mit irgendeinem Video zu tun, außer mit der eigenen Inszenierung einer vermeintlichen Bewegtbildmanipulation. Die Echtheit des berüchtigten Fingers ist somit immer noch ungeklärt – aber der Comedian hat mit dem Streich die Lächerlichkeit der Debatte entblättert. #Chapeau

Falscher Ärger, echter Ärger – Was Böhmermann mit seinem gefakten Fake praktiziert (Irreführung medialer Informationsschwemme), scheint ein Trend zu sein. So spielten Joko und Klaas (Pro7) mit ihren Gästen Palina Rojinski und Karoline Herfuth „Shitstorm-Roulette“ – die Regeln: Einen polemischen Tweet absetzen und erst Stunden später, wenn der Tweet bereits seine Kreise gezogen hat, in der Sendung bekannt geben, dass es ein Fake war. Die Aktion hatte ähnlich didaktische Wirkung wie der Böhmermann-Stund: Mehrere Kanäle nahmen die Tweets für bare Münze und reagierten mit pawlowschem Medien-Squirting. Andererseits stieß die Tatsache, dass hier das Publikum inklusive Fans als Versuchskaninchen herhalten mussten, auf relativ wenig Interesse – Fans durchschauten es und den Rest kümmerte es nicht.

Demütigung 2.0 – In einem Video, welches innerhalb kürzester Zeit auf Facebook die Runde machte, sah man eine junge und bitter weinende junge Frau aus Lübeck, auf dem Boden kniend in Unterwäsche, welche durch eine Stimme aus dem Off gezwungen wurde, sich selbst demütigend zu beschimpfen. Was man hier sah, war ohne Zweifel ein abartiges Verbrechen, weshalb die Polizei auch unmittelbar Ermittlungen einleitete – gegen die Stimme aus dem Off und, falls nicht der gleiche, gegen denjenigen, welcher das Video verbreitete. Updates gab es seit der Meldung nicht mehr, aber da die junge Frau sofort Anzeige erstattet hat, dürfte der Täter dingfest gemacht worden sein. Obwohl Facebook das ursprüngliche Video entfernte, kursierte der Clip weiter im sozialen Netzwerk – wir haben es an verschiedenen Stellen gefunden und gemeldet – passiert ist nichts. Ebenso bitter: Dieses Folterdokument hat doch anscheinend vielen Usern gefallen, welche sich über die Frau mit lustig gemacht haben.

Bruchpilot – Harrison Ford ist leidenschaftlicher Sportflieger und darin auch anscheinend gar nicht schlecht. Zum Glück, denn seine reiche Flugerfahrung rettete ihm, bei einer Notlandung auf einem Golfplatz in Los Angeles, vermutlich das Leben. Und wäre Ford nicht der legendäre Mime des Han Solo, würde ihm das Netz nicht auf diese Art, mit schönen Memes, Tribut zollen – auch eine Form von Genesungswünschen.

Safe-Harbour – Mit dem sicheren Hafen ist eine Entscheidung der Europäischen Kommission gemeint, welche es europäischen Unternehmen ermöglicht, personenbezogene Daten legal in die USA zu verfrachten (>>Safe-Harbour). Die transatlantische Kooperation ist schon fast so etwas wie ein alter Bekannter: Die EU-Datenschutzrichtlinien von 1998 verbieten den Transfer von personenbezogenen Daten in „Drittstaaten“, welche über keine vergleichbaren Datenschutzrichtlinien auf EU-Niveau verfügen – das trifft auf die USA, in denen umfassende gesetzliche Schutzbestimmungen fehlen, zu. Safe-Harbour wurde 2000 zwischen der EU und der US-Handesbehörde abgeschlossen – Unternehmen, die dem Abkommen beitreten, versichern damit, die Daten sicher zu behandeln. Anders hätten Google und später Facebook nicht in Europa operieren können.

Weitere Informationen und weitere Links: Datenschutz WIKI

Auf dieses amerikanisch-europäische Abkommen berief sich der irische Datenschutzbeauftragte bisher immer wieder, wenn er von dem österreichischen Datenschutzaktivisten Maximilian Schrems erfolglos aufgefordert wurde, die Sicherheit der Nutzerdaten auf Facebook zu prüfen (Facebooks europ.Hauptsitz ist in Irland). Die Anfragen waren motiviert von den Enthüllungen Edward Snowdens, welche aufdeckten, dass Facebook den US-Behörden auch freien Einblick in die europäischen Nutzerdaten gewährt. Schrems klagte, wodurch sich nun der Europäische Gerichtshof mit dem Fall Europa vs. Facebook beschäftigen muss. Steht Safe-Harbour bald grundsätzlich auf dem Prüfstand? Wir bleiben dran.

