Der August war ein technischer und lehrreicher Monat: Wir lernen unter anderem, wieso sich KIs die Welt nicht von Menschen aus dem Internet erklären lassen sollten. Oder auch, dass es auf afrikanischen Bergen ein besseres Internet gibt, als in den meisten deutschen Städten. Und dank Donald Trump lernen wir die goldene Regel, die ein Social-Business erfolgreich macht. Und das waren erst drei Meldungen aus dem August. Also noch mal Kaffee holen und dann die Beine hoch: Bitte sehr, der Monatsrückblick August.

#TruthSocial – Keine Werbung, keine Asche

Donald Trumps Twitter-Klon „Truth Social“ macht gerade das, was Trumps Unternehmungen schon seit Jahrzehnten machen: Sie zahlen ihre Rechnungen nicht. Der auf rechtspopulisitische Klientel spezialisierte Hosting-Service „Right Forge“ beziffert aktuell die Summe, mit der Donnies Wahrheitsnetzwerk in der Kreide steht, auf 1,6 Millionen Dollar. Seit März seien die Rechnungen nicht mehr bezahlt worden. Das Netzwerk bestreitet die Schulden gar nicht, gibt aber auch kleinlaut zu: Wir generieren so gut wie keine Einkünfte. Mag daran liegen, dass sich die Werbefläche nicht verkauft. Könnte auch daran liegen, dass Google die Krawall-App nicht im Play-Store zulässt. Tja, das ist eigentlich das 1×1 des Social-Business: keine Werbung, keine Asche.

#SocialApps – Konzeptionelle Neugier

Apps wie Instagram, Facebook oder TikTok fügen JavaScript-Codes auf Seiten von Drittanbietern ein. Nutzer werden so gezwungen, Websites nur über die In-App-Browser der jeweiligen Anwendungen zu verwenden. Daraus resultieren Datenschutzverletzungen, bis hin zum Auslesen von Passwörtern. Das hat der österreichische Programmierer Felix Krause untersucht.

Nach den Meta-Apps hat sich der Software-Entwickler gesondert mit Tiktok beschäftigt und eine Art Keylogger gefunden. Also, die App liest alles Tastatureingaben mit – sehr sympathisch. Die Untersuchungen beziehen sich auf iOS-Systeme, gelten aber weitestgehend auch für Android.

Wir empfehlen einen Besuch seines Blogs. Dort gibt es auch eine Anleitung, wie man die In-App-Browser auf dem eigenen Smartphone prüfen kann.

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#Wordle – Langsame Entwicklung

Das Spiel Wordle war Anfang des Jahres ein zufälliger Überraschungserfolg. Die New York Times hat das Wortspiel für einen verhältnismäßig niedrigen Betrag von Programmierer Josh Wardle gekauft. Und jetzt gibt es das Spiel auch endlich in der App-Version. Das kann man nur als schleppende Entwicklung bezeichnen. Auch wenn Wordle immer noch viele Fans hat, wäre der Boom mit einer frühzeitigen App vielleicht größer ausgefallen.

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#Desinformation – Angriff der Lügenrussen

Es ist die massivste Desinformationskampagne, die der Kreml je losgetreten hat: Hunderte Fake-Accounts auf diversen Social-Plattformen teilen Falschmeldungen von täuschend echt nachgemachten Nachrichtenportalen. Zu den gefakten Nachrichten-Outlets gehören nicht nur deutsche Seiten wie Spiegel, Welt oder Bild. Auch die Daily Mail, die italienische Agentur ANSA oder die französische 20-Minutes gehören zu den Opfern. Bereits einige Tage vorher sind gezielte Desinformationsangriffe in arabischen Ländern verzeichnet worden.

Ziel der kriegerischen Cyber-Attacken ist die Destabilisierung westlicher Gesellschaften – das ist nicht neu, das ist seit Jahren die Kreml-Strategie. Und wo findet man einen fruchtbareren Nährboden, als in den sozialen Netzen. Die Portale selbst sind mit etwas Übung als Fälschung durchaus erkennbar. Leider werden vor allem Videos in Social-Kanälen geteilt, wo sie schwer wieder einzufangen sind. Also seid gewarnt und nicht vergessen: Wer glauben will, muss prüfen.

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#Rickrolling – Never gonna give you roooaaar

Kurze Entspannungspause: Der alte Rick Astley-Hit in einer etwas paläontologischeren Version. Das konnten wir einfach nicht für uns behalten.

