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Livestreams aus dem Kinderzimmer, ein mutiges Mobbing-Opfer und mehr im Monatsrückblick Februar

Der Februar ist nach langer Zeit wieder ein Monat, der kein durchgehendes Nachrichtenthema hatte – mit dem positiven Effekt, dass unser Monatsrückblick sehr bunt geworden ist. Wenig Politik oder Corporate, dafür viel Bewegtes, Getweetetes und vor allem Menschliches. Bitte schön – der Februar.

Nachlassverwalter – Was nach dem Tode eines Facebook-Nutzers mit seiner Profil-Seite passiert, war bislang nicht im Ablaufplan des sozialen Netzwerks geregelt. Jährlich sterben rund 375.000 Mitglieder, was zuweilen für wenig pietätsvolle und peinliche Blüten gesorgt hat. Angehörige konnten zwar über Memorialization Requests den Gedenkzustand eines Profils erreichen, was jedoch bis zu mehreren Wochen dauerte. Nun haben Facebook den Legacy Contact ausgerollt. Dieser Kontakt kann in der Timeline nach dem Ableben eines Mitglieds Trauerveranstaltungen posten, das Profilfoto erneuern und neue Kontaktanfragen beantworten. Der Verstorbene kann gleichzeitig nicht mehr als neuer Kontakt empfohlen werden. Der Nachlassverwalter postet übrigens nicht im Namen des Accounts und kann auch die Messages nicht einsehen.

FireShot Screen Capture #009 - 'RapidShare' - rapidshare_com_homeRapidEnd – „Rapidshare? Gibts die noch?“ dürfte wohl die häufigste Reaktion auf die Meldung sein, dass der schweizer Shareholder Ende März die Tore schließen wird. Der Dienst gehörte zu den ersten Filehosts und war in seiner Hochzeit um 2008 eine der 20 wichtigsten Adressen im Netz. Mit der Einführung der Trafficlimits für Uploads ging die Popularität Rapidshares rapide in den Keller. In dem Zusammenhang kann wohl von einem zähen Ende gesprochen werden, denn bereits Anfang 2014 wurde gemunkelt, dass 23 der 24 noch angestellten Mitarbeiter die Wahl vor die Wahl gestellt wurden, selbst zu kündigen oder gekündigt zu werden.

Live aus dem Kinderzimmer – Wir haben ein neues Problemkind: Die Livestreaming-Plattform YouNow ist ein lebendiges Beispiel für das sozial-mediale Nutzungsverhalten nachrückender Generationen. Hauptnutzer scheinen Minderjährige zu sein, welche ihre Unerfahrenheit ungefiltert im Live-Stream dokumentieren. Bei allen interessanten Aspekten der Plattform, sind vor allem Jugendschützer alamiert, zumal gerade Voyeuren und Pädophilen ein reicher Datenschatz offeriert wird. Kontrollen sind bislang nur marginal auszumachen und so werden wir wohl in Zukunft noch mehrfach auf das Thema zurückkommen. Äußerlich erinnert uns die Performance an die Umgebung von Live-Cams der Porno-Branche – Streams, Shoutboxen für Live-Chats und ein Bewertungssystem für Credits. Und das für Kinder. Eine schöne Zusammenfassung:

Garagenverkauf – Die Google-Papas Larry Page und Sergey Brin wollen sich in den nächsten Jahren von Teilen ihres Aktienanteils verabschieden. Der Wert der zukünftig veräußerten Wertpapiere wird mit rund 4,4 Mrd. Dollar beziffert. Kontrollverlust ist aufgrund des Klassensystems der Aktien nur begrenzt zu befürchten: Es gibt bei Google-Aktien A-, B- und C-Klassen. Als Google an die Börse ging, erhielten Page und Brin ausschließlich B-Aktien, welche einen zehnfach höheren Stimmanteil haben als A-Aktien mit einfachem Stimmgewicht. Seit April 2014 gibt es auch eine C-Klasse, welche jedoch keine Stimme hat. Diese stimmenlosen Aktien sollen eigentlich nur bei Übernahmen neuer Unternehmen als Akquisitionswährung oder als Vergütung für Mitarbeiter genutzt werden. Und von denen wollten sich Page und Brin nun trennen. Eine Klage von Anlegern, gegen die Übermacht der Gründer, zwingt die beiden nun jedoch, Aktien der wertvollen B-Klasse in gleicher Zahl veräußern zu müssen.

