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Threatin und die toten Tanz-Frösche – Monatsrückblick November

Monatsrückblick November

Sie dürfen diesen Monatsrückblick auf keinen Fall verpassen. Ok, wir haben auch etwas Business und Netzpolitik in der Themenauswahl. Aber wir haben vor allem das echte Netzleben in allen Schattierungen: Von Influencern, die ihre ethnische Zugehörigkeit wechseln, falschen Berühmtheiten, die echt sind, und morbiden, echt gruseligen Trends. Also nochmal Kaffee holen, bequemen Platz suchen und Beine hoch. Bitte schön, der November.

#Facebook – Mark zieht in den Krieg!

Der Facebook-Chef hat sich einen sehr Trumpschen Zug zugelegt: Cambridge Analytica, russische Propaganda oder Datenlecks kratzen am Image des Netzwerks. Und gegen wen wendet sich Zuckerbergs Groll? Gegen die Medien. Wie das Wall Street Journal berichtete, habe Zuckerberg 2018 mehrfach in Stabsmeetings erklärt, dass sich Facebook Inc. im Krieg mit den Medien befinde. Und offensichtlich hat sich sein interner Führungsstil dem eines militärischen Generalissimus angenähert, was zunehmend für schwere Konflikte sorgt.

Nachdem General Zuckerberg bereits die Gründer von WhatsApp und Instagram vergrault hat, scheint Sheryl Sandberg das nächste Moorhuhn vor Marks Flinte zu sein. Die Facebook CEO gerate zunehmend mit dem Chef aneinander und er sei nicht damit zufrieden, wie sie den Betrieb führe. Während Sandberg unter Mitarbeitern weiter ein hohes Ansehen genießt, scheint sie selbst eine der treibenden Kräfte zu sein, die Facebook mehr zu einem republikanisch orientierten Netzwerk machen. Im November soll sie angeordnet haben, den Intimfeind aller Rechtspopulisten, George Soros, zu durchleuchten, nachdem dieser Facebook als Bedrohung titulierte. Leute, 2019 könnte ein sehr kriegerisches Jahr werden.

#RakeAmericaGreatAgain – Finnische Brandbekämpfung

Amerikas Ober-Donald hat eine ganz eigene Ursachenerklärung für die schrecklichen Waldbrände in Kalifornien. Der finnische Premier habe ihm erzählt, dass das waldreiche Finnland keine Probleme mit Waldbränden hätte, weil die Finnen ihre Wälder immer so schön rechen (rake) und sauber halten. Die belustigte Antwort aus Finnland war der Hashtag #RakeAmericaGreatAgain und viele bildliche Dokumentationen, wie sie ihre Wälder sauber halten. Und natürlich dauerte es nicht lange bis die Amerikaner selber mitmachten. Donald Trump belebt die sozialen Medien eben auf seine ganz eigene Art.

https://twitter.com/ilikewoolsocks/status/1064129086912647168

#Threatin – Bekannt gefaked

Es war irgendwie die mystische Social-Marketing-Story des Novembers: Ein bisher gänzlich unbekannter Musiker namens Jered Threatin, bürgerlich Jered Eams, nimmt eine Platte auf und engagiert Musiker, mit denen er die Platte dann auf die Bühne bringen kann. So weit, so gut. Dann promotet er die Band, als wäre sie bereits berühmt: Kauft falsche Follower auf Facebook, dreht angebliche Live-Videos mit Material von anderen Konzerten und schafft es sogar damit Konzerte für eine Tour zu buchen. Die Nummer flog dann endgültig auf, als kaum jemand zu den Konzerten kam. Gut, die „Band“ konnte auch kaum Tickets an den Mann bringen. Aber die Bilder von Konzerten vor drei Zuschauern waren dann wohl doch irgendwie zu entlarvend.

