Wieso hat Anonymous die Lichtgestalt Elon Musk zum Intimfeind erklärt? Warum könnten Newsletter den Journalismus retten? Und wieso hat sich Coca Cola mit einem Service selbst ein Bein gestellt? Das alles verraten wir in unserem Monatsrückblick. Oben drauf gibt es noch eine kleine Youtuber-Operette und einen entlarvenden TikTok-Star. Also nochmal Kaffee holen und dann gute Unterhaltung: Der Juni.

#Cookies – Schrems it again

Max Schrems, der österreichische Datenschutz-Jurist, der schon Safe-Harbor zum Kippen brachte, ist wieder aktiv. Der Stein des Anstoßes sind diesmal Cookie-Banner, die seiner Meinung nach oftmals rechtswidrig aufgebaut sind. Der Meinung sind wir auch und hatten darüber schon mal ausführlich berichtet.

Schrems hat nun mit seiner Organisation Noyb ein Programm gebaut, welches die Cookie-Banner von Websites automatisch auf Verstöße untersucht. Wird das Programm fündig, informiert es die Seitenbetreiber und gibt ihnen einen Monat, ihr Banner zu richten. Mehr als 560 Websites haben das wohl nicht ernst genommen, weshalb Noyb gegen diese Betreiber schon DSGVO-Beschwerde eingereicht hat. Wir bleiben dran.

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#Anonymous – Der Narzisst im Fadenkreuz

Elon Musk hat schon lange das glitzernde Image des zukunftsvisionären Entrepreneurs verloren. Heute steht er eher für sein umweltfeindliches Bauprojekt Gigafactory 4 in Berlin-Brandenburg oder seine Spekulationen um Kryptowährungen, welche die Kurse immer wieder hoch- und runtertreiben.

Genau das adressieren Anonymous in einem aktuellen Video. Das Hacker-Kollektiv wirft Musk vor, seine Spielchen hätten Menschenleben gekostet und zeichnen ein Bild des Milliardärs, welches an einen üblen Comic-Despoten erinnert. Damit hat es wohl nicht ganz unrecht. Anonymous haben Musk also jetzt auf dem Radar. Und wenn man eines von dem Kollektiv sagen kann, dann das: Die machen keine leeren Versprechungen.

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#TikTok – Biometrische Jäger und Sammler

Die Betreiber der Clip-App haben im Juni ihre AGB für Nordamerika geändert und merkten darin an, zukünftig biometrische Informationen zu sammeln. TechCrunch wollten das genauer wissen und bekamen nur vage Auskünfte. Das Unternehmen spricht lediglich von „faceprints“ und „voiceprints“ und behauptet frech, dass das alles im Sinne der amerikanischen Rechtsverordnung wäre.

Auch wenn wir das alles schon ziemlich gruselig finden: Es gibt auf Qualitätsplattformen wie Reddit zahlreiche Debatten darum, was TikTok denn so sehr anders macht, als Facebook oder Google. Sicher ist nur, dass alle Diskussionen um die App a priori politisch aufgeladen sind. Allein schon, weil es sich um ein Unternehmen aus dem Reich der Mitte handelt.

Fakt ist aber auch, dass TikTok weiterhin die Download-Charts in den App-Stores anführt. Und das nicht erst seit gestern und erst recht nicht mit knappem Vorsprung. Und ebenfalls gehören alle Apps aus dem Hause Zuckerberg & Co. ebenfalls zu den Top-Apps, von denen man weiß, dass sie auch komplett vernetzt sind und uns permanent scannen. We are doomed – Brave New World.

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#TerrorContentOnline – Ich geb´ dir eine Stunde!

Aus dem Mai müssen wir noch nachreichen, dass die EU nun die TCO-Verordnung beschlossen hat. Mit dem Ratsbeschluss können Behörden nun Internet-Unternehmen anweisen, terroristische Inhalte (Propaganda, Verherrlichung etc.) aus dem Netz zu entfernen. Erfolgt diese Anordnung, haben die betroffenen Unternehmen eine Stunde, um den beanstandeten Content zu entfernen. Wir sind gespannt, wie das in der Praxis umgesetzt wird.

