Warum nervt Netflix seine Kunden? Wie klaut man rechten Schlägern ihre Hashtags? Wie konnte ein einzelner Mann fadenscheinige EU-Abkommen kippen? Und wieso tanzt alle Welt zu dem gleichen Song? Die Antworten darauf und viele weitere spannende Meldungen zu Cybersicherheit, Recht und Business gibt es jetzt und hier im Monatsrückblick. Also wie immer, noch einmal Kaffee holen und dann: gute Unterhaltung – der Oktober.

#Messenger – Guck mal wer da mitliest

Seit gut einem Jahr wird für eine Gesetzes-Novellierung verhandelt, wie weit Geheimdienste auf unsere privaten Daten zugreifen dürfen. Nun hat die Regierung beschlossen, dass Verfassungsschutz, BND und MAD nicht nur laufende Gespräche belauschen, sondern auch per Messenger verschickte Textnachrichten mitlesen dürfen. Zunächst ist das nur ein Kabinettsbeschluss, noch nicht die Billigung durch den Bundestag. Da dieses Thema in Koalition und Opposition aber für zähe Dispute sorgte und verschiedentlich bereits Gerichte bemüht wurden, könnte sich die Billigung jedoch noch hinauszögern. Nichtsdestotrotz ist der Status quo der Überwachungspraxis schon fragwürdig genug.

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#DsiN – Attacke auf den Mittelstand

Der Verein „Deutschland sicher im Netz“ (DsiN) schlägt Alarm: Laut einem aktuellen Bericht hat der deutsche Mittelstand schweren Nachholbedarf in Sachen Cybersicherheit. 12 Prozent der Unternehmen bangen aufgrund der digitalen Bedrohung sogar um ihre Existenz. Zu den eklatanten Mängeln gehört das massiv fehlende Wissen – der Schulungsbedarf ist hoch. Viele Mitarbeiter befolgen fahrlässigerweise einfach nicht die Hinweise, die fundamental zur Sicherheit beitragen. Also, unsere Türen sind offen – nicht für Hacker, aber für Schulungen. 😉

#Spielemesse – Ins Netz gegangen

Und wir haben einen weiteren Namen auf der Liste der Messen, die pandemiebedingt ins Netz gegangen sind: Die überaus beliebte Spielemesse in Essen fand im Oktober als SPIEL.digital 2020 nur virtuell statt. Die Messe war zwar vorher schon recht international, hat aber durch die Digitalisierung nochmal an Welt-Flair gewonnen. Und wenn man sich auf dem YouTube-Kanal umschaut, scheint die digitale Variante ein Erfolg gewesen zu sein. Max Metzler vom Veranstalter Friedhelm Merz Verlag erklärte im Vorfeld das Konzept.

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#AudioBranding – Dun Dun doof?

Wie wir mittlerweile alle wissen, konnten sich Streaming-Dienste während der Pandemie gestiegener Beliebtheit erfreuen. Eine Studie von Man Made Music und Sentient Decision Science hat jedoch herausgefunden, dass die Konsumenten von Netflix berühmtem „Dun Dun“-Sound langsam genug haben. Das liegt sicher an der Überpräsentation dieses Sound-Logos. Das liegt aber auch daran, dass dieser Sound noch kein Update erfahren hat. Die Studie hat jedoch auch herausgefunden, dass sich während der Corona-Pandemie Sounddesign und Wahrnehmung verändert haben. TEASER: Ein spannendes Thema, zu dem wir nächste Woche einen Blog veröffentlichen werden.

#Passwörter – Ratschläge aus der Mottenkiste

Die Polizei dein Freund und Helfer – besonders Letzteres. In diesem Fall will uns das Landeskriminalamt NRW bei der Erstellung sicherer Passwörter helfen. Die Aktion „Mach dein Passwort stark“ kann mit tollen Tipps aufwarten. Super Tipps sogar, die vor 10 bis 20 Jahren zweifelsfrei echt heiße Ratschläge waren. Andererseits sind 11111 und 123456 immer noch sehr beliebt. Man kann also eher sagen, dass die Polizei da ein Best-of der Passwort-Evergreens rausgebracht hat. Die alten Hits sind halt immer noch die Besten.

