TikTok wird immer populärer. Doch in den Medien kursieren Nachrichten über gefährliche Challenges, an denen sich besonders junge Menschen beteiligen. Ich gehe der Sache auf den Grund. Als absoluter TikTok-Neuling teste ich die App auf Herz und Nieren. 

TikTok ist doch nur für junge Leute

Ich tummle mich bisher auf allen möglichen Plattformen im Social-Web. Facebook, Instagram, Twitter, LinkedIn, Xing, Pinterest, WhatsApp, Spotify und YouTube – sie alle sind dabei. Einen Snapchat-Account habe ich sogar auch noch irgendwo in den Weiten des Internets. TikTok war für mich hingegen immer eine Plattform für Teenies, die lediglich Donald Trump ärgert, und daher für mich nicht interessant. Die Anwendung ist ab 13 Jahren freigegeben. Mit meinen 25 Jahren fühlte ich mich einfach schon zu alt und erfahren dafür. Ich hatte es nicht nötig, zu Musik zu tanzen und komische Videos von mir zu machen. So dachte ich. Nun bin ich aber neugierig geworden und springe über meinen Schatten.

Bei TikTok müssen Interessen angegeben werden.
TikTok filtert Inhalte durch Abfrage von Interessen

Ich erstelle einen TikTok-Account

Los geht’s! Zuerst fragt TikTok die Interessen des neuen Nutzers ab – ganz schön schlau. So können die Inhalte direkt gefiltert werden. Im „Home“-Bereich wird mir als erstes ein Video gezeigt. Es ist eine kurze Anleitung, wie man am besten eine Nase zeichnen kann. Cool, damit hatte ich schon immer meine Schwierigkeiten. Den Account abonniere ich direkt mal. Um weitere Videos und Profile zu entdecken, kann ich einfach weiter wischen. 

Challenges haben bestimmte Effekte und Musik

Im Menüpunkt „Entdecken“ sind die verschiedenen Challenges. Unter den gesetzten Hashtags werden die dazugehörigen Videos angezeigt. Das Ziel: Einen Trend so unterhaltsam wie möglich umzusetzen und die meisten Views und Likes zu erhalten. Zuerst sehe ich die #MonsunChallenge. Bill Kaulitz von Tokio Hotel ruft dazu auf, den Look von 2005 versus 2020 zu zeigen. Nein, danke. Ich probiere erst einmal etwas Einfaches: Die #EmojiRoulette-Challenge hat es mir angetan. Ein Effekt zeigt verschiedene Emojis, die ich nachstellen muss. 

Im Menüpunkt "Entdecken" werden die Challenges angezeigt
Im Menüpunkt „Entdecken“ werden die Challenges angezeigt

Die Wettbewerbe enthalten häufig einen bestimmten Effekt sowie Musik. Diese werden in den bisher veröffentlichten Videos angezeigt und können daraus als Favorit abgespeichert werden. So kann man dann selbst an der Challenge teilnehmen und Effekte mitsamt Musik in den eigenen Beitrag einbauen. Hinterher können auch noch passende Hashtags hinzugefügt werden, damit der Beitrag der Challenge zugeordnet wird.

TikTok-Challenges haben häufig einen Effekt oder Musik, der gespeichert werden kann
Effekt und Musik eines Challenge-Videos kann abgespeichert werden

TikTok-Profil ist in Voreinstellungen öffentlich

Nach der Veröffentlichung meines ersten Videos schickte TikTok mir eine Meldung: Ich müsse mir darüber bewusst sein, dass mein Profil öffentlich ist. In dem Moment frage ich mich, ob einem Nutzer auch klar ist, dass mit dieser Einstellung jeder dieses Video sehen und speichern kann. Ganz gleich, ob es die Freundin ist, der Feind aus der Nachbarklasse, die Tante oder der merkwürdige Nachbar aus der angrenzenden Siedlung. Natürlich kann das eigene Konto auch auf privat gestellt werden, aber dann sehen nur noch bestätigte Kontakte die eigenen Beiträge.

