Warum machen sich so viele Menschen mit ihren Profil-Bildern zum Affen? Wieso suchen immer mehr Menschen nach Wörtern mit fünf Buchstaben? Wie könnte ausgerechnet Horror für frischen Wind im Netz sorgen? Und was machen die Bachelor-Kandidatinnen auf dem Bauernhof? Das neue Jahr geht mit dem Januar schon gut los. Neben einigen bunten Nachrichten geht es um Datenschutz, fundamentale Nutzerrechte oder auch befreiende Technik. Also, wer jetzt mehr Infos braucht, bitte sehr: Unser Monatsrückblick.

#Meta – Good News, Everybody!

Im September wurde bekannt, dass Springer das Kuratieren der Nachrichten auf Facebook zur Disposition stellt. Seit dem Start des neuen Dienstes stand die Arbeit durch die Springer-Tochter Upday wegen möglicher Interessenkonflikte in der Kritik. Ab April wird das Kuratieren der Nachrichten nun von der dpa vorgenommen. Ein weiterer positiver Effekt des Wechsels wird sein, dass dadurch zunächst 15 neue Stellen für echte journalistische Arbeit entstehen.

#Pseudonymisierung – Das Recht, unbekannt zu sein

Im Januar musste sich der BGH mit dem Thema Anonymität auf Facebook beschäftigen. Wer jedoch eine große Klärung erwartet hatte, wurde enttäuscht. Hintergrund: Das Netzwerk sperrte zwei Nutzer, weil sie Pseudonyme statt Klarnamen nutzten. Das Gericht urteilte salomonisch. Das heißt: dem Netzwerk muss zwar schon der Klarname genannt werden, nach Außen dürfen jedoch weiterhin Pseudonyme verwendet werden.

Aber Achtung: Die Entscheidung gilt nur für ältere Profile. Denn mit dem Inkrafttreten der DSGVO im Mai 2018 veränderte sich die Rechtslage – und ist bis heute immer noch nicht eindeutig. Das OLG München sprach Facebook 2020 das Recht zu, Klarnamen zu verlangen. Auch sieht die DSGVO kein explizites Pseudonymisierungs-Recht vor.

Es gilt allerdings immer noch §13 (VI) des Telemediengesetzes, wonach Betreiber von Diensten ihren Kunden eine Anonymisierungsmöglichkeit anbieten müssen. Da jedoch zurzeit eh an keiner Novellierung gearbeitet wird, müssen wir uns zukünftig wohl weiter mit individuellen Einzelentscheidungen begnügen.

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#Admin – Automatisierte Freizeit

Der Redditer und IT-Admin @Throwaway59724 erfreut sich gerade anonymer Popularität: Beschäftigt bei einer größeren Anwaltskanzlei, ist der IT-Fachmann für das Cloud-Speichern von digitalisierten Beweismitteln zuständig. Eigentlich keine Arbeit für einen Ganztagsjob, aber seine Chefs wissen das nicht und er sagt es ihnen nicht.

Als Corona kam, fragte man ihn dann, ob er auch vom Homeoffice aus arbeiten könne. Throwaway59724 bejahte und richtete sich daraufhin nicht nur einen Arbeitsplatz zu Hause ein. Er schrieb auch noch ein Programm, welches seinen Job automatisierte. Seitdem verbringt er seine Zeit überwiegend mit Spielen – und maximal 10 Minuten täglich am Schreibtisch. Ein- und Ausstempeln muss er trotzdem weiterhin – das scheint sich nicht automatisieren zu lassen. Dass er durch die anonyme Popularität jetzt auffliegen könnte, befürchtet er allerdings nicht.

Die Anekdote hat allerdings noch etwas Interessanteres: Unter dem Posting debattieren die User nicht nur, welche Skills man für solch einen Stunt haben muss. Es gibt auch eine starke Diskussion darüber, dass viele Job-Profile heute die Arbeit, die erledigt werden muss, und die Funktion der Arbeit nicht wirklich widerspiegeln.