Wir hatte so gehofft, dass noch irgendwas passiert und die Geschichte einen ganz anderen Spin bekommt. Pustekuchen. Es war wirklich nicht mehr als eine verquere Masche, Promo zu betreiben. Und die ist nach hinten losgegangen. Obwohl: Aus dem Interview mit dem engagierten Bassisten klingt heraus, dass es nicht nur Herr Threatin alleine war. Es gab wohl doch ein Management, das dahinter stand. Die Club-Szene ist blamiert, weil selbst so namhafte Etablissements wie das Underground in London einfach eine Band aufgrund des Social-Media-Hypes buchten, oder eher dafür Geld nahmen, ohne zu wissen, welche Katze sie da im Sack kaufen. Alles was wir haben ist ein Statement von Eams. Und das klingt etwas nach: Selber schuld, wenn ihr das geglaubt habt.

What is Fake News? I turned an empty room into an international headline. If you are reading this, you are part of the illusion. – Jered Threatin

#Influencer – Blackfacing oder Ethno-Chic?

Die schwedische Beauty-Influencerin Emma Hallberg hat ein Problem: Sie ist nicht schwarz. Das wäre zunächst kein Problem. Aber bisher dachten alle, sie sei zumindest nicht komplett weiß. Tja, ist sie aber. Der melaninreiche Teint komme von der guten schwedischen Sonne und trickreicher Make-Up-Praxis. Damit hätten wir alle Zutaten für einen Social-Media-Skandal, der es bis in amerikanische Talk-Shows geschafft hat. Von klassischem Blackfacing kann man wohl nicht sprechen. Der zeitgemäße Terminus lautet: Blackfishing. Sich als ethnische Schönheit präsentieren und offensichtlich daraus Profit schlagen, obwohl man weiß ist. Und Hallberg ist nicht die einzige Schwarzfischerin. Es scheint eher ein recht viraler Trend zu sein.

Die Frau Influencerin selbst hat nie behauptet schwarz oder Latina zu sein. Im Gegenteil. Aber es ist zu komplex, um hier in die Tiefe zu gehen. Wir mischen uns in den Streit mal nicht ein und sind froh, dass wir keine Beauty-Models sind. Interessanter Effekt: Seitdem diese Debatte um Frau Hallberg ausgebrochen ist, blähte sich ihr Account von 125k Followern auf 280k Follower auf.

#eEvidence – Blaupause nach Orwell

Still, leise und ohne die Wahrnehmung der Öffentlichkeit hat sich der EU-Justizministerrat Ende November auf einen Verordnungsentwurf geeinigt, der den Durchschnittsbürger viele seiner Rechte kosten könnte. Es geht um die Sicherung elektronischer Beweismittel (e-Evidence). Wenn Ermittlungsbehörden länderübergreifend Einsicht in digitale Daten erhalten wollen, dauert das bis zu 120 Tage. Die jeweils zuständigen Justizbehörden der einzelnen Staaten haben dabei Einspruchrechte und es gibt ja auch noch Rechtshilfeabkommen. Was mit dem neuen Entwurf geplant ist: Provider werden verpflichtet, innerhalb von sechs Stunden Daten jeglicher Art rauszurücken. Dabei ist nicht mehr vorgesehen, dass die zuständigen Staaten zeitgerecht mitreden können.

Im Extrem hieße das: Wenn (aktuell) eher minder-demokratische Staaten wie Polen oder Ungarn Daten eines Users aus beispielsweise Deutschland fordern, müssten deutsche Behörden solch einen Zug über sich ergehen lassen und der User ist der Willkür dieser Staaten ausgeliefert. Es ist zunächst natürlich nur ein Entwurf, der zwar vom EU-Innenministerrat schon beschlossen wurde, aber noch weit davon entfernt ist, ein Gesetz zu sein. Aber es ist schon erschreckend, wie breit mittlerweile die politische Basis für solche Eingriffe in Europa ist.

#Waverider – Übertreibung macht anschaulich

Zur Auflockerung was zum Lachen. Bekannte Bilder spaßig nachbilden ist ein alter Hut, aber immer wieder lustig. Vor allem, wenn das jemand wie Liam Miscellaneous (Waverider) schon seit mehreren hundert Postings macht. Und obendrein darf er sich über 1,1 Mio. Follower freuen. Alle Achtung.

