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Monatsrückblick August – Degradierte Youtuber und aufgeflogene Fremdgänger

Turbulenter Hochsommer: Auf den ersten Blick zog die unschöne Seite des Netzes, in Form von Anfeindungen gegen Flüchtlinge, viel Aufmerksamkeit auf sich. Doch hatte auch der August mehr zu bieten: Nachhaltige Veränderungen in der digitalen Wirtschaft, viele Meldungen um beliebte Netzprodukte und wunderbare Aktionen in den Sozialen Netzen. Also, Füße hoch, entspannen und gute Unterhaltung – der Social Media Monatsrückblick August.

ABC – Google heißt jetzt Twix… nee, Moment – Alphabet: Das Dachunternehmen mit dem Doppel-O wechselt nämlich seinen Namen von Google Inc. zu Alphabet, Inc.. Das macht Sinn, hat sich doch die Zahl der Subunternehmen und Marken, die alle den gleichen Namen tragen, in die Unübersichtlichkeit entwickelt. Die Suchmaschine, wie auch alle anderen Produkte des Branchenriesen, behalten ihren Namen, was zur Klärung allerdings auch bedeutet: Google wird zur Marke von Alphabet. Die Börsen haben auf die Umstrukturierung erfreulich reagiert und obendrei bekommt Alphabet auch noch einen neuen CEO, den ehemligen Android-Chef Sundar Pichai. Volle Kraft voraus.

Abgezockt – In Köln rief die Messe Gamescom Spieler und Hersteller zur jährlichen Heerschau neuer Games und Konsolen herbei. Und sie kamen: 345.000 Zuschauer strömten eine Woche lang über die Gänge der Messe-Köln. Und weil das Gamer-Sujet so speziell ist, lassen wir besser die Eindrücke für sich sprechen.

Facebook Stasi – Aimee Schneider hat Verwandtschaft in den USA und wollte diese nach dem Abitur besuchen. In den USA angekommen, wurde sie direkt einer einschüchternden Befragung unterzogen und saß kurz darauf wieder im Flieger nach Deutschland. Was geschehen war: Sie erwähnte im FB-Chat mit ihrer Großcousine in Ohio, dass sie auch mal auf die Nachbarskinder aufpassen könne, was die anscheinend unbehelligt schnüffelnden Behörden als illegale Au-Pair-Beschäftigung interpretierten. Also: Wer in die „freie Welt“ reisen möchte, sollte sich in Chat-Räumen wortkarg geben oder vielleicht Klingonisch sprechen. Wir wussten ja, dass Facebook öffentlich ist – aber so öffentlich…

Apfel Sturzflug – Suggestive Abgesänge auf Apple gehören fast zur Folklore der Netzlinge. Und wie auch diesmal, stellt sich am Ende immer wieder heraus, dass das Imperium im Zeichen des Obsts trotzdem noch das wertvollste Unternehmen der Welt ist (650 Mrd. Dollar). Die Abrechnung im August gehört jedoch zu den Krisen, von denen man sich nicht viele leisten sollte: 120 Mrd. Dollar und 15% Wertverlust müssen nach einer Talfahrt von knapp zwei Wochen verzeichnet werden. Das Vertrauen an der Börse sinkt langsam, aber stetig. Und dass zu viele Erwartungen an einzelnen Produktprotagonisten wie dem iPhone hängen, sollte Tim Cook und seinen Mitstreitern zu denken geben. Nun muss aber auch dazu gesagen werden: Die Börse ist verrückt und fuhr im Juli und August Achterbahn. Dieses Jahr gaben sich abwechselnd Zuversicht, Euphorie und Enttäuschung die Klinke in die Hand. Und so schlimm wie nach dem Crash 2013 ist es auch noch nicht – zur Einschätzung diese kleine 12 Monats Chart (s.u.). Die Apple Watch hat sich bis dato eher als Reinfall dargestellt – im September soll das neue iPhone kommen, dann schauen wir mal weiter.

