Sommerzeit ist Festivalzeit. Leider gehören zur Open-Air-Saison auch viele dubiose Kartenverkäufer auf Facebook. Die Warnungen sind jedes Jahr nötig, denn es fallen immer wieder Leute auf die vermeintlichen Schnäppchen herein. Wir haben aufgeschrieben, worauf man unbedingt achten sollte.

Alle Jahre wieder …

Nachdem viele Festivals pandemiebedingt in den letzten zwei Jahren ausgesetzt haben, laufen 2022 endlich wieder zahlreiche Events an. Und es ist wie schon vor Corona: Karten sind chronisch Mangelware und/oder meistens auch nicht günstig.

Vorhang auf für die Hyänen, die sich diese Knappheit zunutze machen. Dabei ist verlorenes Geld nicht einmal der Worst Case. Fällt man auf den Nepp herein, ist die Gefahr des Identitätsdiebstahls nicht weit.

Wie läuft der Scam ab?

Die Betrugsmasche ist im Grunde sehr simpel und läuft immer ähnlich ab. Ort des Geschehens sind für gewöhnlich die Kommentare unter Postings von Konzertveranstaltern, Linkposts, die etwas mit einem Event zu tun haben, oder auch Gruppen, in denen es um ein Konzert oder allgemein um Veranstaltungen geht. Manchmal, gerade in Gruppen, bieten die vermeintlichen Verkäufer ihre Tickets auch in eigenen Beiträgen an.

Galerie: Das sollte skeptisch machen. Zweimal die gleiche Verkäuferin, das Profil gibt keine Informationen her und es werden jeweils Karten für Events verkauft, die Hunderte von Kilometern auseinanderliegen. 

Die Ticket-Angebote lauten oftmals gleich: Ich habe noch Karten. Ich habe Karten abzugeben. Wer braucht noch Karten? Preise werden bei den Angeboten in der Regel nicht genannt. Manchmal gibts noch etwas Storytelling und der vermeintliche Verkäufer garniert das Angebot mit einer Geschichte auf emotionaler Ebene (mein Mann ist schwer krank, aufgrund eines Trauerfalls, usw.).

Alarmglocken an allen Ecken

Geht man erst einmal auf das Angebot ein und antwortet, poppen die alarmierenden Warnsignale reihenweise auf. Ein paar Beispiele, die eigentlich jeden sofort abschrecken sollten:

  • Während das Angebot noch in einwandfreiem Deutsch verfasst war, werden die Antworten nun in einem grammatikalisch-exotischen Dialekt, also gebrochenem Deutsch, geschrieben.
  • Die Antworten kommen gar nicht auf Deutsch, sondern nur noch auf Englisch. Und selbst das ist selten grammatikalisch korrekt.
  • Ohne weitere Kontaktinfos oder Verifizierungen zum Verkäufer soll erst einmal Geld überwiesen werden.
  • Das Zielkonto gehört einer völlig anderen Person, stimmt also nicht mit dem Verkäufer überein.
  • Der vermeintliche Verkäufer verlangt Kopien von Ausweisdokumenten.
  • Die Ticketpreise weichen nicht nachvollziehbar von offiziellen Preisen ab. Beispielbegründung: Offizielle Tickets seien kaum noch zu bekommen.

Überweist man dann das Geld, war dies meistens auch der letzte Kontakt. Oftmals werden die Opfer bereits kurz nach der Transaktion vom vermeintlichen Verkäufer blockiert. Oder man hört schlicht nichts mehr vom Gegenüber – egal wie oft nachgefragt wird. Das Geld ist futsch und wenn man Pech hat, lauert eine noch viel größere Gefahr (s. u.).

Sieht aus wie echt, ist es aber nicht. Vermeintlich echte Belege schinden vor allem Zeit. Quelle: herzmukke.de

Kreative Fälscher

Viele Opfer merken erst zu spät, dass sie überhaupt Opfer geworden sind. Das liegt daran, dass sie nach der Zahlung echt erscheinende Kaufbelege erhalten. Sie ahnen es: Diese Belege sind natürlich komplette Fälschungen. Und das hat System: Werden die Opfer skeptisch, dienen die gefälschten Belege bei Nachfragen der Hinhaltetaktik. Bringt man den Betrug erst nach längerer Zeit zur Anzeige, ist es unter Umständen schon zu spät, noch irgendetwas zu unternehmen.