#Newsletter – Bezahlschranke boomt

Wenn Sie unter Newsletter eine Mail mit den aktuellen Nachrichten eines Unternehmens oder Content-Schaffenden verstehen, dann sind Sie nicht up to date. Der Branchenprimus Substack hat sein Blog-Model, das im Vertrieb wie ein Abo funktioniert, zu einem sehr lukrativen Geschäft gemacht. Der erfolgreichste Substacker, The Dispatch, knackte im März letzten Jahres die Million Jahresumsatz.

Zeit auf den Zug aufzuspringen: Im Januar kaufte Twitter die Newsletter-Plattform Revue. Jetzt gab Facebook bekannt, Bulletin gekauft zu haben und ab sofort auch in dieses Geschäft einzusteigen. Damit signalisiert Zuckerberg, dass er weiter an einer alten Idee festhält. Facebook soll Publishing können und damit auch noch Geld verdienen. Noch erlaubt Facebook keine Anmeldungen, hat aber schon einige Autoren in der Beta-Test-Phase, deren Arbeit man sich anschauen kann. Und wie wir meinen: Das sollten Sie sich mal anschauen. >> bulletin.com

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#Facebook – Hallo Zukunft

Und nochmal Neuigkeiten aus dem Hause Zuckerberg. Das Social Network wird zukünftig stärker auf Augmented- und Virtual Reality setzen. Das kommuniziert ein aktueller Report des Hauses. Die Argumente: Die Einstellungen von AR/VR-Ingenieuren haben massiv zugenommen und man erwarte, dass 75 Prozent der Unternehmen diese Technologie verstärkt nutzen wird. Davon ab sind selbst veraltete Nutzer-Devices mittlerweile fit genug für die Anforderungen und Konsumenten sind einfach offen dafür. Interessante Pläne >> Hello Future!

Quelle: FB-Blog

#DonaldTrump – Das Strohfeuer der Freiheit

Mit dem Blog „From the desk of Donald J. Trump“ wollte der realitätsverwirrte Ex-Präsident ein „Leuchtfeuer der Freiheit“ sein. Nach nur einem Monat hat die orange Erscheinung wohl keine Lust mehr aufs Schreiben. Kurzum: Das Blog ist geschlossen, das Leuchtfeuer war wohl eher ein Strohfeuer. Und das ist bei Weitem noch nicht annähernd die peinlichste Geschichte aus den Nachwehen seiner hoffentlich singulären Regentschaft.

#HydroHype – Szene prankt sich selbst

Manche feiern diesen Vorfall schon als Influencer-Skandal des Jahres. So weit würden wir nicht gehen. Es legt nur offen, in was für einer merkwürdigen Welt sich die neue Mediengeneration entwickelt. Aber Schritt für Schritt.

Erster Akt: Der Prank. Youtuber Marvin Wildhage wollte beweisen, dass Insta-Influencer für Geld alles machen. Das Mittel der Beweisführung sollte, wie man heute so schön sagt, ein Prank sein. Eine frei erfundene Super-Gesichtscreme namens „HydroHype“, die aber im Grunde nichts anderes als Gleitcreme war. Alle Details in seinem Cover-Video – zugegeben, das ist schon witzig gemacht.

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Zweiter Akt: Das hat Konsequenzen. Wenig überraschend fallen einige Influencer auf die Gesichtscreme rein und werben in gewohnter Manier. Das heißt, mit erfundenen Geschichten und viel heißer Luft. Aufgeflogen sind sie alle allerdings erst, nachdem Wildhage die Katze aus dem Sack gelassen hat. Es folgen peinliche Entschuldigungen; eine Influencerin kündigt sogar ihrem Management.

Dritter Akt: Die Entgleisung. Speziell dem „Content Creator“ Leon Machère geht das wohl zu sehr an die Ehre. Sein Management meldet sich bei Marvin Wildhage, bedroht ihn und deutet an, Geldeintreiber eines Clans, einer Familie „El Egnu“, vorbeizuschicken. Später stellt sich heraus, dass dies wiederum ein Prank von Machère war. Für Youtuber Unge war das allerdings schon zu viel.

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Vierter Akt: Geheuchelte Versöhnung. Machère veröffentlicht das Video seines Pranks und behauptet, alles schon vorher durchschaut zu haben. Wenig glaubwürdig. Sogar der allseits respektierte Rezo ist sich nicht zu blöd, diesen Stunt, der faktisch die Vortäuschung einer Straftat war, seinen Respekt zu zollen.