Update gegen Lampenfieber – Android hatte nicht nur eine Sicherheitslücke. Die Entdecker des Lecks namens „Stage Fright“ tauften das Manko sogar „Mutter aller Sicherheitslücken“. Das Leck sei nun geschlossen worden und damit Android in Zukunft dicht bleibt, sollen nun monatliche Updates folgen. So sieht’s in der Theorie aus. Faktisch krankt die Ursachenbekämpfung bei den Androiden an der trägen Updatebereitschaft der Nutzer, wie leider auch der Hersteller: Außer Samsung und LG hat bisher kein Hersteller reagiert. So wird das nichts.

Dickes K. – Kim Schmitz aka Kim Dotcom ist wieder aufgetaucht. Und wir fragen auch gar nicht, ob irgendeine Behörde gerade gegen ihn ermittelt. Der gebürtige Kieler geht nun mit einem Musik-Streaming-Dienst an den Start. Baboom ist zwar nicht innovativ, wirbt aber mit seinem „Fair Trade Streaming“-Modell. Künstler, Labels und Publisher sollen dabei mit 90 Prozent an den Einnahmen beteiligt werden. Von Apple, Spotify und selbst Tidal wissen wir, dass dort zwischen 70 und 75 Prozent ausgezahlt werden. Warten wir mal ab – erfolglos waren Schmitz‘ Projekte nie, nur oftmals eben auch nicht gänzlich legal.

Grobkörnige Erinnerung – AP hat gemeinsam mit der British Movietone die Archive geöffnet und eine bisher einmalige Menge historischer Filmaufnahmen ins Netz geladen. Mehr als 550.000 Bewegtbilddokumente sind so für jeden über YouTube zu bestaunen. Gute Unterhaltung.

Fremd gehackt – Fremdgeh-Portale haben eine Zeit lang einen gewissen Boom erfahren. Hacker haben jetzt der Ehebetrugshilfe Ashley Madison den Zahn des einfachen Fremdgehens gezogen und nicht nur die Mitgliederdaten gehackt, sondern diese auch noch öffentlich gemacht. Und es sind nicht nur die überwiegenden Männer, die betrogen haben, sie selbst sind auch betrogen worden – von Ashley Madison: Nachdem die Journalistin Annalee Newitz ihre Aussage, es wären nur 12.000 Frauen beim Fremdgänger registriert gewesen, relativierte, kam der eigentliche Bock ans Licht: Nach neuen Veröffentlichungen der Hacker wurde deutlich, dass viele Männer mit über 70.000 Bots gechattet hatten, die sich lediglich als Frau ausgaben. Das grenzt an eine biblische Weisheit: Wer betrügt, wird betrogen werden.

Ehrenkunst – William Shatner, seines Zeichens Captain James Tiberius Kirk aus der alten und orginalen Star-Trek-Serie, rief seine Twitter-Follower auf, ein Selfie mit Spock-Handgeste LLAP (live long and prosper) zu posten. Der Grund: Zum Jahrestag des Todes seines alten Schauspielerfreundes und Kollegen Leonard Nimoy, wurde aus den Selfies ein Mosaik des Vulkanier-Mimen gebastelt. Eine tolle Geste, eine stolze Aktion und darüber hinaus ein beeindruckendes Beispiel, wie das Netz zusammen Kunst produzieren kann. #LLAP

Lernfähigkeit? – Das Multi-Channel-Netzwerk Mediakraft ist angeschlagen. Die Abgänge namenhafter Tuber haben scheinbar doch Schaden angerichtet. Und die neuen Pläne der Vermarktungsschmiede klingen nicht nach entwicklungsorientierter Einsicht: YouTuber sollen die Rechte an ihren Arbeiten verlieren und werden so zu einfachen Moderatoren degradiert. Der neue CEO Spartacus Olsson (der heißt wirklich so) orientiert sich dabei an den klassischen Musiklabels. Vielleicht hätte er mal darüber nachdenken sollen, dass das alte Label-Konzept auch schon ein auslaufendes Model ist. Warten wir mal ab.

Die Quadratur des Rechtecks – Anfangs galt es noch als Alleinstellungsmerkmal, dass Instagram-Bilder nunmal quadratisch sind. Damit hat der Bilderdienst nun aufgeräumt: Wer will, darf seine Bilder in Zukunft auch lotrecht und horizontal verlängern, also rechteckig machen. Dem Eifelturm und dem Sonnenuntergang gefällt das.