Mut gewinnt – Der 19-jährige Benjamin Fokken hat ein Video veröffentlicht, welches im Februar viel Aufmerksamkeit bekam. Auf verschiedenen Karten verkündet er eine Botschaft gegen Mobbing. Ergebnis: Knapp 5 Mio. Aufrufe, 180.000+ Shares und 45.000 Likes. Mit der Aktion hat es der junge Mann auf alle Nachrichtenportale und in ein paar TV-Sendungen geschafft. Die Aufmerksamkeit möchte Fokken (auf Facebook nennt er sich Drews) nun weiter nutzen und veröffentlicht bald ein Buch, in welchem er über seine Erfahrungen als Mobbing-Opfer schreibt. Zur Finanzierung hat er eine Startnext-Seite aufgesetzt und um (süße) 100 Euro gebeten. Die Summe kam natürlich um ein Vielfaches zusammen. Weiter so!

Text-on, Hirn-aus – Text-on ist ein Berliner Start-Up, dessen Produkt „journalistische“ Texte per Algorhythmus generiert. Tomorrow Focus und Finanzen100 wollen nun das Programm für Börsennachrichten testen. Dabei werden aktuelle Kurse laufend ausgelesen und dann täglich in bis zu 3000 kurze Meldungen umgewandelt. Der erste Schritt, noch mehr Redakteure arbeitslos zu machen.

#untherapierbar – Bild-Chef Kai Diekmann hat mehrfach den Beweis angetreten, dass ein hoher Twitter-Output noch lange nicht von Kompetenz oder moralischem Bewusstsein zeugen muss. Wie ein nach Vergeltung lüsterndes Kleinkind (Grönemeyer erwirkte eine einstweilige Verfügung), veröffentlichte er diesmal die Privatadresse von Herbert Grönemeyer in England. Die Antwort von Herberts Anwalt kam promt via Fax und der Diekmann wäre nicht Diekmann, wenn das nicht auch stante pede im Zwitscherversum landen würde. „Der kleine Kai sollte dringend aus dem Bälleparadies abgeholt werden.“

Ein Loch ist im Eimer… – Studenten des Saarbrücker Kompetenzzentrums für IT-Sicherheit (CISPA) haben entdeckt, dass rund 40.000 Datenbanken in Deutschland und Frankreich leicht von Außen einsehbar und veränderbar sind. Darunter auch Adressen und Bankdaten, denn die verwendete Software wird nicht selten von großen Shops verwendet. Die Lösung ist so einfach wie peinlich: Anscheinend haben sich die „Admins“ minutiös an die Installationsvorgaben gehalten und dabei nicht auf mögliche Angriffen von Außen geachtet. Tja, peinlich eben.

Antisemitisches Cat-Calling – Im Stile von 10 Hours of Walking in NYC as a Women der Amerikanerin Shoshana Roberts, ging nun der Journalist Zvika Klein für das Israelische Portal NRG 10 Stunden durch Paris – sichtbar mit Kippa auf dem Kopf. Die Ergebnisse sind erschreckend, wobei gesagt sein muss, dass zur Zeit solche Anfeindungen in Frankreich bedauerlicherweise nicht überraschen. Auch wenn Antisemitismus faktisch nicht relativierbar ist, so sollte auch einen kritischer Gedanke dazu geäußert werden dürfen: NRG ist ein politisch konservatives Portal, im Besitz von Sheldon Adelson – Freund, Unterstützer und Geldgeber von Hardliner Benjamin Netanjahu, welcher aktuell Juden aus Europa dramatisch auffordert, ins sichere Israel heimzukehren.