Polizeiliche Anzeige zum Selbstschutz

Sind Sie auf einen Betrüger hereingefallen, gibt es eine gute, eine schlechte und eine wichtige Nachricht. Gute Nachricht: Ist die Bezahlung via PayPal erfolgt, besteht eine reale Chance, dass Sie sich das Geld durch den Käuferschutz wiederholen können. Schlechte Nachricht: Haben Sie das Geld via Überweisung versendet, ist es meistens futsch.

Sind Sie der Aufforderung nach Kopien von Ausweisdokumenten nachgekommen, sollten Sie den Betrug schnellstmöglich bei der Polizei zur Anzeige bringen. Nein, die Täter werden in aller Regel auch auf diesem Wege nicht mehr dingfest gemacht. Aber Sie vermeiden so, selber unfreiwillig zum Täter gemacht zu werden.

Die Informationen aus den Ausweisdokumenten werden häufig zur Erstellung neuer Fake-Accounts missbraucht. Wurden andere Nutzer dann von falschen Profilen mit Ihrem Namen betrogen, müssen Sie nicht erst noch aufwendig nachweisen, dass Sie selber zuvor das Opfer eines Betrugs geworden sind.

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Und was sagt Facebook?

Wer kennt es nicht? Facebooks Prüfungen dubioser Profile ist meist wenig zufriedenstellend.

Auch wenn Plattformbetreiber wie Facebook gerne dem Missbrauch des eigenen Inventars den Kampf ansagen, ist das in der Praxis selten auch wirklich umsetzbar. Das liegt daran, dass gemeldete User anhand einer recht starren Merkmalsliste geprüft werden. Tickets privat anzubieten, ist hingegen nicht illegal. Und in der Kommunikation mit den Scheinhändlern passiert für gewöhnlich nichts, wonach Facebook von sich aus aktiv werden müsste.

Erst wenn ein Betrug zur Anzeige gebracht wird und polizeiliche Ermittlungen Interesse an einem Profil anmelden, wird Facebook aktiv. Alleine schon, um sich selbst zu schützen.

Wer es trotzdem probieren will

Das Phänomen beschränkt sich nicht nur auf Konzertkarten, auch Sportevents oder sogar Urlaubsreisen werden zu Aktionsfeldern für Betrüger. Der gesamte Ticket-Zweitmarkt ist heute genauso dubios, wie schon vor Jahren. Und es wurde durch Ticketbörsen wie viagogo nicht besser – ganz im Gegenteil.

Wer es trotzdem nicht lassen kann und sich vermeintliche Schnäppchen aus inoffiziellen Quellen sichern will, sollte wenigstens ein paar Dinge beherzigen:

  • Das Profil des Anbieters durchleuchten. Alle Informationen auf der Profilseite prüfen, so weit es geht. Den Namen und etwaige Ortsangaben googlen und die Person bei Facebook suchen, um mögliche weitere dubiose Angebote zu finden. Versuchen Sie irgendwie zu verifizieren, dass die Identität des Verkäufers real und überprüfbar ist.
  • Zahlungen nur über Dienste, die beispielsweise einen Käuferschutz anbieten. Auf keinen Fall Überweisungen und erst recht nicht an ausländische Konten oder Konten von Inhabern, die im Kaufprozess gar nicht aufgetaucht sind.
  • Tickets abholen, sich treffen oder einen anderen persönlichen Austausch zu arrangieren, ist die Ideallösung. Es sei denn, das Treffen findet um 2 Uhr nachts im nicht kartografierten Wald statt.
  • Kopien Ihrer Ausweisdokumente sind ein absolutes No-Go. Zeigen Sie keine persönlichen Dokumente wie Personalausweis, Führerschein oder Ähnliches vor. Gehen Sie auch nicht auf Aufforderungen ein, Bilder von sich zu schicken.

Disclaimer: Wir behaupten in diesem Beitrag nicht, dass alle privaten Verkäufe auf Social Media oder in Ticketbörsen Betrugsfälle sind. Wir weisen schlichtweg auf bestimmte Betrugsmaschen hin, vor die auch Verbraucherzentralen und andere Konsumentenschützer warnen. 

Artikelbild: Yvette de Wit / unsplash

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