Teurer Spielverderber – Dass Adblocker der Onsite-Werbung in die Suppe spucken, ist klar und bekannt. Einer Studie von PageFair zur Folge, richten diese Blocker damit jährlich einen Schaden von über 21 Mrd. Dollar an. Tendenz steigend, zumal sich die Programme auch im mobilen Bereich steigender Beliebtheit erfreuen. Hinzu kommt, dass für iOS 9 ein eingebauter Adblocker verfügbar sein wird. Gemessen an den Anteilen unter Usern (in Deutschland 17%), muss man wohl eher von einer boomenden Randerscheinung sprechen. Und vergessen wir mal nicht, dass Unternehmen sich auch Lücken im Blocker erkaufen können. Von Adblockern profitiert der Nutzer also nur bedingt – die Programmanbieter dagegen zu 100 Prozent. Ergo: Keine Panik schieben, sondern Werbekonzepte überdenken.

Üble Trittbrettfahrer – Ein netter Clip eines 61-jährigen Skaters machte im August die Runde und sammelte reichlich Aufmerksamkeit. Dumm nur, wenn der eigentliche Absender und Produzent dabei unbekannt bleibt. Das Sidewalk Magazin postete das Video der Band The Moth and the Flame, unterschlug dabei aber die Herkunft – schnitt sogar die Anfangscredits heraus. Die Band suchte Hilfe bei Reddit und die User fluteten die Kommentarspalten des Sidewalk Magazins. Ende gut, alles gut? Leider nicht. Zwar nennt das Magazin mittlerweile die Band, verweist aber weiter auf die eigene Seite und verlinkt eine andere Band. Ganz schlechter Stil.

Leichtsinn – Wieder einmal ist jemand beim Versuch ein verrücktes Selfie-Video aufzunehmen, ums Leben gekommen. Während der rund 40 Km/h schnellen Abfahrt auf einer Sommerrodelbahn, soll die 15-Jährige den Gurt gelöst haben, um sich mit dem Smartphone selbst aufnehmen zu können. Dabei fiel sie aus der Bahn und erlitt tödliche Verletzungen. Kurz zuvor verunglückte eine 21-Jährige in Walchsee (Kufstein). Auch in Gutach (Ortenaukreis) wurde eine 34-jährige Frau aus einer Sommerrodelbahn geschleudert. Und diese drei Unfälle sind leider keine Einzelfälle. Scheint so, als wären diese Bahnen ein Ritt auf der Rasierklinge. Dann noch ein Selfie machen? Selbstmord.

Flagge zeigen – Hass und unreflektierte Kritik an Flüchtlingen ist kein neues Phänomen – aber ein stetig drastischer werdendes. Die prominenten Stimmen, die zum Aufstand der Anständigen aufrufen, mehren sich deutlich: Anja Reschke, Till Schweiger oder zuletzt Joko & Klaas. Die zynischen Kritiker, die von Naivität im Angesicht einer neuen Völkerwanderung schwadronieren, wird man nicht überzeugen können, da sie bereits auf scheuklappenartiges „dagegen“ konditioniert sind. Aber die prominenten Wortmeldungen können der schweigenden Mehrheit, sei es auch nur über Like- und Share-Button, eine gewisse Sichtbarkeit geben. Den organisierten Rechtsextremen kann man so zwar nicht bei kommen, aber sie bekommen so mehr und mehr das Profil, das ihnen zusteht: Eine verbrecherische und extremistische Minderheit.

Fehlerteufel – Im Zusammenhang mit der Flüchtlingsdebatte, gerät auch Facebook mit seiner Meldefunktion zunehmend ins Visier. Nicht nur rassistische, antisemitische oder extremistische Postings sind problematisch, auch pure Gewaltorgien, demütigende Bild- und Video-Inhalte oder terroristische Propaganda bleiben vom Facebook-Korrektiv verschont. In einem speziellen Fall, antwortete sogar die Managerin Corporate Communications Northern Europe Tina Kulow – wenn auch nur halbherzig. Aber das Thema ist noch nicht durch: Bundesjustizminister Heiko Maas trifft sich in Kürze mit zuständigen Entscheidern von Facebook. Ob das Thema auch dann noch ernst genommen wird, wenn die ersten Stürme vorbei sind?

