Wieso holt sich der Discounter Lidl Hilfe vom israelischen Geheimdienst? Wie schafft es eine Parodie, rachsüchtige Straftäter hinter Schloss und Riegel zu bringen? Und warum sollten Sie statt E-Scooter vielleicht doch besser Fahrrad fahren? Die Antworten auf diese Fragen und viele weitere spannende Meldungen gibt’s jetzt im Monatsrückblick. Es geht auffällig oft um Datensicherheit, aber auch um Verbrauchersicherheit. Und am Ende wird es sogar richtig emotional. Also nochmal Kaffee holen und Füße hoch: Bitte sehr, der November.

#Koalitionsvertrag – What’s new, pussycat?

Bald werden wir eine neue Regierung haben und da kann man schon mal aus dem digitalen Ressort fragen: Was bedeutet das denn für den virtuellen Raum? Die guten Menschen von Netzpolitik.org haben den Koalitionsvertrag schon mal thematisch abgeklopft – schauen Sie <<hier>>. Von Infrastruktur und Breitbandausbau über Daten- und Verbraucherschutz bis Social Media und Künstliche Intelligenz. Gute Unterhaltung.

#Fake – Kommissar Zufall

Eigentlich wird beim Lesen der Website “Miete einen Auftragskiller” (rentahitman.com) schon klar, dass es sich um einen Scherz oder besser: um eine Parodie auf Shopping-Seiten handelt. Dieses Humorverständnis fehlte offensichtlich einer Frau aus Michigan, die nun für längere Zeit in eine vergitterte Behausung einziehen könnte. Sie hielt die Seite für echt und leistete direkt eine Anzahlung für den Mord an ihrem Ex-Mann – Rest bei Erbringung der Leistung. Und da ist sie nicht die erste: Bob Innes, der das Portal seit 2005 betreibt, verrät, dass rentahitman.com schon über 650 Leute vor Gericht und viele hinter Schloss und Riegel gebracht habe. Parodie als polizeiliches Mittel? Wenn’s klappt.

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#RansomWare – Der erpresste Riese

Die Mediamarkt-Saturn-Holding erklärte im November, dass ihre Server mit einem Verschlüsselungstrojaner (Ransomware) angegriffen wurden. Der erfolgreiche Krypto-Trojaner befiel bei der Attacke wohl 3100 Server. Gefordert wurden als Lösegeld vermutlich 240 Millionen Dollar. Obwohl hauptsächlich das Kassensystem aller Märkte betroffen war, ging der Verkauf jedoch weiter. Allerdings nur gegen Bares, ohne Quittung und nur mit der Bestandsware vor Ort. Und das ist eine schöne Einleitung für die nächste Meldung.

#Lidl – Hausinterne Verteidigung

Lidl setzt im Kampf gegen die stetige Bedrohung durch Cyberangriffe nun auf das Wissen des israelischen Geheimdienstes. Na ja, fast. Tamir Pardo ist ein ehemaliger Direktor des Mossad und gehört zu den Gründern des preisgekrönten Sicherheits-Startups XM Cyber. Die Schwarz-Gruppe, welcher Lidl angehört, ist seit kurzem Mehrheitseigner von XM Cyber. Jetzt wird es interessant zu sehen, ob dieser Schritt Schule macht: Sicherheit nicht mehr vom Dienstleister, sondern vom Profi In-house machen zu lassen. Das richtige Personal hat die Handelskette auf jeden Fall eingekauft.

#SafetyGate – Chemo-Schnuller und tödliche Föne

Und heute aus unserer Sparte „Verbraucher-Info“: Wenn Non-food Produkte den EU-Sicherheitsstandards nicht entsprechen, kommen sie auf die Blacklist von Safety-Gate und dürfen im EU-Raum nicht mehr verkauft werden. Unzählige Male findet man die Produkte aber wenig später wieder, meist unter anderem Namen, auf Marktplätzen wie Amazon und Ebay.

Die Prüfung solcher Fälle unterliegt leider Landesbehörden, welche meist durch die schiere Masse überfordert sind. Eine generelle Lösung wäre, die Marktplätze selbst im Schadensfall haftbar zu machen. Aber da steht sich die EU selbst auf den Füßen und lehnt diese Anbieterhaftung seitens der Kommission ab. Genau dies wäre ein Handlungstopic für unsere künftige Regierung.

