Willkommen im neuen Jahr. Und damit auch bei der Aufarbeitung des letzten offiziellen Monats der Trump-Regentschaft. Ein letztes Mal haben wir es mit dem troll-haarigen „Leader of the Free World“ zu tun – hoffentlich. Wir bitten also um Verständnis, dass knapp die Hälfte der Beiträge nochmal den letzten US-Präsidenten und seine randalierenden Horden im Capitol behandeln. Alle nicht trump-infizierten Beiträge sind aber nicht minder interessant: Rebellierende Kleinanleger, eine sehr social-aktive Modebranche und ein nicht abreißender Boom in Sachen Gruppen-Tanz. Also wie immer, nochmal Kaffee holen und gute Unterhaltung: Der Januar.

#WhatsApp – Update ins Chaos

Da es ja bereits in aller Munde ist, nur ganz kurz in Stichworten: WhatsApp kündigt neue AGB an; im Netz verbreitet sich Datenschutz-Panik; WhatsApp stellt richtig: Nee, nicht in Europa – keine Bange; zu spät – alle rennen schon zu alternativen Messengern; WhatsApp so: Moppelkotze, dann verschieben wir die Updates. Unsere fünf Cent dazu: Was, wenn den Leuten auffällt, dass sich im Grunde nichts geändert hätte und der ganze Komfort von WhatsApp bei Signal & Co. fehlt? Oder, um es mit William Shakespeare zu sagen: Viel Lärm um Nichts.

#Winterberg – Hashtag-Magnetismus

Worüber sich die Tourismusindustrie sonst freuen würde, wurde im Januar zur Plage. Dass der Wintereinbruch in vielen Skiregionen auch einen Touristenansturm mit sich zieht, ist eigentlich so geplant. Aber in Zeiten von Lockdown und eingeschränktem Bewegungsradius sollte das eigentlich nicht sein. So „litt“ das sauerländische Winterberg im Januar unter einem Besucheransturm, der Verkehrschaos und den Einsatz von Sicherheitskräften mit sich brachte.

Und da „Influencer“ ein altindianisches Wort für „Opportunist“ ist, durften die Instagram-Treiber natürlich nicht fehlen. Einige fragen sich nun, ob der virulent-trendende Hashtag #Winterberg (über 200k Treffer) die Invasion der Tagestouristen noch befeuerte. Nun, die Besucherstürme wurden sicher nicht durch Instagram ausgelöst. Aber wenn man in seinen Social-Media-Kanälen ununterbrochen mit weißen Traumlandschaften gequält wird, die nur eine halbe Autostunde entfernt liegen – dann kann man schon mal in Versuchung kommen.

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#Trump – Der gefallene Troll-König

Sieht nach viel aus, ist prozentual aber kaum eine Erwähnung wert. Mehrere Medien meldeten im Nachgang des pathetischen Bastille-Sturms auf das Capitol, dass sich Trump als unmittelbare Konsequenz über einen Zuwachs an Twitter- und Facebook-Fans freuen könne.

Da haben wir erstmal den Taschenrechner rausgeholt: Kumuliert konnte Trump auf Twitter und Facebook über 110 Mio. Fans und Follower sein Eigen nennen. Ein Zuwachs von 200.000 entspräche also einem Zuwachs von 0,2 Prozent. Wir haben da Probleme von „Boost“ zu sprechen. Normale Tagesschwankung trifft es eher. Aber…

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Mittlerweile wissen wir alle, dass der König der Trolle sein Reich verloren hat: Twitter hat Trumps Profil unbegrenzt gesperrt, womit er nicht mehr erreichbar ist. Die Facebook-Fanpage ist noch erreichbar, aber inaktiv. Und damit ist natürlich auch wieder die Debatte eröffnet, wie demokratisch das Deplatforming von populistischen Personen des öffentlichen Lebens ist.

Die Social-Media-Riesen begründeten ihre Schritte damit, dass man Trump den Hahn abdrehen wolle, bevor er noch mehr Schaden anrichtet. Wenn man den Schutz der Öffentlichkeit als eine demokratische Pflicht versteht, dann sind diese Schritte wohl mehr als nachvollziehbar.