Zur Abmahnung geshared – Anfang März erfuhren wir durch den Blog des bekannten Medienjuristen Christian Solmecke, dass eine Facebook-Nutzerin wegen des Teilens eines Fotos von Bild.de durch den Fotografen des Bildes abgemahnt wurde. Der Fall ist kniffliger, als gedacht und zeigt, dass man Interpretationen verschiedener Juristen vergleichen sollte, um ein sachlicheres Bild zu bekommen. Zur Vertiefung unser Beitrag. >>hier

From Zero to Hero – Es ist ja gängige Praxis von Mobbern, soziale Medien für öffentliche Bloßstellungen zu missbrauchen: Ein übergewichtiger Mann tanzt auf einem Konzert. Als er sieht, dass er geknipst wird und die Trolle über ihn lachen, hört er verschämt auf. Das Bild tauchte nebst abschätziger Beschreibung auf 4chan auf – die Reaktion war allerdings nicht die erwartete Häme: Innerhalb kürzester Zeit tauchten junge Frauen auf, denen er leid tat und deshalb nun zu einer Tanz-Party einladen wollten – aber wer ist der Mann? Auf Twitter brach unter dem Hashtag #finddancingman eine große Suchaktion aus, Moby bot seine DJ-Dienste umsonst an und Pharrell Williams fragte wo die Party ist. Letztendlich wurde der Mann gefunden, in London. Wir gehen davon aus, dass es da bald eine amtliche Festivität gibt.

Aus fett wird voll – Wer sich bei Facebook mittels Emoji fett fühlen will, muss sich in Zukunft vollgestopft fühlen. Das Netzwerk änderte nun diese Option und tauschte die beiden Gefühlszustände aus. Es steckt aber mehr dahinter: Die Veränderung ist eine Reaktion auf eine Petition der internationalen Frauenorganisation Endangerd Bodies auf Change.org. Wer vielleicht nicht nachvollziehen kann, dass sich junge Menschen, und insbesondere junge Mädchen, durch solche Status-Optionen diffamiert oder verunsichert fühlen können, ist vermutlich eines ganz sicher nicht mehr: jung.

FireShot Screen Capture #025 - 'Google Feud' - www_googlefeud_comMach voll! – Ein beliebter Zeitvertreib unter vielen Netzlingen: In der Google-Suche einen Fragesatz beginnen und schauen, was Googles Autocomplete als häufigst gestellte Fragen anbietet. Justin Hook hat daraus nun ein kleines Spiel entwickelt: Im Stile der Spielshow Familien-Duell (engl. Family Feud) gibt Google Feud eine Frage vor und hat dann drei Versuche frei, die Top-Antwort zu finden. Das Spiel ist eher kurzweilig und – ehrlich gesagt – nervt es. Nichtsdestotrotz erfreuen sich solche Google-Spiele immer wieder großer Beliebtheit. Wenn auch nicht für lange.

#PadsAgainstSexism – Twitter hat die wunderbare Eigenschaft, immer wieder die Macht der Bildsprache unter Beweis zu stellen – grenzüberschreitend und da, wo die Botschaft verstanden wird. So trat die Kampagne der 19-jährigen Elona Kastrati ihren internationalen Erfolgslauf an: Feministische Botschaften auf (unbenutzte) Damenbinden geklebt, in der Öffentlichkeit aufgehängt. Unter dem Hashtag #PadsAgainstSexism verbreitete sich die Kampagne weltweit und wurde vielfacht adaptiert. Besondere Aufmerksamkeit erhielt dabei eine Gruppe von Aktivisten, welche Kastratis Kampagne an der indischen Universität Jamia Millia Islamia aufgriffen. Die Aktion hat offensichtlich weltweit einen Nerv getroffen. Die Schöpferin Kastrati freut es: „Ich wollte eigentlich nur, dass es ein ganz kleines Ding in Karlsruhe wird und plötzlich war es in der ganzen Welt.“. Tja, so kann’s gehen.

Porno-Prävention – Ab dem 1.Juni werden neue generische Top-Level-Domains verfügbar sein. Das heißt im Klartext, dass dann Internetadressen auch auf *.porn, *.adult oder *.sucks enden können. In der sogenannten Sunrise-Period können Kunden, mit begründeten Zweifeln, vorzugsweise gTDLs erwerben, damit kein Schindluder mit den Endungen getrieben werden kann. Unter diesen befinden sich Microsoft, Apple, aber auch Popstar Taylor Swift. Hoffentlich wurde in Berlin auch dran gedacht, sonst gibt es bald Bundesregierung.sucks.