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#E-Roller – Verratene Trittbrettfahrer

Mobilsicher.de haben sich einmal verschiedene Apps angeschaut, mit denen Lime, Bird & Co. ihre E-Scooter in verschiedenen Städten verleihen. Und siehe da: Alle geben die Daten der Kunden an Dritte weiter. Darunter auch an Unternehmen, die außerhalb der EU liegen, was einen schweren Verstoß gegen die DSGVO bedeutet. Dass die Datenschutzbestimmungen der Dienste diese Praxis in ihren AGB marginal andeuten, macht es weder besser noch legal. Dass man kaum Beschwerde-Kontakte in den Unternehmen genannt bekommt, unterirdisch. Auch hier gilt leider: Wo kein Kläger, da kein Richter. Wir empfehlen Fahrrad fahren – das ist gesünder für die Datensicherheit und das Herz-Kreislaufsystem.

#Impfzertifikate – Wer hätte das gedacht?

Wo wir gerade bei gebrochenem Vertrauen sind: Auf Telegram und im Darknet werden die Kundendaten der Käufer gefälschter Impfzertifikate feilgeboten. Der publik gewordene Fall spielte sich wohl in Russland ab. Aber man sollte nicht glauben, dass das in der westlichen Hemisphäre nicht passiert. Allerdings gibt es eine sichere Alternative: Lassen Sie sich impfen! 😉

#Twitter – Post vom Omicron

Ein cleverer Spaßvogel tweetet als @Omicron aka B11529 aus der Virus-Perspektive. Lustige Idee, leider nicht so lustiger Hintergrund. Nachdem der Account zunächst nach der Devise „Hallo, ich bin das neue Virus“ startete, zeigen sich im Feed mittlerweile auch aufklärende und lehrreiche Aspekte. Wir empfehlen: Feed besuchen.

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#Witten – Von innen gehackt?

Mitte Oktober wurde mit der kleinen Stadt Witten die nächste Kleingemeinde Opfer eines Ransomware-Angriffs. In der Folge waren die meisten Dienste, Telefonnummern, Verwaltungen nicht mehr erreichbar und sind bis heute offline. Im November sind dann nicht nur interne Dokumente der Stadt, sondern auch Daten von Bürgern im Darknet aufgetaucht.

Über Logins der Ratsmitglieder der Piratenpartei haben sich die Hacker wohl Zugang zum Server verschafft, weshalb die Fraktion jetzt auch im Blickfeld der Ermittler steht. Technisch ist das natürlich noch lange kein Beweis. Kontakt mit den Erpressern wurde bislang nicht aufgenommen und das soll auch so bleiben. Witten berappelt sich langsam wieder.

#Logitech – Funktionalität für TikTok?

So, jetzt mal zur Auflockerung etwas Produktwerbung – oder auch nicht. Logitech hat eine schrille Tastatur auf den Markt geworfen, bei welcher die Tasten direkt mit Emojis belegbar sind. Wenn die Netzhaut an Diabetes erkranken könnte, das wäre das Mittel der Wahl dafür.

Wir fragen uns allerdings für wen POP KEYS gedacht ist: Die anvisierten TikToker kennen Tastaturen ja eigentlich nur aus dem Display. Boomer, Gen X und Millennials sind nicht die Heavy-User der Reizüberflutungs-App. Und die Kritiken gehen auch eher in die Richtung, dass hier Form über Funktionalität triumphiere. Wer vielleicht seinen Tech-Showroom etwas bunter ausstatten will, der ist hier möglicherweise gut bedient. Aber da die Tastatur zumindest in den USA seit November erhältlich ist, haben Eltern der gelangweilte Gen-Z-Kinder potentielle Geschenke für ihre schwer zu begeisternden Lendenfrüchte zur Auswahl. Frohe Weihnachten.

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#OnlyFans – Laura und Michael lassen tief blicken

Michael Wendlers illustre Freundin Laura ist jetzt bei OnlyFans – und der ehemalige Schlagerbarde mischt allem Anschein nach auch mit. Was man sich darunter im Detail vorzustellen hat, wollen wir gar nicht so genau wissen. Jetzt kann man fragen, ist es ein Zeichen des Niedergangs, wenn man mit OnlyFans Geld verdienen will? Eigentlich nicht. Erst recht nicht, wenn man vorher sein Geld mit Schlager verdient hat. Wir haben da aber so ein Gefühl, dass das nicht die letzte Meldung zum Topic Wendler auf OnlyFans sein wird.