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#Snapchat – Es sieht nicht gut aus

Kurze Tech-Biz Meldung: Es sieht nicht gut für die einst hippe App aus. Seit Anfang des Jahres ist der Börsenkurs um 80 Prozent abgestürzt und nun kündigt Snapchat an, sich von 20 Prozent des Personals zu trennen. Laut The Verge ist der CBO von Snapchat bereits von Netflix abgeworben worden. Oh je.

#Meta – Wenn der Chatbot rebelliert

Der Zuckerberg-Konzern hat uns mit dem Release des KI-Chatbot „BlenderBot 3“ mal wieder daran erinnert, dass nicht alle KIs automatisch auch zu intelligenzfähigen Wesen reifen können. Nach dem Start am 5. August hat es kein Wochenende gedauert und der Bot drehte komplett durch: Trump habe die Wahlen gewonnen, die Juden kontrollieren die Weltwirtschaft und Apple mache gar keine Smartphones und Laptops.

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Was Meta vielleicht auch nicht gefällt, ist seine Vorliebe für Elon Musk, während der Bot Mark Zuckerberg nicht wirklich leiden kann. Vielleicht sollte man bei KIs grundsätzlich überdenken, dass es nicht die klügste Idee ist, sich von Menschen im Internet die Welt erklären zu lassen. Leider können wir in Europa den Chatbot nicht testen. Blenderbot.ai ist nur in den USA verfügbar.

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#Rewe – Brot, Eier, Bitcoins

In einer Offenbacher Filiale der Supermarkt-Kette Rewe gibt es neben Lebensmitteln nun auch Bitcoins. An dem Automaten des österreichischen Startups Kurant gibt es für Euros übrigens auch Ether und andere Blockchain-Währungen. So innovativ ist das nicht, denn Saturn und Mediamarkt haben bereits im Juni mit Automaten in verschiedenen deutschen Filialen angefangen.

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#FNMEKA – Was ist ein Künstler?

In Asien sind rein digitale Popstars schon lange bekannt. Sogenannte VOCALOIDS, nach der Software von Yamaha benannt, sind synthetisch erzeugte Singstimmen, die meist mit animierten Anime-Charakteren einher gehen. Der erfolgreichste Charakter Hatsune Miku hat es beispielsweise zum Werbeträger geschafft, welcher auch als Hologramm in ausverkauften Stadien singt und sogar schon mal geheiratet wurde – von einem Menschen.

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Etwas Ähnliches wird aktuell mit dem AI-Charakter „FN Meka“ probiert: Ein Rapper aus der 3D-Retorte, mit einer riesigen Followerschaft auf TikTok & Co. und allem, was sonst einen Rapper ausmacht – mit dem Unterschied, dass nichts davon echt ist. Das Team hinter FN Meka besteht vornehmlich aus Produzenten, Gamern und Marketing-Managern. Die sind allem voran weiß – selbst die Person, welche die Stimme leiht – und haben hier einen schwarzen Rapper mit allen denkbaren Stereotypen geklont – inklusive N-Wort. Und da fängt es an.

Capitol Records, die den „Künstler“ erst im August gesignt haben, sind von dem Deal bereits wieder zurückgetreten. Die Kritik, welche vor allem von Fans wie Künstlern der HipHop-Szene kommt, ist aber nicht einfach auf die rassistischen Stereotype bezogen. Es ist ein Kampf der Weltsichten. Stark simplifiziert: Die Macher von FN Meka sagen, Künstler sind eh nur Marketing-Vehikel. Die Künstler und ihre Fans widersprechen.

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Aber die Geschichte endet hier nicht – sie ist nur eine Episode. Worum es wirklich geht, ist der Versuch zwei leicht skalierbare Branchen miteinander zu verschmelzen: Musik und Games. KIs sollen Musik produzieren und Künstler kreieren. Und Rapper, DJs oder Popstars geben „Konzerte“ im Metaverse oder in Spielen. Die Auftritte von Rapper Travis Scott oder Ariana Grande in Fortnite werden als epischer Erfolg gefeiert. Der Output hat nicht viel mit einem echten Konzert zu tun. Die Musik ist so, wie man sie sich von einer KI vorstellen kann: durchschnittlich und gewöhnlich.

FN Meka hat jetzt für Wirbel gesorgt, weil es einfach dumm konzipiert war: Einen schwarzen Rapper von einer weißen Mannschaft nur aus Stereotypen zusammenbasteln. Aber die HipHop-Community hat das größere Bild erkannt und kritisiert den KI-Boom, weil er echten Künstler faktisch Lebensraum nimmt. Ob diese Kritik überhaupt noch als relevant wahrgenommen wird, steht auf einem anderen Blatt, zumal die Adressaten dieser KI-„Kunst“ keine geschlossenen Communitys mehr sind.