#Wordle – Fünf mal Fünf

Na, spielen Sie auch schon Wordle? Im Moment gewinnt das kurze Spiel täglich neue Freunde. Fünf Versuche, das Wort des Tages zu raten. Richtige Buchstaben werden grün markiert. Eine deutsche Version finden Sie unter www.wördle.de. Die Geschichte hinter dem Spiel des Entwicklers Josh Wardle ist eigentlich eine Liebesgeschichte, denn er hat den Zeitvertreib für seine corona-genervte Freundin gebastelt. Leider scheint der gute Mann jedoch kein guter Geschäftsmann zu sein. Das Spiel findet man nämlich in verschiedenen Sprachen mit dem gleichen Design von den unterschiedlichsten Anbietern. Chance vertan?

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#BCI – Lasst Hirne reden

Während viele Tweets eher hirnlos abgesetzt werden, kann Thomas Oxley behaupten, dass sein Tweet einen Tag vor Weihnachten nur mit dem Hirn zustande kam. Das Posting wurde nämlich von dem 62-jährigen ALS-Patienten Philip O’Keefe mittels Brain-Computer-Interface (BCI) verfasst.

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Ein interessant geformter Chip in O’Keefes Hirn macht es möglich, seine Gedanken direkt in Schriftform zu gießen und auch andere Aktionen auf dem Computer auszuführen. Für den Anschluss am Denkapparat nutzen die Forscher die natürlichen Leitungsbahnen, also Blutgefäße. O’Keefe unterstreicht, dass ihm der Eingriff eine große Portion Selbstständigkeit und Autonomie zurückgegeben habe.

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#Trumpster – Wer nicht hören will…

Bei uns würde Marjorie Taylor Greene zurecht als rechte Verschwörungsspinnerin, eingeordnet werden. In den USA ist sie Abgeordnete der Republikaner, eine der letzten Soldatinnen Trumps und ein echter Star der neuen rechten Bewegung. Nach unzähligen Falschinformationen und Verstößen hat Twitter die freie Radikale jetzt kaltgestellt. Man muss leider befürchten, dass damit nichts erreicht ist: Sie ist so etwas wie die Hoffnungsträgerin der ewigen Trump-Evangelisten und geheimer Zukunftsaspirant der Republikaner. Ohne Twitter wird sich ihre Fan-Gemeinde nicht verkleinern.

#TikTok – Der unsichtbare Kunde

Ja, Aldi gibt es auch in den USA. Und gerade sorgen die offenbar etwas nachlässigen Mitarbeiter für ein lustiges Intermezzo: Der TikTok-Nutzer @khaosblackmetal musste feststellen, dass er in seinem Aldi-Markt eingeschlossen wurde. Und das eine Viertelstunde vor dem eigentlichen Ladenschluss. Gute Gelegenheit, ein Video davon zu machen, das zurzeit trendet und viele Leute zum Lachen bringt. Lachen mussten übrigens auch die Polizisten, die der Mann irgendwann selbst gerufen hat.

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von www.tiktok.com zu laden.

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#NFT – Der gelangweilte NFT-Affe

Auch wenn NFTs nicht mehr täglich in den Nachrichten sind, der Markt boomt, der Trend ist lebendig und munter und der Handel wird immer komplexer. Es ist noch nicht lange her, da waren NFTs Unikate. Das Potenzial wurde schnell erkannt und es gibt die digitalen Echtheitszertifikate immer häufiger als Sets. So bietet der US-Rapper Nas aktuell die Streaming-Lizenzrechte für zwei seiner Songs, aufgespalten auf mehrere Token, zum Handel an. Das geht natürlich auch mit physischer Ware, wie der Bong-Designer Jerome Baker zeigt. Der will gerade Einzelstücke seiner Promi-Haschpfeifchen als NFTs digitalisieren. Weitere Kandidaten mit NFT-Projekten: Adidas, Prada, Mercedes-Benz – um nur drei Aktuelle zu nennen.