 

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There’s a snake in my booty…🐍

Ein Beitrag geteilt von Liam Miscellaneous 💧 (@waverider_) am

#5G – Neue Frequenzen braucht das Land

Anfang 2019 werden voraussichtlich die Frequenzen für den neuen 5G-Standard versteigert. Worum es genau geht, haben wir in einem Blogpost erklärt (>>hier). Update: Die Diskussion um die Vergaberegeln ist mittlerweile offiziell abgeschlossen. Damit hat die Bundesnetzagentur den Deckel drauf gemacht und die Auktion kann losgehen. Ganz so abgeschlossen ist die Diskussion dann aber doch nicht: Durch eine geplante Änderung im Telekommunikationsgesetz könnte nationales Roaming verpflichtend werden, womit die Vergabekriterien der Frequenzversteigerung wieder obsolet werden. Schlimmstenfalls könnte das gesamte Vergabeprozedere wieder auf Null gesetzt werden.

Kopfschütteln Hund really#Taxidermy – Tote tanzende Frösche unter der Käseglocke

Es wäre ja so schön, mal wieder etwas über die Bilderpracht von Pinterest zu liefern. Aber diesmal weigern wir uns, Bilder zu zeigen und belassen es bei einem Link. Denn das Board „Taxidermy“ ist wirklich eher was für Freaks und selbst für Freunde morbider Ästhetik grenzwertig. Worum es geht: Ausgestopfte Tiere. Aber es geht nicht nur um Bilder taxidermischer Präparate. Die leblosen Wesen werden dann auch noch szenisch inszeniert: Hamster im Ballettkleid, Maus auf dem Hexenbesen oder die toten tanzenden Frösche unter der Käseglocke. Wer jetzt trotzdem neugierig geworden ist, wir haben euch gewarnt: >>Taxidermy<<

#DHL – Nervous Breakdown

Da ist wohl einem Community-Manager der Kragen geplatzt. Die Reaktion via Tweet (s.u.)hat mittlerweile die Runde gemacht und für gemischte Reaktionen gesorgt. Wir wollen mal anerkennend loben, dass DHL den Tweet nicht gelöscht haben und dafür nutzen, sich zu entschuldigen. Wir hoffen trotzdem, „Wir haben bereits Konsequenzen gezogen“ heißt nicht, dass der Mitarbeiter seinen Hut nehmen musste. Wahrscheinlich aber doch.

Es gibt Fachleute, die nun der Meinung sind, Messenger seien mittlerweile besser für den Kundenkontakt geeignet als öffentliche Plattformen. Wir widersprechen. Denn das kann nur jemand behaupten, der noch nie gesehen hat, wie ein WhatsApp-Chat via Screenshot verbreitet wurde.

#Blockchain – Nur heiße Luft?

Drei Entwickler wollten wissen, wie substantiell denn die Vorzüge der Blockchain-Technologie wirklich sind. Also haben sie 43 Unternehmen angeschrieben, die offensiv mit mehr Sicherheit und Kostenersparnissen geworben hatten. Die Ergebnisse der Befragung: Keine Antworten. Es ist nicht einmal sicher, ob diese Unternehmen die Technologie wirklich nutzen. Das ist natürlich noch lange nicht repräsentativ. Hilfreich aber auch nicht.

#Hochbahn – Berlin kriegt Konkurrenz

Wenn es um virale Werbung und öffentliche Verkehrsbetriebe geht, führte bisher kein Weg an den Berliner Verkehrsbetrieben vorbei. Jetzt wirft die Hamburger Hochbahn ihren Hut mit in den Ring. Der Clip macht mächtig Alarm und wurde zumindest in Medienkreisen freudig-begeistert wahrgenommen. Warten wir mal ab. Die BVG hat ja mittlerweile einen Stapel legendärer Kampagnen auf dem Tacho. Das kann also nur ein Anfang gewesen sein. Die Hamburger haben mit Publicis Pixelpark eine neue Lead-Agentur ins Boot geholt. Ob die nachlegen können? Wir sind gespannt.

 

Artikelbild: Steve Harvey (Lizenz)

 

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