Seit ein paar Jahren boomen diese Museen und können sich über Besucherflauten nicht beschweren: Instagram-Museen zeigen nicht die tollsten Posts des Bilderdienstes, sondern Kulissen, die den perfekten Insta-Shot liefern können. Die Ursprünge dieser meist zuckersüßen Installationen liegen aber nicht in der Welt der sozialen Medien. Ein glücklicher, wenn auch unfreiwilliger Zufall.

Ist das Kunst oder kann das Instagram?

Bunt und spektakulär: Das Innere des Wondr Experience Museums in Amsterdam ist im Grunde ein fleischgewordener Pop-Art-Traum und damit die perfekte Kulisse für alle Selfie-süchtigen Instagrammer. Dank eines ausgeklügelten Kamera-Systems, können via QR-Code jederzeit Bilder im Museum aufgenommen und verschickt werden. Da verwundert es auch nicht, dass tausende Besucher per E-Mail vorab schon mal nachfragen, ob und wo man sich für die Selfies umziehen kann. Und so soll es sein, denn es ist ja genau dafür gemacht: Ein Instagram-Museum für perfekte Selfies und Szenen.

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Zuckerschock aus der Kunst-Szene

instagram museum los angeles
Unser Titelbild stammt aus einem weiteren Instagram-Museum: Das Happy Places in Los Angeles

Auch wenn sich das Wondr als farbig-glitzernder Spaß verkauft, liegen die Wurzeln solcher Locations eigentlich in der Hochkultur. Pop-Art-Austellungen mit aufwendigen Installationen haben in der Vergangenheit nicht nur kulturaffine Bildungsbürger angezogen. Oft genug kamen Besucher weniger wegen der Kunst, eher, weil die Werke eine tolle Kulisse für Selfies darstellen. Als Ursprung wird oft die Wonder-Ausstellung im Moma genannt. Als diese 2015 die Tore öffnete, wunderte man sich zunächst noch fasziniert über den Andrang von jungen Menschen mit Smartphones, die offensichtlich wenig Interesse an der Kunst zeigten.

Ähnlich erging es 2016 dem Museum of Ice Cream: Was anfänglich noch als Kunstinstallation gedacht war, hat sich mittlerweile zu einer Unternehmung mit wechselnden Standorten weiterentwickelt. Nun tourt sie durchs Land, ist als Pop-Up-Ausstellung auf begrenzte Zeit angelegt, und verkauft mittlerweile auch gebrandetes Merchandising und eigene Ice-Creme-Sorten. Das Candytopia versucht sich dagegen erst gar nicht abzugrenzen und sieht die Koexistenz von Selfie-Kulisse und Pop-Art-Installation bereits als Teil des Gesamtkonzepts.

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Kommerzialisierung ermöglicht Kunst

Wer diese Ausstellungen jetzt auf die neurale Diabetes reduzieren will: Instagram-Museen bewirken auch etwas Gutes. Die Kunstwelt hat die Funktionalität Instagrams speziell für den Absatz längst begriffen. Die visuell überwältigenden Events garantieren förmlich große Besucheranstürme. Das wiederum lässt die Dollarzeichen in den Augen solventer Investoren aufblitzen. Ausstellungen, die sich eigentlich nicht versus Instagram orientieren, haben so aber eine Möglichkeit, ihre Finanzierung zu sichern.

Die Technik- und Fantasy-orientierte Installation Otherworld, ist ein interessantes Beispiel für die umfangreiche Monetarisierbarkeit von Kunst. Eigentlich als Projekt konzipiert, mit interaktiver Kunst technische Möglichkeiten auszutesten, ist die Ausstellung in Ohio über diesen Zweck hinausgewachsen. Das Otherwold veranstaltet DJ-Gigs und kann für Partys und andere Gruppenveranstaltungen gemietet werden.

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The German Zuckerschock

Wer es selber ausprobieren möchte, muss nicht in die USA oder nach Amsterdam reisen. Es gibt in Deutschland mehrere große, kleine, bekannte und weniger bekannte Locations, die sich diesem Insta-Boom widmen (s.u.). In Zeiten von Corona müssen Besucher zwar einiges beachten, aber immerhin sind die Museen geöffnet. Informiert euch also bitte erst einmal auf den Websites, was es vor einem Besuch zu berücksichtigen gibt.

Supercandy! in Köln

TOPPICS in Köln

Cali Dreams in Düsseldorf

The WOW Gallery in Berlin

Illuseum in Berlin und Hamburg

Bee Yourself in Michelstadt bei Frankfurt/Main

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Artikelbild: Joshua Coleman (unsplash) / Bild aus dem Happy Place in Los Angeles

Netzwelt

Ein Kommentar zu “Instagram Museen – Visueller Zuckerschock für das perfekte Selfie”

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