Fazit: Youtuber- und Influencer-Szene sind ein merkwürdiger Haufen, der am Ende doch alles für Geld macht. Davon, dass Influencer aufs Kreuz gelegt wurden, spricht keiner mehr. Dass einer dieser Bagage auf dem Ticket selbst einen ziemlich unglaubwürdigen Stunt inszeniert hat, ist aber das Gespräch der Szene. Bedeutungslosigkeit Deluxe.

Es gilt die Faustregel der Selbstreferenz: Es wäre nicht relevant, wenn sich die Protagonisten nicht gegenseitig dafür feiern würden.

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#CocaCola – Das Spiel mit den politischen Flaschen

Cola-Flaschen individualisieren? Kein Problem. Via Personalized-Bottle kann man sich auf der Seite des Brausefabrikanten Flaschen mit dem eigenen Label machen. CNN Business haben mal ausprobiert was geht und was nicht geht: White Lives Matter ist ok, Black Lives Matter nicht. Gay-Pride geht nicht, White-Pride ist ok. Lesbian geht nicht, I’m a Nazi ist top in Ordnung.

Der Getränkekonzern erklärt dazu, dass das Programm nicht ausgereift sei und permanent aktualisiert werden müsse. Davon ab ist das nur der Online-Vorlagen-Editor. Die Labels werden immer auch einer Prüfung unterzogen und im Zweifelsfall nicht gedruckt. Das macht Sinn und ist auch glaubwürdig. Mittlerweile wurde der Online-Editor auch aktualisiert. Aber offensichtlich wird man noch viel zu prüfen haben – wie unser Test (s. Bild) zeigt.

#503 – Kein Anschluss unter dieser Nummer

Fehlercode 503 – Seite nicht zu erreichen. Das bekamen Nutzer Anfang Juni beim Versuch angezeigt, Seiten von Amazon und Reddit bis Twitch und New York Times anzusteuern. Der Server-Streik ging auf einen Ausfall des CDN-Anbieters Fastly zurück. Content Delivery Networks sind Cloud-Dienste, die Inhalte wie Bilder für Websites zur Verfügung stellen, aber auch Hackerangriffe abwehren können. Der Vorfall zeigt leider auch, dass das Internet von vielen kleinen Anbietern abhängig ist. Und da reicht schon ein marginal kleiner Fehler, um riesige Netzwerke ausfallen zu lassen.

#Telegram – Avocadolf und das verlorene Volk

Für einen mit Haftbefehl gesuchten Hetzer, finden wir einen Blümchenhintergrund für seinen neuen Telegram-Account sehr optimistisch.

Wir kennen das von den Nationalsozialisten. Das 1000-jährige Reich hat dann am Ende zum Glück doch „nur“ 12 Jahre gehalten. Und auch die Telegram-Herrschaft des GröVaZ, also des größten Veganers aller Zeiten, ist zeitlich begrenzt. Mit anderen Worten: Attila Hildmann hat seine Social-Media-Heimat Telegram verloren.

Via Desktop war der Account noch ein paar Tage erreichbar, aber der alte Account ist dort auch nicht mehr auffindbar. Wenig verwunderlich, dass der Reichsveganer mittlerweile wieder ein neues Profil hat – gleicher Mumpitz, weniger Anhänger. Niemand wird daran zweifeln, dass Telegram von Figuren wie Hildmann profitiert. Allerdings will das Unternehmen auch nicht aus den Stores von Apple und Android fliegen. Und genau unter der Taktik ist der ganze Stunt wohl dann auch zu verbuchen.

#KhabyLame – Duh!

Und zum guten Schluss: Der englische Ausdruck Duh! bedeutet so viel wie ein genervtes „Ach nee“. Und so muss sich wohl Khaby Lame, der im Moment angesagteste Internet-Star mit Heimat auf TikTok, bei seinen Clips fühlen. Lame stellt dabei die unzähligen Life-Hack-Clips bloß. Und damit spricht er wohl nicht nur uns dem Herzen: Knapp 80 Mio. TikTok-Follower innerhalb eines Jahres. Das ist nicht nur eine Menge, er nimmt mit seiner Beliebtheit auch Kurs auf die Spitze, an welcher sich zurzeit noch die US-Influencerin Charli D’Amelio mit 118 Mio. befindet. Fragt sich nur, wie lange noch.

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Artikelbild: Collage socialmediakonzepte.de / geralt (pixabay)

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