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#Wikipedia – Chronist des Terrors

Interessant war sicher auch, Wikipedia im Laufe der Ereignisse des 6. Januar zu beobachten. Ein altgedienter Wiki-Editor berichtet, wie wirr und stressgeladen dieser Tag auf der Plattform war. Das Resultat: Wenige historische Beiträge sind länger, detaillierter und reicher an Referenzen als dieser zum Sturm auf das Capitol. Wikipedia ist keine Zeitung, hat aber mit diesem Artikel ein echtes, wenn nicht preiswürdiges Chronisten-Meisterwerk abgeliefert: 2021 Storming of the United States Capitol.

#Google – Völker hört die Signale

Hurra! 23 Jahre nach Gründung des Suchmaschinenriesen hat der Laden seine erste Gewerkschaft. Wenn man immer die Bilder vom Google-Campus sieht, hat man gar nicht den Eindruck, dass Standardforderungen wie faire Bezahlung oder bessere Arbeitsbedingungen gegen den Konzern erhoben werden könnten. Allerdings hängt der Haussegen schon länger schief: Sexuelle Belästigung, Rassismus oder Machtmissbrauch von Vorgesetzten ließen es im Hause Alphabet schon öfter rappeln. Wir sagen erstmal: Willkommen in der Gegenwart.

#Staatsverrat – Die Dummen und die Erwischten

Nochmal, um die Verschlagenheit des trump-affinen Terrormobs zu verdeutlichen: Im Sturm auf das Capitol am 6. Januar ergatterte eine gewissen Riley June Williams den Laptop der demokratischen Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi. Nun hat das FBI die Dame dingfest gemacht und erklärt, sie habe versucht, die Daten auf dem Laptop an die Russen zu verkaufen. Ihre Anwälte versuchen, uns die 22-Jährige jedoch als Opfer einer toxischen Beziehung zu ihrem Freund zu verkaufen. Klingt interessant – ist es aber nicht.

Denn: Da das Internet ja nichts übersieht, gibt es Bewegtbildaufnahmen, die Williams dabei zeigen, wie sie eindeutig Leute während der Randale anleitet und organisiert. Auch sind ihre Aktivitäten auf rechten Messageboards sowie Bilder im Kleidchen und mit Sturmgewehr gut dokumentiert. Aber ihre Mutter versichert uns, sie sei nicht extremistisch – sie wolle nur, dass Amerika die korrekten Informationen bekäme. Na, da sind wir aber mal beruhigt.

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#BGH – Köder mit Bild

Kennen Sie den? Die Clickbaiting-Schlagzeile lautet „Sie glauben nicht, wer wieder an Krebs erkrankt ist“ und das Posting zeigt das Bild eines Prominenten, um den es gar nicht geht? Genau. Diese Praxis ist nun vom BGH als unrechtens bestätigt worden. Geklagt haben unter anderem Günter Jauch und Sascha Hehn. Die Promis hatten bereits vor dem OLG Köln Recht bekommen. Da jedoch die betroffenen Verlage unbedingt in Berufung gehen wollten, landete der Vorgang beim BGH und wurde dort prompt zurückgewiesen. Die Verlage müssen allerdings nicht die Höhe ihrer Tagesauflage am jeweiligen Veröffentlichungstag nennen, was relevant für Lizenz-Zahlungen in besagten Fällen wäre.

#MAGA – Toxisch dumme Männlichkeit

Und noch ein letztes Mal Trump-Anhänger – und der wird gut: In den Nachwehen der Randale am Capitol vom 6. Januar begaben sich männliche MAGAs und Proud Boys auf Dating-Apps, um mit ihren „Heldentaten“ zu prahlen. Verständlich: Was sagt mehr „Ich bin ein toller Hecht„, als die Beteiligung an terroristischen Hooligan-Aktionen? Die Anwältin Allison Norris berichtete daraufhin von Frauen, die ihre Präferenzen auf „konservativ“ umgestellt haben, um Randalierer anzulocken und so Beweismittel in Bild, Video und Worten zu sammeln, welches dann ans FBI weitergegeben wurde.

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Nachdem diese Praxis die Runde machte, deaktivierten Bumble und andere Dating-Dienste den politischen Filter, setzten ihn aber wieder ein, nachdem der Vorwurf aufkam, damit eine Schutzmaßnahme für die „Redneck-Terroristen“ bereitzustellen. Das FBI meldete mittlerweile über 100.000 Hinweise, die eingegangen seien.