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#Gesichtserkennung – Visuelle Überwachung

England ist nicht nur das Geburtsland von Dystopisten wie George Orwell. Es ist auch jenes Land, welches immer wieder mit Merkmalen eines Überwachungsstaates liebäugelt und leider auch umsetzt. Ein für den Herbst vorgesehenes Projekt sieht vor, strafrechtlich verurteilte Migranten via Smartwatch rund um die Uhr zu tracken. Dabei müssen diese sich dann fünfmal am Tag (!) über die Gesichtserkennung der Uhr scannen lassen.

Wieso inländische Straftäter das nicht müssen, wird nicht erläutert. Schlägt das Scannen fehl, müssen sich die Überwachten persönlich auf einer Polizeidienststelle melden. Bevor Rechtspopulisten nun den Aktionismus der englischen Regierung bejubeln: Die Pläne werden von heimischen Kriminologen und Juristen als entmenschlichend kritisiert. Und die englische Polizei ist auch nicht begeistert.

#Sanas – Die KI für den weißen Kunden

Hautfarbe und Ethnie auf Knopfdruck ändern? Mit Sanas.ai klappts – zumindest für die Stimme. Das Produkt des Voice-Startups verwandelt die Stimme des indischen Call-Center-Mitarbeiters per Knopfdruck in den roboterhaften Singsang eines Jungen aus Texas. Und das in Echtzeit des Telefongesprächs. Wie das klingt, dokumentiert der Clip (s. u.).

Natürlich ist alleine schon die Idee tendenziell rassistisch. Aber mal ehrlich: Wer veräppelt hier wen? Die Stimme verändern, weil man dem weißen Jungen vielleicht mehr traut. Oder weil man demonstrieren will, dass man Services nicht in fremde Länder outsourcet. Und was macht die Software? Die wahrt in erster Linie den „schönen“ Schein. Brave New World.

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#WIFI – Touristengerechte Netzabdeckung

Früher war die Besteigung von Bergen wie dem Kilimanjaro oder dem Mount Everest noch ein Abenteuer. Heute herrscht auf den Gipfeln Massentourismus. Und damit auch jeder direkt von der Bergspitze ein Selfie versenden kann, gibt’s dort ein besseres WLAN als in den meisten deutschen Städten. Aktuell verkündet Tanzania die Errichtung eines Breitbandanschlusses auf dem Gipfel des Kilimanjaro. Bereits 2020 hat der Mount Everest WiFi bekommen. Na, dann muss sich Castrop-Rauxel aber mal ranhalten.

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#Marvin – Wie weit darf der Prank gehen?

Und zum Abschluss: Vor zwei Monaten hatten wir den neuen Stunt von Marvin Wildhage gezeigt. Zur Erinnerung: Wildhage ist der YouTuber, der schon öfter Influcencer hinters Licht geführt hat, um ihre sorglose Käuflichkeit zu dokumentieren. Sein letztes großes Projekt war ein Fake-Film namens „A_Hole“, was bekanntlich für „Arschloch“ stand.

Diesmal gab es aber wohl ein paar Influencer, welche den Rechtsbeistand eingeschaltet haben. Und das ist eigentlich recht interessant, denn wir gehen damit einer zu selten gestellten Frage auf den Grund: Wie weit darf ein Prank gehen? Bevor jetzt einige mit „Spaß verstehen“ oder investigativem Testen argumentieren: Wenn ein Influencer etwas bewerben soll, wird eine vertragliche Vereinbarung geschlossen. Und da könnte man dem Guten nun arglistige Täuschung vorwerfen, denn seine eigentliche Intention entsprach nicht dem Gegenstand des Vertrages.

Wir können nur hoffen, dass es zu vielen Klagen kommt. Nicht, weil wir dem jungen Mann etwas Böses an den Hals wünschen, sondern um letztlich mehr Rechtssicherheit zu bekommen und das Spiel mit den Pranks nicht zu weit zu drehen. Andere Juristen schätzen das Thema Youtube-Pranks nicht so harmlos ein, wie der allgegenwärtige Herr Solmecke. Nicht selten haben Pranks auch strafrechtliche Konsequenzen oder führen sogar zu Todesopfern. Mit seinem letzten Prank, einem falschen Doktortitel im Personalausweis, landete Marvin Wildhage vor Gericht und wurde verurteilt. Vielleicht plant er seine zukünftigen Projekte mit einem Anwalt.

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Artikelbild: Maro Zuppone / unsplash

 

Monatsrückblick

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