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Be Like Bill – Anatomie und Verfallsdatum eines Mems

Bill ist ein Strichmännchen und so etwas wie eine Frau Rottenmeier des Internets: Tu dies, lass das, du solltest vielleicht nicht, usw. Das Meme vergibt mit Binsenweisheiten Verhaltensempfehlungen, was auf Dauer natürlich etwas nervig ist, aber nicht all zu ernst genommen werden muss. Tja, wäre das Internet nicht das Internet – und dort bekommt das Strichmännchen die vorhersehbare Reaktion. Ein kleines Lehrstück in Sachen realistischer Verhaltenskodex und Verfallsdatum eines Memes.

Bill, der mal Tim hieß

Eugeniu Croitoru ist 23 Jahre alt, kommt aus Moldavien und lebt in Mailand. Einer kleinen Schnittmenge könnte er als Eigentümer der populären Gamingseite Videogamemes bekannt sein. Einer größeren Schnittmenge wird er allerdings als Erfinder von (Be Like) Bill in Erinnerung bleiben. Ein Strichmännchen, das in kurzen Empfehlungen beispielsweise erklärt: Bill hat Star Wars gesehen und spoilert trotzdem nichts im Internet – sei wie Bill. Oder: Bill ist im Internet und sieht etwas, worüber er sich aufregt; er ignoriert es und macht einfach weiter – sei wie Bill. Oder auch etwas Alltägliches wie: Bill hat eine Freundin, aber in der Öffentlichkeit betatscht er nicht ihren Hintern; das macht er nur zu Hause – sei wie Bill.

“‘Bill’ can be anyone who is smart and has common sense and who doesn’t do annoying things. You’ll also notice Bill can be someone who makes fun of himself and jokes about others too occasionally.” Eugeniu Croitoru

Auch wenn es uns jetzt erst beschäftigt, Bill ist bereits 6 Jahre alt. Es gibt einen frühen Fund, in welchem er jedoch Tim heißt und vermutlich nicht von Croitoru stammt. Aller Wahrscheinlichkeit ist das ein Micro-Meme, welches in manchen Communities als Running-Gag für Insider entstanden ist und fortgeführt wurde. Croitoru hatte das Strichmännchen, in seiner Gaming-Community, für ein Mem gegen das Star Wars-Spoilern genutzt. Dort nannte er ihn Bill und in der italienischen Netzsphäre ging das Kerlchen als „Sii come Bill“ (Sei wie Bill) auf Wanderschaft. Nach der überraschend starken Reaktion entschied Croitoru dem Strichmännchen eine eigene Plattform zu geben, die er dann mit seinem Kumpel Debabrata Nath aufbaute. Die FB-Seite Be like Bill konnten seit dem 7.Januar 1,5 Mio. Likes einheimsen.

Be Like Bill

Hätte sich Bill mit seinen Empfehlungen auf die Social-Media Netiquette beschränkt und wäre das Netz nicht mit Bill-Mems überflutet worden, wäre es vermutlich ein nettes Meme geblieben, in welchem sich unzählige User oftmals selbst wiederentdeckt und ertappt gefühlt hätten. Aber die Empfehlungen gingen dann auch auf nicht Internet-bezogene Alltagssituationen ein – und das war vielleicht die berühmte rote Linie. Mittlerweile erntet Bill Antipathie und Ablehnung – wenn nicht sogar Hass. Don’t be like Bill heißt eine Facebook-Community, die allerdings nicht einmal tausend Likes zählt. Aber die Anti-Haltung ist da.

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Und die Moral von der Geschicht

Wer mehr will, als gesund für ihn wäre, wird scheitern: Be Like Bill war lustig als kleines Meme über Verhaltensweisen, die auch laut Umfragen den meisten Netzlingen auf den Geist gehen. Und deshalb war Bill erfolgreich – weil er einen Nerv traf. Woran die Macher jedoch keine Schuld tragen: Unzählige User haben selbst Bill-Mems gebastelt und der Kern ist nun mal eine erzieherische, passive-aggresive Attitüde. Das kann nicht gut gehen.

“Most of the content is either curated via user-submissions on the page or done by the two guys managing the page: Eugeniu or myself. We try our best to keep the memes funny or convey a message through them without taking ourselves too seriously. Bill should entertain and make people laugh.” Debabrata Nath

Und damit sind wir bei der zweiten Lehre: Das Internet ist ein 30-jähriger Teenager mit der gefühlten Lebenserfahrung eines 80-jährigen Weltenbummlers und der selbsterklärten Cleverness eines nobelpreisgewinnenden Schach-Champions – solche Charaktere lassen sich nichts sagen und halten Überreaktionen für konstruktive Beiträge. Ja, und manchmal stecken selbst dahinter zwei, drei Fünkchen Wahrheit. Man könnte auch sagen: Da haben sich zwei gesucht und gefunden.

Wie dem auch sei: Das Netz wird jetzt vermutlich genauso viel Spaß damit haben, Bill auf unzählige Arten sterben zu lassen. Und die beiden Macher dahinter werden damit kein Problem haben – sie haben Bill eh nicht so ernst genommen und wissen, dass das Mem unterm Strich verdammt erfolgreich war.

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