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Und wem vielleicht diese Affen schon einmal begegnet sind: Bored Ape Yacht Club (BAYC) von YuglaLabs ist vielleicht gerade das heißeste NFT-Projekt – obwohl auch schon wieder fast ein Jahr alt. Wer mehr über dieses, nicht ganz unkomplizierte Topic erfahren möchte: bitte das Video schauen oder <hier> einlesen. Wir haben das Gefühl, der Handel mit den Avataren ist nur der Anfang eines neuen Geschäftszweigs.

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#Hatespeech – Mit der großen Kelle verteilt

Die großen Netzwerke wie Facebook oder YouTube sind gerne schnell dabei, mit vollmundigen Lippenbekenntnissen Hass und Hetze auf ihren Plattformen den Kampf anzusagen. Die Initiative reset.tech zeigt mit einer aktuellen Dokumentation, was uns mittlerweile nicht mehr wirklich wundert: Big Tech ist der eigentliche Radikalisierungsmotor in der Pandemie. Wer sich auf Facebook über Impfungen informieren will, bekommt über kurz oder lang nur Desinformationsangebote. Heißt das, die Quantität der präsenten Impfgegner hat mittlerweile sogar den Algorithmus so massiv gekapert, dass wir noch nicht mal mehr Teil der verschwurbelten Filterblase sein müssen? Offensichtlich. Aber es ist noch schlimmer.

Von Meta können wir wenig Problembewusstsein erwarten. Im November dokumentierte der Journalist Patrick Gensing, wie Instagram Angebote für gefälschte Impfausweise als richtlinienkonforme Handlungen legitimierte. Und auf Anfrage von tagesschau.de antwortete Meta, wenig überraschend, dass sie seit Beginn der Pandemie auf verlässliche Informationen setzen und Desinformationen o. ä. nicht dulden. Tja, Sachen gibt’s.

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#Ebay – Luxuriöses Zuckerwasser

Suchen Sie mal auf Ebay nach der guten, alten Capri-Sonne. Dort erreicht der Tütensaft horrende Preise. In der Spitze zwischen € 5.000 und € 10.000 für ein paar Päckchen des süßen Suppe. Gebote gibt es dafür natürlich nicht. Verkauft wurde vermutlich auch nichts aus diesem Portfolio. Der Grund dahinter scheint die Einführung eines neuen Strohhalms aufgrund des Verbots von Einwegplastik zu sein. Der Trend läuft auch schon seit gut einem Jahr, ist also nicht wirklich so neu. Es gab auch punktuell „Fuck you Greta“-Kommentare. Damit dürfte klar sein, dass wir es eher mit einer aktionistischen Protestaktion zu tun haben. Oder wie die Kids in dem Fall heute sagen: Ok, Boomer!

#Psychose – Clapton is Schrott

In den 60er Jahren war der britische Blues-Gitarrist Eric Clapton mit seiner Band Cream der Hot-Shit und Londons Wände zierte oftmals der Spruch „Clapton is god“. Heute wissen wir von seinen rassistischen Neigungen, seinen Impfgegner-Initiativen, seinen Verschwörungsschwurbeleien und müssen feststellen: Clapton is (nur noch) Schrott.

Seine aktuelle Entgleisung: Für das ehemalige Gitarren-Talent ist das Internet und speziell YouTube Massenhypnose, die mit „unterschwelliger Werbung“ Gehirnwäsche betreibt. Damit beruft er sich auf Thesen, die zurzeit im Netz kursieren und mit jedem weiteren Aufgreifen immer abstruser werden.

Ursprünglich stammt die Idee einer Massenpsychose, durch welche Corona zum Kontrollinstrument wird, von einem belgischen Psychologen namens Mattias Desmet. Die Idee wurde wiederum von dem Impfskeptiker-Rockstar Dr. Robert Malone auf dem Podcast des nicht minder fragwürdigen Joe Rogan aufgegriffen und passend interpretiert. Und ab hier ist Claptons Hirn nur ein weiteres, welches die Empfangseinheit auf „Offen für Verschwörungsblödsinn“ gestellt hat.