Positivere Ergebnisse ergaben dagegen ähnliche Versuche in Deutschland: Der Münchner Terry Swartzberg trägt seit zwei Jahren offen sein Kippot und schreibt bald ein Buch – über die fast ausschließlich positiven Erfahrungen. Die direkte Antwort auf Zvika Kleins Video kam vom israelisch-deutschen Schauspieler Amit Jacobi, welcher mit Kippa durch Berlin lief. Und Jacobi findet am Ende die treffendsten Worte zum Thema Antisemitismus in Deutschland:

Netz oder Buch? – Als die indonesische Marktforscherin Helani Galpaya herausfand, dass vielen Menschen in Südost-Asien nicht bewusst ist, das Internet zu nutzen, wenn Sie auf Facebook sind, dachte man, es wäre ein regionales Phänomen. Zu ähnlichen Resultate kam eine Studie in Südafrika. Ein Problem von Drittländern und Schwellenstaaten? Mitnichten: Facebook COO Sheryl Sandberg bestätigt, dass viele Menschen Facebook und Internet nicht in einen Kontext verstehen; viele Kunden wollen ein Smartphone für Facebook kaufen und realisieren nicht, dass sich das Netzwerk im Internet befindet. Zur Erinnerung: Wir haben 2015. #facepalm

Mit Präsenz gegen Aluhüte – Der Bundestag hat jetzt auch eine Facebook-Präsenz. Eröffnet wurde die Seite mit einem Begrüßungsvideo von Regierungssprecher Steffen Seibert, welcher das Team, die Arbeit und die Absichten der Seite vorstellt. Bisher muss man sagen: Ein vorbildliches Team, welches ganze Arbeit leistet. Die Redaktion beantwortet fast jede direkte Ansprache, lässt sich von noch so verschwörerisch zynischen Befreiungspatrioten nicht aus der Reserve locken und beantwortet zu dumme Wortmeldungen auch gerne mit Humor. Allein die Arbeit dieser Community-Manager macht die Seite besuchenswert.

Schatz, nicht vor dem Fernseher! – Samsung warnt seine Kunden, keine zu persönlichen Informationen vor dem Fernseher preiszugeben. Das betrifft natürlich nur Samsungs SmartTV, dessen Spracherkennung Wortfetzen falsch interpretieren könnte und dann an Dritte weitersendet. Und wer noch weitere überzeugende Kaufargumente für dieses Produkt braucht: Die Kunden wurden gewarnt, denn in den Nutzungsbedingungen steht klar und deutlich: „Bitte beachten Sie, dass sämtliche gesprochenen Worte, auch persönliche oder sensible Informationen, bei Ihrer Nutzung der Spracherkennung erhoben und an einen Drittanbieter übertragen werden.“ – Is‘ ja beruhigend.

Illegales Schnurren – Das Video läuft knapp eine Stunde. Inhalt: Eine Katze schnurrt. Der Vorwurf: Verstoß gegen das Urheberrecht. Bitte? Das viel gerühmte Content-ID System wertet YouTube-Inhalte nach Algorhythmus aus und will hier einen Song erkannt haben. Dieses System ist bekanntermaßen großer Mumpitz und hat schon viele Nutzer ohne faktisch erkennbaren Grund ausgesperrt. Aber: Urteilen Sie selbst – was hören Sie?

Und täglich grüßt… – Im Februar sind verschiedene US-Nachrichtenportale auf die Facebook-Seite La stessa foto die Toto Cutugno ogni giorno (Jeden Tag das gleiche Foto von TC) aufmerksam geworden. Die Seite macht, was der Titel verrät: Seit August 2014 postet die Seite täglich ein und dasselbe Foto des italienischen Chansonniers. Es gibt keine Informationen über das Warum oder den Gründer der Seite; die Domain der Email-Angabe verweist auf einen IT-Manager, der zufällig auch Cutugno heißt – Verbindungen sind nicht ersichtlich. Nachahmer gibt es mittlerweile auch zur Genüge. Der Soziologe Alessandro Bessi sieht hier die Chance, Verbreitungsverhalten von Falschinformationen zu untersuchen. Über 60.000 Fans, 300.000+ Likes, 14.000+ Kommentare und über 7000 shares… für und von einer Seite die jeden Tag das gleiche Postet: Das sollte eine Studie wert sein.