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#FarmVille – Ende Gelände

Seit 2009 spielen Facebooker auf dem virtuellen Bauernhof. Der Klassiker von Zynga hat als Urgestein mit bis zu 80 Millionen Spielern die goldene Zeiten des Social-Gamings erlebt. Und jetzt ist Schluss: Da Ende des Jahres auch Flash das Zeitliche segnet, hatte Facebook bereits im Sommer verkündet, flash-basierte Browser-Games nicht mehr zu unterstützen. Aber bevor nun Tränen fließen: der nur fünf Jahre jüngere Bruder FarmVille2 wird weiter unterstützt. Also, alles halb so wild.

#EuGH – Privacy? What privacy?

Das informelle Privacy-Shield-Abkommen sollte seit 2016 den Schutz der personenbezogenen Daten im Austausch zwischen Europa und den USA gewährleisten. Sonderlich wasserdicht oder glaubwürdig war dieses Abkommen nie. Der EuGH hat Privacy Shield nun aber schlussendlich für ungültig erklärt. Die Entscheidung läuft im Netz unter Schrems II, was auf den Datenschutzaktivisten Max Schrems zurückgeht. Der österreichische Jurist und Autor hatte mit einer Klage bereits den Save-Harbor-Beschluss gekippt – und nun auch Privacy-Shield. Heißt das beispielsweise, Facebook handelt ab jetzt rechtswidrig? Das ist etwas komplizierter und hängt mit den Standardvertragsklauseln zusammen. Der gute Herr Schrems hatte aber die Freundlichkeit, uns das nochmal zu erklären.

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#Nachwuchs – Was Kinder teilen

Die Waldschule im niedersächsischen Hatten ist ein trauriges, aber wichtiges Exempel: Nachdem eine Lehrerin immer wieder erschrocken feststellen musste, was Schüler zwischen 10 und 16 Jahren da via Smartphone teilen, schritt sie ein. Auf einer Elternversammlung zeigte sie dann den Erziehungsberechtigten, was ihre Kinder sich so anschauen und oftmals auch unfreiwillig sehen: Pornografie in jeder Form, schwerste Tierquälerei, Suizide, Antisemitismus und Rassismus – im Grunde das gesamte Portfolio schwerster Verstöße. Für die Eltern war diese Erkenntnis über das digitale Leben ihrer Kinder eine traumatische Erfahrung.

Diese Schule ist kein Einzelfall. Das Verhalten ist bundesweit zu beobachten. An so gut wie jeder Schule. Panorama hat im Oktober dieses Problem beleuchtet. Der Bericht macht weniger fassungslos, als dass er mehr Dinge bestätigt, die wir alle schon wussten, ahnten, befürchtet haben. Wir legen trotzdem allen diesen ernüchternden Bericht wärmstens an Herz.

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#Facebook – Aktionismus-Wochen bei McZuckerberg

Bei Facebook waren im Oktober die großen Aktionismus-Wochen. Erst hat man sich endgültig dazu durchgerungen, alle QAnon-Gruppen und ihre Inhalte außerhalb der Gruppen von der Plattform zu verbannen. Dann verbot das Netzwerk das Bewerben von Impfgegner-Content. Und zu guter Letzt gab es ein Update der Hatespeech-Policy mit dem Ergebnis: Holocaust leugnen ist jetzt verboten. Also wenn bei Facebook erst alles so weit eskalieren muss, bis Homeland-Security und unser Verfassungsschutz auf der Bildfläche auftauchen, wird es schwer, den Vorwurf „Hate sells“ zu leugnen.

#ProudBoys – Liebe 1, Hass 0

Die LGBTQ-Community hat uns im Oktober ein Lehrstück geliefert, wie man mit der vermeintlichen Dominanz Rechtsextremer in den Social Media umgehen kann. Man kann zum Beispiel mal ganz einfach wichtige Hashtags kapern und anders besetzen. So geschehen mit #ProudBoys, also eigentlich dem Namen eines rechtsextremen Chauvinisten-Schläger-Clubs. Das Trump-ferne Netz hat den Namen gekapert und mit eher homophilen Abbildungen und Geschichten tapferer, homosexueller Männer bespielt. Ob es was bringt? Wer weiß das schon. Immerhin sind die gewalttätigen Proud Boys auch ein ziemlich ignoranter Haufen. Aber man darf sich auch nicht verstecken. Und damit: Tolles Lehrstück!