Ostern via Messaging – Das Ruhrbistum in Essen hat Social Media für sich entdeckt und verschickte zwischen Palmsonntag und Ostermontag die Ostergeschichte, Stück für Stück – via WhatsApp. Einfach ein bestimmte Nummer unter „Ostergeschichte“ speichern und das Wort „Start“ an die Nummer schicken. Und schon erhielten die Interessierten täglich kurze Textausschnitte, Bilder oder auch Videos, welche die Geschichte erzählten bzw. erklärten. Bereits nach kurzer Zeit hatten sich mehr als 2000 User angemeldet. Es ist bemerkenswert, dass eine als verstaubt bekannte Institution Storytelling als Marketinginstrument besser verstanden hat, als manch modernes Unternehmen.

El Risitas – Das Netz lacht jetzt schon einige Zeit über Videos, die einen ansteckend lachenden, zahnlosen Spanier zeigen und fiktive Anekdoten, via Untertiteln, zu aktuellen Geschehnissen erzählen. Wir wissen nicht, wer damit „wieder“ angefangen hat – es gibt diese Videos mit deutschen, englischen, russischen, etc. Untertiteln. Laut Wikipedia sei der Clip erstmals Anfang 2014 aufgetaucht – seiner Zeit von der Muslim Bruderschaft in Ägypten benutzt, um sich über Präsident Sisi lustig zu machen (sieh‘ an: Islamisten beherrschen nicht erst seit Isis virales Marketing). Damit wir das auch mal wissen: Sein Name lautet Juan Joya Borja. In Spanien ist der Comedian auch unter dem Spitznamen Risitas (das Gekicher) bekannt. Und langsam ist dann auch wieder gut… #140max – Am 21. März konnte Twitter neun Kerzen auf dem Geburtstagskuchen auspusten. Das inspirierte die Fachkreise vor allem zu Artikeln über die neun wichtigsten Tweets der knappen Dekade – darunter auch „Hurra, Eis auf dem Mars gefunden“ und „Willi und Kate heiraten“ – spannend. Aber wir werden auch daran erinnert, dass Twitter anfangs noch Twttr hieß und dass Hashtags erst im Nachhinein zur Funktion wurden. An sonsten: Glückwunsch.

Pep Talk – So geht Imagepflege: Ein junger Mann will mehr Muckis und geht zum Blechbiegen ins Fitness-Studio. Wenig erfolgreich wird er dort vom muskulösen Stammklientel ausgelacht. Enttäuscht und demotiviert klagt er in einem Gewichtherberforum auf Reddit sein Leid, welches nicht ungehört blieb. Kein geringerer als der 7-malige Mr. Olympia, 4-malige Mr. Universum, Gouvernator Arnold Schwarzenegger antwortete dem enttäuschten Neuling mit einer aufbauenden Rede. So einfach kann es sein, seinen Marktwert hoch zu halten.

schwarze-schleife-germanwings-flugzeugabsturz-4U95254U9525 – Der tragische Flugzeugabsturz des Germanwings Airbus A320 in Südfrankreich hinterlies natürlich auch seine Spuren im Social Web. Leider ist die einzige nennbare, „social-eigene“ Aktion, das inflationäre Austauschen von Logos und Profilbildern gewesen. Viele Unternehmen, vorwiegend der Luftfahrt- und Tourismusbranche, änderten ihre Logos in schwarz-weiß Versionen, und beim Otto-Normal-User ersetzten schwarze Schleifen mit Flugnummer zahlreich die Profilbilder. Darüber hinaus machte das Netz „pawlowschen Dienst nach Vorschrift“: Medienkritik gehört natürlich schon fast folkloristisch zu jeder Empörungsorgie; gegenseitiges Beschimpfen, wieso die einen Opfer mehr wert seien, als die anderen; und es durften natürlich auch nicht die Berufszyniker fehlen, die die Opfer verhöhnten. Wir haben das Gefühl, jedes weitere Wort wäre wohl überflüssig.

Die Show gestohlen – Und zum versöhnlichen Ende: Schweden hat seinen abgesandten Barden zum European Song Contest (ESC 2015) gewählt – aber der heimliche Star war jemand anderes: Tommy Krånghs Aufgabe sollte sein, die Texte der Künstler in Gebärdensprache zu übersetzen. Das hat er auch gemacht. Nur hat der gute Tommy dabei so eine Leidenschaft entwickelt, dass der wahre Haupt-Act nur für die Menschen am Bildschirm zu sehen war. Einige Schweden forderten hinterher: Schickt Tommy nach Wien. Können wir verstehen.

 

Artikelbild: anna carol (flickr.com, CC BY 2.0)

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