_twitt_Ital_IsisDie spinnen, die Römer – ISIS bedroht nun Italien und kündigt an, bald Rom einzunehmen (LoL). Als sich ihr Hashtag im Netz verbreitete, haben die Italiener adäquat und unerwartet geantwortet – mit Reiseempfehlungen: Warnungen vor vollen Autobahnen, verspäteten Zügen und die Frage, ob sich ISIS dann auch um die Müllbeseitigung kümmern wird. Tja, was soll man auch sagen.

Guy Fawks erklärt den Krieg – Und noch mal ISIS: Anonymus haben allem Anschein nach zahlreiche Email-, Twitter- und Facebook-Accounts und Websites von IS-Terroristen gehackt und gelöscht. Die Aktion gehört zur Operation ISIS (#OpISIS), mit welcher das Hacktivisten-Kollektiv der pseudo-muslimischen Terrorbande den Cyber-Krieg erklärt. In Anbetracht der Tatsache, dass hier effektiv die Infrastruktur der Terroristen bekämpft wird, muss man wohl eingestehen: Anonymus machen einen besseren Job als viele Patronen, Bomben und Granaten. Und nebenbei haben ihre Videos auch echtes Gänsehaut-Potential.

App für Kontrollfetischisten – Class120 heißt ein App-basiertes Programm in den USA, welches die Eltern umgehend informiert, sollten die Sprösslinge die Uni schwänzen. Auch wenn es bei Universitäten kaum auf positives Feedback trifft, dürften sich viele Eltern angesprochen fühlen. Zumal bedeutet in den USA das Studium der Kinder den Eintritt in eine finanziell einschneidene Phase. In NRW wurde kürzlich die Anwesenheitspflicht an Unis abgeschafft, was zu einem Disput zwischen Studierenden und Dozenten führte: Die AStAs von Münster und Bochum meldeten „zurück“, wenn sich Lehrkräfte nicht an die Abschaffung hielten. Wie du mir…

L’humour c’est moi – Wer von der Verfolgung von Twitterern oder Bloggern spricht, denkt für gewöhnlich an Russland oder die Türkei. Dann kennen Sie Ecuadors Präsident Rafael Correa nicht: Der charismatische Staats-Macho nimmt sich gerne die Zeit, Propaganda mittels einer öffentlichen und humoristisch gehaltenen Q&A-Show zu verbreiten – inklusive lustigem Clown, der singend verkündet, wie toll der Präsident sei. Dabei geht er auch auf kritische Tweets ein, veröffentlicht vor laufenden Kameras die richtige Identität der Twitterer und ruft zu öffentlichen Shitstorms auf. Damit schaffte es Ecuadors Maximo-Leader auch in John Olivers Show, welcher die Praktiken zurecht und grandios in der Luft zerriss. Reaktion des Präsidenten: Tagelang widmet er sich im „Deine Mudda“-Modus dem englischen Comedian. Tja, wen man sich wählt, so bettet man sich, liebes Ecuador.


John Oliver pide que ayuden a Rafael Correa von NiaHemphill

Fehlerteufel – Der Wikipedia-Autor Bryan Henderson (alias „Giraffedata„) hat es mit seiner Aktivität zu den 1000 wichtigsten Autoren geschafft: Seit 7 Jahren korrigiert der hauptberufliche Software-Ingenieur ein und denselben Grammatikfehler. Er hat sich sogar ein Programm geschrieben, welches Wikipedia laufend nach diesem Fehler untersucht. Bisher griff Henderson 47.000-mal korrigierend ein und irgendwie haben wir das Gefühl, es wird noch öfter passieren. Wenn man sonst nichts zu tun hat…

JCVD – Der Kampfsport-Mime und Spagat-Virtuose Jean-Claude van Damme hat einen Sinn fürs Virale. Wir erinnern uns gerne an den Epic Split für Volvo Trucks. Mit Funny or Die rief er jetzt zu einem Video-Contest auf: van Damme inszeniert sich im Greenscreen, mit viel Selbstironie, in verschiedenen Szenen. Die Offerte wurde von den Bewegtbild-Netzlingen dankend angenommen und produzierte reichlich Video-Material. Da freuen wir uns auf das nächste Projekt van Dammes.

JCVD’s Make My Movie Challenge – watch more funny videos

JCVD’s Make My Movie Challenge: the Highlight Reel – watch more funny videos

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Teaserbild: © La Gorda – Fotolia.com

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