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Hippe Spießer und das gelöschte Grundgesetz – Monatsrückblick August

In Peking lügen sie über Demonstranten, in Rom lügen sie über Seenotretter und in Bayern wird ein Social Media Manager über Nacht zum coolen Hippster. Wenn ihr damit nichts anfangen könnt, habt ihr im August etwas verpasst. Zum Glück gibt es unseren Monatsrückblick mit diesen und noch mehr bunten Meldungen aus dem Social Web. Gute Unterhaltung.

#Hongkong – Pekings Märchen-Accounts

Hongkongs Jugend verlangt nach Demokratie und geht dafür seit Wochen auf die Straße. Wie sehr sich Peking davon bedroht fühlt, sehen wir an den manipulativen Stunts in den sozialen Medien: Über Fake-Accounts wurden Desinformationen über die Demonstranten gestreut. Demnach sollen die Jugendlichen gewalttätig sein und das sogar in Dimensionen des Islamischen Staats. Offensichtlich versuchte die chinesische Führung so auch Demonstrantengruppe gegeneinander aufzubringen.

Das Netz durchschaute den Coup. Die Konsequenz: Twitter und Facebook löschten diese Accounts. 900 Profile bei Twitter und vorsorglich sogar 200.000 weitere verdächtige Accounts. Mit fünf Profilen, sieben Seiten und drei Gruppen fällt die Beute im Hause Zuckerberg deutlich geringer aus. Der Zwitscherdienst geht sogar so weit, Werbeanzeigen von staatlicher Stelle aus China bis auf weiteres abzulehnen. Über Konsequenzen ist bisher nichts bekannt, aber was soll da auch folgen? Twitter ist seit 2009 in China ohnehin gesperrt.

#Salvini – Lügenverbot nur begrenzt wirksam

Matteo Salvini, ehemaliger Innenminister Italiens und Chef der faschistischen Partei Lega-Nord, verwendete widerrechtlich Fotomaterial von „Mission Lifeline“, um gegen die Seenotretter zu hetzen. Das machen Rechtsextreme nunmal so. Ein deutsches Gericht hat die Rechte der Hilfsorganisation „Mission Lifeline“ vertreten und dem Faschisten die Verbreitung der diffamierenden Bild-Collagen verboten. Das machen Gerichte nunmal so.

Der rechtsextrem Salvini hat den über Twitter verbreiteten Beitrag natürlich zunächst nicht entfernt, was das eigentlich Problem exemplarisch dokumentierte: Urteile wie diese wirken natürlich nur in einem begrenzten Geltungsraum – hier Deutschland. Mögliche Haftstrafen oder Geldbußen von bis zu 250.000 Euro schrecken da nicht ab. Und wenn es Folgeurteile gäbe, würde dieser sich vermutlich als rechten Märtyrer inszenieren.

Mittlerweile ist der Tweet aber doch verschwunden, was daran liegen könnte, dass Salvini sich verkalkuliert hat, da seine Partei dem Regierungsbündnis nicht mehr angehört und er damit keine Immunität mehr genießt. Dass dies aus Einsicht über ein Fehlverhalten erfolgte, dürfen wir getrost ausschließen.

#YouTube – Grundgesetz gelöscht

Da war der Video-Dienst wohl eindeutig überfordert: Für einen Radio-Spot zitierte der sächsische Landesverband der DiePartei einfach mal das Grundgesetz. Die Entscheider von YouTube fanden, dass das deutsche Grundgesetz gegen die Richtlinien verstoße. Ob’s an dem Ton des Vortrags lag? Ob es am Nachsatz zur Entnazifizierung lag? Und wer den Beitrag wohl gemeldet hat? Von selbst wäre YouTube ja nicht drauf gekommen. Sachdienliche Hinweise nimmt unser Kommentarbereich entgegen. Und bis dahin hören wir uns den Beitrag noch ein paar Mal an.

Update: Der Spot ist mittlerweile dann doch wieder verfügbar. Vielleicht haben die YouTube-Verantwortlichen gemerkt, dass es sich um die Verfassung Deutschlands handelt.

#GoogleHire – Tod eines Unbekannten

Der Google-Friedhof bekommt Zuwachs: 2020 wird Hire, die Recruiting-Lösung im G-Suite-Portfolio, eingestellt. Eigentlich ist das kaum eine Meldung wert, denn ehrlich gesagt war das Produkt kaum bekannt. Offensichtlich wurde es auch kaum genutzt. Entstanden ist Hire seinerzeit aus dem 2015 einverleibten Startup Bebop. 2017 ging der Dienst dann an den Start. Positiv zu bemerken ist, dass das Abrechnungssystem für den Dienst schon früher abgestellt wird. Registrierte Kunden können Hire dann bis 2020 noch kostenfrei nutzen. Ganz anständig bei monatlichen Nutzungskosten von 200 bis 400 USD.