Besoffen auf Facebook – Es gibt einen neuen Viral-Hit von Neos Sparten-Kasper Jan Böhmermann. Die süffisante Replik auf Till Schweigers extremen Antworten gegen alle Trolle, gilt eigentlich für alle Remidemi-Kommentare gleich welcher Herkunft: Ungehemmt Emotionen raushauen, kann nur in einem Zustand so ungehindert geschehen – im Vollrausch. Prost!

Gewissenlos – Wer Clickbaiting bisher für stillos hielt – es geht noch stilloser: Roger Willemsen gibt seine Krebserkrankung bekannt und TV Movie teasert ein Bild mit vier TV-Persönlichkeiten, überschrieben mit der Zeile: „Einer dieser TV-Moderatoren muss sich wegen KREBSERKRANKUNG zurückziehen.“ Ja, wirklich – alles in Kapitälchen. Die Redaktion ruderte natürlich zurück und entschuldigte sich. Aber ein Blick auf diese merkwürdigen Templates und Clickbaits der FB-Präsenz von TV-Movie zeigt, das war kein Versehen, sondern deren Strategie.

Überholmanöver – Da sprachen wir in den letzten Monaten noch über Instant Articles und bevor das Projekt anläuft, mobst sich Facebook schon die Krone: Amerikanische Medienseiten verzeichnen zum ersten Mal mehr Traffic aus Facebook heraus, als von Suchmaschinen wie Google und Yahoo. Ende 2014 hatte es bereits eine kurze Überschneidung gegeben, diesmal ist der Cut aber klar und zumindest im Moment geht das Zepter an Facebook. Aber man muss auch zugeben, dass dieser Kampf eher einsam ist – außer Google und Facebook gibt es kaum relevante Konkurrenten in der Schlacht um den Zulauf von Auswärts.

Copyright Trolle – Entura International ist ein Unternehmen, welches sich um Piraterie und Urheberrechte kümmert. Im Auftrag der Macher von Pixels, dem Adam Sandler Film mit den klassischen Videospielen, versuchte die Firma nun, alle Videos, die das Wort Pixels im Titel tragen, vom Netz zu nehmen. Vimeo scheint das einzige Portal zu sein, welches sich dagegen stemmte und um Aufklärung bemüht war. Ironischerweise wurde der Trailer des Films selbst dabei auch vom Netz genommen. Vimeo scheint einiges erreicht zu haben – die grundlos beschuldigten Filme (meist Kunst-Projekte) sind zum Großteil wieder online. Und um den Schwachsinn noch an einem Beispiel evident zu machen: Was hat folgender Clip mit dem Sandler Film zu tun?

Lautes Schweigen – Im August hat es ein Titel an die Spitze der österreichischen iTunes-Charts geschaft, welcher nichts, außer 60 Sekunden Stille zu bieten hat. Mit „Schweigeminute für Traiskirchen“ will der Künstler Raoul Haspel auf die desaströse Situation im Flüchtlingslager des österreichischen Traiskirchen aufmerksam machen. Der Erlös geht komplett an Happy.thankyou.moreplease!, einer Initiative, welche den Menschen in der Sammelunterkunft helfen möchte. Gute Aktion!

MiB 4 Safety – Juhuuu, es gibt ein neues Safety-Video von Air New Zealand – und es hat diesmal nichts mit dem Herrn der Ringe zu tun. Protagonisten des neuen Sicherheitsvideos sind ein paar Spieler der legendären Rugby Nationalmannschaft der Kiwis – den All Blacks. Bei dem Remake des Will Smith Hits zum gleichnamigen Film, helfen auch weitere internationale Rugby-Stars, wie gleichfalls einige Darsteller und Aliens der MiB-Serie aus. Ehrlich gesagt, nicht so ein Knaller wie die vorangegangenen Clips – aber schon ziemlich cool.

 

Artikelbild: Michael Coghlan (flickr / Nutzungsbedingungen)

 

 

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