Ende vom Lied: Die Idee der Massenpsychose findet in Fachkreisen wenige Freude und Clapton ist leider nur noch bemitleidenswert.

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#LucaApp – Das Ende der Nutzlosigkeit

Der Januar war die Götterdämmerung für die Luca-App: Ein Bundesland nach dem anderen hat die Verträge mit der App aufgekündigt. Wie verschiedene Umfragen immer wieder zeigten, wurden die Nachverfolgungsdaten kaum abgerufen oder waren nicht sonderlich hilfreich. Der Chaos-Computer-Club warnte bereits Anfang 2021 vor den Sicherheitslücken und forderte einen raschen Ausstieg. Unterm Strich ist nur eines sicher: Die Macher haben gut verdient und da sind mindestens 20 Millionen Euro an Steuergeldern im Orkus verschwunden.

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#Creepypasta – Blair Witch all over again?

Trigger-Warnung: Wenn Sie auf Horror-Content sensibel reagieren, klicken Sie in diesem Abschnitt bitte keine Links.

In den frühen 2010er Jahren boomte Creepypasta: Kleine Horrorgeschichten, die sich viral verbreiteten und durch verwackelte (natürlich fake) Videos mit Leben gefüllt wurden. Die Älteren erinnern sich vielleicht noch an den Film Blair-Witch-Project und den anschließenden Boom des Found Footage. Nun hat ein in Sundance gefeierter Film es geschafft, Creepypasta wieder in die Foren und Diskussionen des Internets zu spülen. In dem Film „We are all going to the world’s fair“ nimmt die Hauptdarstellerin an einer Internet-Challenge teil. Als sie Veränderungen an sich feststellt, dokumentiert sie diese in zahlreichen Videos.

Es ist die fleischgewordene Creepypasta als Abendunterhaltung. Und irgendwie haben wir das Gefühl, dass diese Netzkultur ein Revival erfahren könnte. Uns würde es freuen. Urbane Mythen als kreativer Ansporn, neue Geschichten zu erfinden und erfundene Beweismittel zu produzieren: das wäre nahezu frischer Wind in dem recht uninspiriert gewordenen Internet. Und so lange es nicht, wie in dem Film, zur Obsession wird – alles gut. Wir sind gespannt.

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#Grün – Bauer sucht Influencerin

Und zum Abschluss noch eine kleine Kampagne, von der wir noch nicht wissen, ob sie eine gute Idee war oder sich später in die Cringe-Momente des Jahres einreihen wird. Der Kreislandvolkverband Cloppenburg e.V. will den Menschen die Landwirtschaft näherbringen. Also schicken sie drei „Influencer“ auf die Höfe und lassen sie für die Kampagne „Echt grün – eure Landwirte“ etwas ins Landleben reinschnüffeln. Bei den Influencern handelt es sich eher um Duckface-Sternchen von der Reality-TV-Halde. Die Älteren unter uns werden sich schlagartig an „The simple life“ mit Paris Hilton erinnert fühlen.

Der erste Clip kommt leider schon sehr hemdsärmelig rüber und man befürchtet: Leute, da habt ihr euch keinen Gefallen getan. Dabei hat die Echt-grün-Kampagne bereits bewiesen, dass sie es besser kann. Und hier steckt auch ein echtes Learning für Marketers. Auf dem YouTube-Kanal finden sich viele sehr sympathische Video-Portraits von Hof-Familien und Junglandwirten. Diese Arbeiten glänzen durch Authentizität, denn hier sehen wir Menschen, die ehrlich und direkt in ihrer natürlichen Umgebung gezeigt werden. Also lieber Kreislandvolkverband, macht die Landwirtschaft nicht zum Boulevard.

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Artikelbild: Edilson Borges / unsplash 

 

Monatsrückblick Netzwelt

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