#Gamescom – Messe wird zum Allround-Talent

Die Gamescom ist nunmal die wichtigste Spiele-Messe in Deutschland und 373.000 Besucher in diesem Jahr sind auch ganz anständig. Aber mittlerweile sind solche Messen viel mehr als nur Gipfeltreffen der Spiele-Industrie. Dass die Games von den Besuchern aller Altersgruppen wie Rockstars gefeiert werden, ist nicht mehr so neu. Streamer und Let’s-Player sind für viele Spieler Promis, wie wir es auch von YouTubern kennen. E-Sports werden nicht nur als Vermarktungsplattform relevant, sondern sorgen auf Liga-Niveau für Eventspektakel. Und dann sind da natürlich auch noch die Cosplayer, die nicht nur Games-Charaktere zum Leben erwecken, sondern auch vielen Besuchern ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Vielleicht noch zwei, drei Jahre und die Gamescom verlässt aus Platzgründen die Messe-Köln und wird zum Festival.

#Amen – Gottesdienst bei Ebay versteigert

Der Hamburger Pastor Jonas Goebel hat einen originellen Weg gefunden, die Kollekte aufzubessern: Er versteigert Gottesdienste bei Ebay. Gemeint sind natürlich die Themen der Sonntagspredigten. Mitmachen darf, wer will. Dafür muss man weder Mitglied seiner Gemeinde noch gläubiger Christ sein. Der erste Versuch scheint auch schon erfolgreich gewesen zu sein. Zumindest ist die Auktion mit dem Zuschlag bei 205 Euro und 43 Geboten ausgegangen. Der Erlös geht am 29.September, wenn die ersteigerte Predigt stattfindet, in den Klingelbeutel. Den Gottesdienst gibt es dann auch als Podcast, die Predigt zum Download. Das hat ja überraschend unverkrampft funktioniert.

#CSYOU – Omas erstes Selfie

Wir kennen das alle: Omas erstes Selfie oder Papa versucht mit Snapchat-Filtern hip zu sein. In ähnlicher Manier will auch die CSU im Neuland „Digital“ nicht mehr der „alte, weiße Mann“ sein. Die bajuwarische Antwort auf Rezo & Co. heißt Armin Petschner. Der junge Mann soll die bayerische Uniospartei auch auf YouTube nach vorne bringen. Früher mal Junior Consultant bei der Social-Media-Agentur Lobeco, ist Petschner seit 2018 Kommunikationsreferent der CSU-Landesgruppe. Vor Kurzem noch so sexy wie ein Bausparvertrag, wurde Petschner offensichtlich auf jugendlich-hip zwangsgestylt. Man darf auch sagen: ein Offenbarungseid der Authentizität.

Aber stören wir uns nicht an Äußerlichkeiten. Denn die eigentliche Peinlichkeit offenbart sich erst im Inhaltlichen: Greta- und Grünen-Bashing und Linksaktivisten als Terroristen etikettieren. Im Gegensatz zu Rezo ohne Quellennachweise und mit dem Charme eines Pegida-Aktivisten. Dazu auch noch die Debatte, dass offensichtlich viele kritische Kommentare unter dem ersten YouTube-Machwerk gelöscht wurden.

Und das Netz sagt: Fast 200k Daumen nach unten, gegenüber 4,5k Daumen nach oben. Um aber nochmal sachlich zu werden: Wir werden mit Spannung beobachten, was nun aus dem hippen Social Media Manager wird. Die CSU ist nun in der unerfreulichen Lage, mit keiner Entscheidung punkten zu können: Eigentlich ist Petschner verbrannt. Ihn zu behalten ist aber genauso schlimm, wie ihn zu feuern. Schaunmama.

#Instagram – Straftat gestreamt

Zwei 16- und 18-jährige Mädchen aus Erdingen hatten da eine ganz schlechte Idee: Im Supermarkt einsperren lassen und dann auf Instagram aus dem leeren Laden streamen. Die Zuschauer fanden das wohl nicht so witzig und alarmierten die Polizei. Immerhin wurde der Markt dann recht spektakulär von den Beamten umstellt. Praktischerweise ist das eigentliche Ziel, also das Video aus dem Supermarkt, auch das Hauptbeweismittel. Ach Mädels, dann doch lieber Schminktipps.

#CARaoke – Kennen Sie Uwe?

Und zum Schluss: Uwe singt gerne. So gerne, dass sein Instagram-Account quasi nur aus Videos besteht, die ihn beim Trällern in seinem FIAT 500 zeigen. Ob der Gesang nun wirklich hörenswert ist (eher nicht), spielt gar keine Rolle. Allein damit den ganzen Account zu füllen, ist an sich schon ein Gesamtkunstwerk. Über 500k Follower konnte er damit binden. Die Leute von OMR behaupten, sogar Rihanna folge ihm. Das ist ja dann quasi ein Ritterschlag. Also, einfach reinhören und schauen, wie weit ihr es aushaltet.

 

Artikelbild: Marco Verch (CC BY 2.0)

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