Challenges machen Spaß

Ein Ausschnitt aus der #EmojiRoulette-Challenge.
#EmojiRoulette-Challenge: Emojis nachstellen ist gar nicht einfach
Das TikTok-Profil nach der Teilnahme an mehreren Challenges.
Das eigene Profil nach Teilnahme an Challenges

Ich habe zwei Stunden am Stück mit TikTok verbracht und war fasziniert von den vielseitigen Ideen. Natürlich werden noch andere Videos, unabhängig von Challenges, hochgeladen. Trotzdem ist die Teilnahme an Wettbewerben besonders reizvoll: Man möchte mithalten, überlegt sich, wie man es selber umsetzen würde und wird mitgerissen. Insgesamt habe ich an #VollendeDasZitat, #SprichwortCheck, #Zeitreise und #Kulikitaka teilgenommen und hatte wirklich Spaß dabei.

Die Themen müssen nicht immer nur lustig sein. Auch Unternehmen und Organisationen kreieren eigene Hashtags unter denen die Leute Videos erstellen können. So läuft aktuell beispielsweise die Challenge #FamilieMachtStark der SOS Kinderdörfer.

Aus Spaß wird Gefahr

Doch leider gibt es auch andere Beispiele. Unter dem Hashtag #Kulikitaka geht es darum, sich passend zur Musik auf lustige Art und Weise zu bewegen. Es sind im Sommer jedoch Videos veröffentlicht worden, in denen Nutzer absichtlich mit dieser Bewegung Kühe erschreckt haben, die dann weggerannt sind. So eine Aktion kann lebensgefährlich sein. 

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Ebenso kritisch war die Benadryl-Challenge. Hohe Mengen des Medikaments Benadryl verursachen Halluzinationen. Der Trip sollte gefilmt und veröffentlicht werden. Ein Mädchen ist daran gestorben.  

Großes Aufsehen erzeugte auch die Magersucht-Challenge mit dem Hashtag #Ed und #Edrecovery. Ein Wettbewerb mit der Aufgabe, die eigene Magersucht zur Schau zu stellen. Und dafür werden Likes verteilt. Unfassbar. Bei Instagram und Facebook tauchen solche Hashtags auch auf, sie werden jedoch gesperrt. Bei TikTok ist das nicht der Fall – und dort ist eine jüngere Zielgruppe unterwegs.  

Die verrückten oder sogar gefährlichen Herausforderungen lassen sich mit der Skullbreaker-Challenge abrunden. Zwei Leute fordern eine dritte Person auf, in die Luft zu springen und treten ihr dann die Beine weg. Das mag vielleicht lustig aussehen, kann aber auch mit einem Besuch im Krankenhaus enden.

Eltern sollten das Gespräch mit Kindern suchen

Meine Meinung nach zwei Stunden auf TikTok: Ich bin zwiegespalten. Die App fördert zum Einen die Kreativität. Was mich jedoch stört, sind die Lautstärke und die Hektik von TikTok. Auf Dauer finde ich es anstrengend, dort Zeit zu verbringen. Dazu kommt als negativer Punkt, dass sich Nutzer zu schnell zur Teilnahme an gefährlichen Wettbewerben verleiten lassen. 

Insbesondere bei dem Aspekt Jugendschutz finde ich: Eltern sollten sich bei TikTok anmelden, um zumindest zu wissen, auf was für einer Plattform der Nachwuchs sich bewegt. Vor allem seit Beginn der Corona-Pandemie verbringen Kinder und Jugendliche mehr Zeit online. Der Kontakt zu Freunden findet über Soziale Netzwerke statt. Deshalb ist in diesem Zusammenhang noch mehr Vorsicht geboten, als üblich.

Die Website jugendschutz.net hat Seiten für weitere Hilfe aufgelistet. Dort können auch Verstöße gemeldet werden.

Hier gibt es außerdem Tipps, wie das Profil sicher eingerichtet werden kann.

Mein Selbstexperiment war lustig. Es hat Spaß gemacht, Zeit auf TikTok zu verbringen. Dennoch brauche ich die App nicht für meinen Privatgebrauch. Sie ist mir zu hektisch und laut. Ich finde aber, wer TikTok nutzt, sollte sich damit beschäftigen und Einstellungen sowie die Veröffentlichung von eigenen Videos reflektieren.

 

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