#Cybermobbing – Blinde Justizia?

Die Geschichte von Rainer Winkler, besser bekannt unter seinem Pseudonym „Drachenlord“, dokumentiert nur die Spitze des Eisbergs. Winkler ist seit 2014 Ziel eines Mobbing-Kultes, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, ihm das Leben auch in der echten Welt zur Hölle zu machen. Das jahrelange Mobbing hat dazu geführt, dass sich Winkler wehrte und dabei selbst Körperverletzung beging. Nun ist der Youtuber zu 2 Jahren ohne Bewährung verurteilt worden. Das Gericht hat die Historie des Psychoterrors gegen Winkler komplett ignoriert. Vorsatz oder überforderte Naivität des Rechtssystems?

Der Fall passt in die aktuelle Studie des Vereins „Bündnis gegen Cybermobbing“. Wenig verwunderlich, dass die Pandemie den Cyberterror noch beflügelt hat. Erschreckend ist jedoch, dass Cybermobbing schon lange kein Phänomen jüngerer Generationen ist. Der Psychoterror ist erwachsen geworden und gehört mittlerweile zur Alltagsrealität der Arbeitswelt.

Wer den Drachenlord und das Cybermobbing um den Youtuber nicht kennt:

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#Passwörter – Die Liste der Schande

Die Softwareschmiede NordPass Passwort Manager hat in ihre vertraulichen Daten geschaut und zeigt uns, welche Passwörter immer noch die beliebtesten und meist gebrauchten sind. Und das sieht nicht gut aus. Endlose Predigten haben nichts gebracht. Auch wenn wir nicht alle 200 Passwörter hier nennen können, die Top 2 ist erschreckend erwartbar: 123456 und 123456789. Und der Rest ist auch nicht besser. Viel Spaß, <<hier>> ist die Liste.

#MaiLab – Bosetti gibt Nachhilfe

Gehören Sie zu den Leuten, welche noch Verständnis für die Argumente der Hobby-Virologen und Impfgegner aufbringen können? Frau Bosetti möchte Ihnen da weiterhelfen. In einem ihrer aktuellen Videos lässt sie uns an der Logik von Internet-Kommentaren am Beispiel maiLab von Mai Thi Nguyen-Kim teilhaben. Wir finden: Sehr unterhaltsamer Einblick in die Anatomie impfkritischer Argumentationslogik.

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#Australien – Zeig mir den Troll

Der Kontinent Down Under geht gerne mal energische Wege. Eine aktuelle Gesetzesvorlage im Kampf gegen Hatespeech dokumentiert das vorzüglich. Premierminister Scott Morrison will durch die Rechtsnovellierung Plattformbetreiber dazu verpflichten, Daten und Identitäten von Trollen im Falle von Rechtsverstößen offenzulegen. Da sich besagte Nervensägen selten mit ihren korrekten Personendaten registrieren, klingt das Vorhaben eher aktionistisch. Aber die Australier sind sich über diesen Pferdefuß im Klaren. Deshalb ist auch noch nicht entschieden, welche Daten die Betreiber dann auch sammeln müssen. Wie man Nutzer zur Angabe der wahren Identität verpflichten will und welche Auswirkung das dann auf die großen, internationalen Plattformen haben wird – spannend.

#TikTok – Are you happy?

Und zum Ende noch etwas Berührendes: Atdhe Trepca ist ein junger Filmemacher, für den das TikTok-Format perfekt sein Story-Projekt transportiert. Auf seinem Account (s.u.) sammelt er kurze Interviews mit Menschen, die er auf der ganzen Welt getroffen und denen er eine zentrale Frage gestellt hat: Bist du glücklich? Spätestens nach zwei, drei Interviews macht sich der emotionale Suchtfaktor bemerkbar. Wie es scheint, soll das gesammelte Material in eine Dokumentation gegossen werden. Der Trailer ist allerdings schon eineinhalb Jahre alt und bisher gibt es zu dieser Produktion keine Updates. Auf dem TikTok-Account sammeln sich jedoch weiter neue Clips, mittlerweile auch durch andere Interviewer. Gutes Projekt. Bitte besuchen: Hier >> @AreYouHappy?

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Artikelbild: RyanMcGuire / pixabay Lizenz 

Monatsrückblick Netzwelt

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