Seit rund einem Monat gibt es Facebook News. 35 Medienhäuser kooperieren mit dem Online-Giganten und stellen journalistische Inhalte zur Verfügung. Dafür bekommen sie Geld. Was es damit auf sich hat, erklären wir im folgenden Beitrag.

Facebook hat seit Mitte Mai einen eigenen Nachrichtenbereich: Das Unternehmen ist auf deutsche Verlage zugegangen und hat die sogenannten Facebook News entwickelt. Gleichzeitig steht die neue Funktion im Kontrast zu den bisherigen Plänen. Vor drei Jahren hatte Mark Zuckerberg noch mitgeteilt, dass er den Fokus mehr auf den Kontakt mit Freunden und Familie richten möchte.

Facebook spielt journalistische Nachrichten im News-Bereich aus

Der News-Bereich bei Facebook
Der News-Bereich bei Facebook

In den Facebook News werden Inhalte journalistischer Medien ausgespielt. De facto sind das Meldungen, die Medienhäuser selbst im sozialen Netzwerk teilen. Im Zuge dessen bezahlt Facebook die Verlage, wenn sie der Plattform Links zu Inhalten zur Verfügung stellen, die dort bislang nicht zu finden waren. Für Facebook News gibt es einen extra Reiter in der App. Die wichtigsten Nachrichten des Tages erscheinen unter „Top-Meldungen“. Der zweite Teil der neuen Funktion heißt „Neues für Dich“. Nutzern werden personalisierte Nachrichten ausgespielt, die von einem Algorithmus ausgewählt werden. Zusätzlich enthält Facebook News verschiedene Rubriken wie Wirtschaft, Unterhaltung oder Sport.

Meldungen im News-Bereich bei Facebook
Meldungen im News-Bereich bei Facebook

Sind Facebook News doch nicht so fair?

35 Verlage mit über 100 deutschen Medienmarken haben ihre Mitarbeit zugesagt, unter anderem Axel Springer, Der Spiegel, die Frankfurter Allgemeine Zeitung, Die Zeit, Handelsblatt Media Group, T3N, Südwestdeutsche Medienholding und auch der TAZ Verlag. Bedenklich ist: Für die Zusammenstellung der Top Meldungen ist Upday, eine Axel-Springer-Tochtergesellschaft, zuständig. Das bedeutet, dass Springer-Mitarbeiter über die Verbreitung von Artikeln anderer deutscher Verlage entscheiden. Hinzu kommt, dass nicht jeder deutsche Verlag mit einbezogen wird. Zunächst müssen die Medienhäuser die von Facebook festgelegten Zugangskriterien erfüllen.

Facebook News sind noch nicht für alle sichtbar

Viele Facebook-Nutzer sehen das Zeitungssymbol der News noch nicht. Das kann noch ein paar Wochen dauern.

Zuvor blockierte Facebook Nachrichten in Australien

Wer es nicht mitbekommen hat: Im Februar gab es zwischen Australien und Facebook Streit. Der Grund war ein geplantes australisches Gesetz, das Facebook und Google dazu veranlassen sollte, Nutzungsgebühren an Medienhäuser zu zahlen, da dort Nachrichten verbreitet werden. Auf diese Weise soll ein Teil der Werbeeinnahmen der Internetriesen an die Medienhäuser weitergereicht werden. Facebooks Reaktion war eine Blockierung von Nachrichteninhalten sowie Wetter- und Katastrophenwarnungen von Behörden.

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War das Leistungsschutzrecht Auslöser für das neue Konzept?

Vermutlich spielte daher politischer Druck eine Rolle bei der Entwicklung der neuen Funktion in Deutschland. Das neue EU-weite Leistungsschutzrecht bedeutet, dass Verlage an Werbeeinnahmen von Giganten wie Google & Facebook beteiligt werden sollen, wenn sie journalistische Inhalte nutzen. Lediglich „einzelne Wörter oder sehr kurze Auszüge aus einer Presseveröffentlichung“ sollen kostenfrei zu nutzen sein. Facebook hat aber schon reagiert: Die übliche Vorschau mit Schlagzeile, Bild und kurzem Text wird nur noch standardmäßig angezeigt, wenn Presseverlage den eigenen Link posten. Sobald jemand Drittes den Link eines Mediums postet und der Verlag Facebook keine weiteren Rechte eingeräumt hat, werden nur Link und Überschrift angezeigt. Das Bild oder weitere Infos bleiben aus. Für bestimmte Themen hat Facebook nun Verträge mit den Verlagen geschlossen, die dann im News-Bereich angezeigt werden.

Vorschau, wie Links nun bei Facebook angezeigt werden.
Links werden ohne Bild angezeigt, wenn Dritte sie posten.

Newsbereich bald vielleicht auch für Rundfunk

Zukünftig soll vermutlich auch der private Rundfunk sichtbarer auf den großen Online-Plattformen werden. Die Landesmedienanstalten haben nun eine Liste eingerichtet, auf die sich Medienhäuser bewerben können, wenn sie künftig dort prominenter ausgespielt werden wollen. Das soll private Radio- und Fernsehsender leichter auffindbar machen.

Netzwelt

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