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#Google – Dunkle Wolken über dem Silicon Valley

Schützt Google seine Marktmacht durch unlautere Mittel? Verhindert der Suchmaschinen-Konzern mit illegalen Methoden, dass Konkurrenz überhaupt auf den Markt kommt? Die meisten Leute würden diese Fragen, auch ohne konkrete Informationen, instinktiv bejahen. Dieser Meinung sind auch das US-Justizministerium und 11 Bundesstaaten, die nun Klage gegen Google erhoben haben. Wer jetzt Wahlkampf-Populismus für Trump wittert, irrt sich. In diesem Fall sind sich Republikaner und Demokraten ausnahmsweise weitestgehend einig.

Einigkeit besteht bei Beobachtern auch darüber, dass vom Verlauf der Klage abhängt, wie es mit der Monopolstellung vieler Tech-Giganten weitergeht. In other words: Google könnte nur der Anfang sein. Facebook könnte der Nächste sein. Und so weiter. Wir sind gespannt. Sehr gespannt.

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#Netiquette – Tod dem Todeswunsch

Fangen wir erstmal mit einer Grundsätzlichkeit an: Auch wenn jemand ein noch so unausstehliches Herzchen ist, wir wünschen ihm nicht den Tod. Warum sagen wird das? Der Präsident der USA war, zumindest offiziell, mit dem Corona-Virus infiziert. Dass dies in vielen Köpfen unterschiedlichste Phantasien hervorrufen kann, können wir sehr gut nachvollziehen. Aber es ist Ausdruck der oft leidgeprüften Netiquette, dies nicht in die Sozialen Netzwerke zu tragen. In seltener Einheit haben das der Facebook-Konzern, Twitter und ebenfalls TikTok so umgesetzt und Nutzer mit Todeswünschen der Plattform verwiesen. Wenn das Universum uns wohlgesonnen ist, hat der Spuk dann bald eh ein Ende.

#Lagebericht – Und? Wie läuft’s?

Das „How it started vs. How it’s going“-Meme ist das Repräsentativste, was dem Netz 2020 passieren konnte. Alles fing mit einem Tweet einer @vjllanelles an, in dem sie zeigte, wie ihre aktuelle Beziehung anfing und dann weiterging. Eigentlich nicht so spannend, aber Inspiration genug, um andere Tweeter auf lustige Gedanken zu bringen. Nein, nicht jeder Beitrag ist ein geistreicher Brüller. Aber wir haben ein paar Highlights herausgepickt.

#Jerusalema – Die Welt tanzt

Der Song heißt Jerusalema und ist eigentlich schon fast ein Jahr alt. Aber alles musste anscheinend noch bis zum Sommer 2020 gären, bis der Track des südafrikanische DJ Master KG und der Sängerin Nomcebo Zikode eine weltweite Dance-Challenge auslöste. Schwedische Krankenschwestern, Nonnen und Pater in Italien, ein Hospital in Aachen oder Mash-ups mit Luis de Funes: Die ganze Welt nimmt an der Dance-Challenge teil.

Und wieso? Nun, die Single ist, warum auch immer, erst Mitte 2020 auf den Streaming-Diensten gelandet. Scheinbar war es der richtige Song zur richtigen Zeit. Denn die Dance-Challenge startete, so das Narrativ, als Reaktion auf das Ende des ersten Lockdowns auf TikTok. Das wäre zumindest eine sehr schöne Erklärung. Vielleicht hat der Macher, Master KG, ja noch einen anderen passenden Song für die nächste Post-Lockdown Zeit. Gebrauchen können wir solche Challenges immer.

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Artikelbild: Canva

Blog Monatsrückblick Netzwelt

Ein Kommentar zu "Jerusalema und die echten Proud Boys – Monatsrückblick Oktober"

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