#Dior – Storytelling aus der sozialen Distanz

Die Pandemie hat viele Branchen dazu gezwungen, virtuelle Entsprechungen für den gewohnten Offline-Alltag zu finden. Das Label Dior zeigt aktuell, wie die Modebranche hier eine interessante, symbiotische Transformation vollzogen hat. Statt die neue Kollektion auf einer der eh nicht stattfindenden Modewochen zu präsentieren, drehte das Modehaus einen kleinen Film, um den edlen Stoff ästhetisch ins rechte Licht zu rücken.

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Das 15-minütige Bewegtbild-Kunstwerk ist natürlich als Ganzes unter einem thematischen Leitmotiv (Tarot) zu genießen. Aber die Kulissen wurden auch für weitere Shootings genutzt. Die Ergebnisse finden wir dann in den Social-Kanälen.

Dior ist da allerdings auch nicht allein. Andere Modegrößen haben die Pandemiezeit genutzt, weniger zu lamentieren und stattdessen neue Wege zu gehen. Oder naheliegende Konzepte endlich mal umzusetzen. Dolce&Gabbana oder Armani inszenieren direkt Laufsteg-Shows als Videos. Und bei Prada wird man mit Show-Konzepten bombardiert, die Défilé, Inszenierung, Interviews und Analysen kombinieren. Da könnten sich viele Branchen mal inspirieren lassen.

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#GameStop – Krieg den Hedgefonds

Reddit hat den Krieg erklärt! Na ja, nicht ganz: In „wallstreetbets“ haben sich Kleinanleger verabredet, die GameStop-Aktie in die Höhe zu treiben. Bis zu 1.700 Prozent Zuwachs konnte das eigentlich marode Papier seit Jahresbeginn verzeichnen. Warum? Wenn man versteht, was Optionsscheine und Leerverkäufe sind, dann weiß man, warum Hedgefonds auf den fallenden Kurs der Ladenkette gewettet haben.

Kleinanleger aus der Gamer-Szene haben mit der Aktion „wallstreetbets“ dagegen gehalten. Ein seltener, wenn nicht sogar einzigartiger Aufstand gegen die oftmals gnadenlose Profitreligion des Wertpapierhandels. Für ein besseres Verständnis empfehlen wir >> diesen Zeit-Artikel.

Ob GameStop auf Dauer davon profitiert, kann man bei aller Zuversicht noch nicht sagen. Spoiler-Alarm: Wohl eher nicht. Und obwohl alles den Anschein hat, als würden sich hier die Gamer-Davids gegen die Gier-Goliaths stemmen – am Ende könnte GameStop der einzige wirkliche Verlierer werden.

Hedgefonds sind jedenfalls stinksauer, denn die Aktion aus den Reddit-Tiefen hat den gierigen Managern einen Strich durch die Rechnung gemacht. Mittlerweile schränken einige Online-Broker den Handel mit dem Papier ein. Der Senat will sich jetzt einschalten und Facebook hat eine der größten Börsen-Gruppen ohne Erklärung geschlossen (Robinhood Stock Traders) und die 157.000 Mitglieder einfach wegen vermeintlicher Regelverletzungen gesperrt. Es wird täglich interessanter. Mehr im nächsten Monatsrückblick.

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#Jerusalema – Klappe, die Nächste

Und zum guten Schluss: Wir hatten zwar schon einmal über die globale Dance-Challenge berichtet, aber es ist einfach immer noch aktuell. Wir haben es nicht in genauen Zahlen, aber keiner muss sich wundern, wenn die Jerusalema-Challenge zur längsten und erfolgreichsten aller Zeiten wird. Gerade in Deutschland scheinen die Tanzaktionen im Dezember und Januar erst richtig Fahrt aufgenommen zu haben. Sucht man News zu Jerusalema, kann man im Januar jeden Tag einen Schwung neuer Einrichtungen finden, die mit dem Bewegungs-Event von sich reden machen.

Überdurchschnittlich stark vertreten sind Kliniken und Gesundheitseinrichtungen, die große Teile der Belegschaften für aufwendige Clips einspannen. Das gilt auch für Fluggesellschaften, Feuerwehren, Polizei und selbst Gefängnisinsassen. Die Challenge ist aber auch einfach ein genialer Helfer in Pandemiezeiten: Man tanzt mit Abstand und kommt mal auf andere Gedanken. Danke Jerusalema!

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Artikelbild: Dave Lowe on Unsplash

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