Beschaulicher Jahresausklang? Pustekuchen! Hackerangriffe, Facebook als wackelnder Riese und Cybermobbing: Der Jahresausklang dieses verdammten Pandemie-Jahres ist weder leise noch uneingeschränkt positiv. Aber wir versprechen auch Erbauliches: Zum Ende hin räumen wir den Jahrestrends auf YouTube nochmal etwas mehr Raum ein – und das wird versöhnlich. Wir empfehlen also, die ganz große Tasse Kaffee zu holen – das könnte jetzt etwas länger dauern. Gute Unterhaltung: der Dezember.

#Airbnb – Big Money für Wohnraum-Sharing

Airbnb wird jetzt an der Börse gehandelt. Da wird jetzt der eine oder andere sagen, dass das ja irgendwann kommen musste. Manche könnten auch darauf verweisen, dass Airbnb gerade 2020 eher im Erwirtschaften von Verlusten groß war: Vor dem letzten Quartal hat der Erzfeind der Hotelbranche nämlich mehr Schulden als Gewinne gemacht.

Aber das ist etwas sehr kurz gedacht und der Börsenhandel hat bekanntlich seine eigenen Regeln. Mit anderen Worten: Der Börsenstart war fulminant und die Finanzwelt scheint Großes in Airbnb zu sehen. Und wer wissen will, wieso die Bewertung von Aktien komplizierter als das Aufrechnen von Gewinnen und Verlusten ist, sollte sich diese Analyse zu Gemüte führen:

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#Cyberattacke – Der schutzlose Riese

Seit vermutlich März haben Hacker Malware in die Infrastruktur diverser amerikanischer Netzwerke eingeschleust und sich so Zugang zu zahllosen Unternehmen verschafft, aber auch zu vielen Ministerien. Selbst die als Hacker-Jäger bekannten Sicherheitsexperten von FireEye sind der Attacke zum Opfer gefallen.

Angefangen hat es bei der Softwarefirma SolarWinds, von wo aus sich die Malware via Updates auch an die Kunden des Unternehmens verteilt hat. Wenn man bedenkt, dass der Kundenkreis von AT&T oder Siemens bis hin zur NATO reicht, kann man sich denken, welche Kreise dieser Angriff gezogen hat. Klar ist aber jetzt schon: Das volle Ausmaß ist noch nicht annähernd bekannt und mit der Bewältigung wird auch der nächste Präsident beschäftigt sein.

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#Shakira – Ohrwurm gefällig?

Wer noch unbedingt nach einem fast schon Schmerzen verursachendem Ohrwurm lechzt: Bitte schön, eine Compilation der im Dezember sehr beliebten #GirlLikeMe-Challenge auf TikTok. Das kolumbianische Stimm- und Hüftwunder Shakira hat für ihren Song mit den Black Eyed Peas ein Video produziert, welches offensichtlich zum Nachmachen animiert. Uns gefällt im Originalvideo von Shakiras Girl like me vor allem das Aerobic-Outfit und der Moonwalk – die 80er werden halt nie sterben. 😉

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#Biontech – Laborschnüffler

Die nächste Cyberattacke war irgendwie vorauszusehen: Während die Daten des Biontech-Impfstoffes bei der Europäischen-Arzneimittel-Behörde EMA zur Prüfung lagen, verschafften sich Schnüffelnasen Zugang zu deren Servern und zapften dabei unter anderem eben auch Informationen zum Corona-Impfstoff ab. Biontech selbst versicherte, dass es nicht angegriffen wurde – lediglich die Amsterdamer Prüfbehörde. Glücklicherweise kann uns das ja egal sein, denn der Impfstoff wurde ja zugelassen und wird bereits verabreicht.

#FakeNews – Der Steve und der Mark

Man lasse sich Folgendes auf der Zunge zergehen: Steve Bannon, der dunkle Lord hinter Trumps Strategien, machte im November mit seiner Forderung, den FBI-Direktor und den Immunologen des Weißen Hauses, Dr. Fauci, zu enthaupten, Schlagzeilen. Während Twitter Bannons Account daraufhin stilllegte, brauchte Facebook zehn Stunden, um diese Gewaltphantasien zu entfernen.

Kurz zuvor wurde noch bekannt, dass Bannon auf Facebook ein Netzwerk an Fake-News-Seiten betrieb. Was wohl passieren würde, wenn wir uns so etwas erlaubten? Im Falle Bannon wissen wir, was passiert: Mark Zuckerberg sieht angesichts dieses Verhaltens keinen ausreichenden Grund, Bannon zu sperren. Wir wollten das einfach nochmal vor Augen führen. Aber wo wir gerade auf dem Zuckerberg stehen:

#FTC – Death to Facebook

Die US-Regierung und 40 Bundesstaaten wollen via FTC Facebook zerschlagen. Nun wäre das nicht der erste Großkonzern, der den Antitrust-Gesetzen zum Opfer fiele. Andererseits hat ja gerade die FTC den Fusionen mit WhatsApp und Instagram, so wie dem Aufkaufen zahlreicher Startups, stets zugestimmt. Allerdings ist auch möglich, die frühere Zustimmung wieder zurückzunehmen.

Die Vorwürfe sind nicht neu: Facebook nutze seine monopolistische Marktposition aus, um sich widerrechtliche Vorteile zu verschaffen. Noch gibt es keine Fortschritte in der Klage, aber wir haben das Gefühl, 2021 werden wir noch einiges dazu hören.

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#Cybermobbing – Der Wind wird rauer

Seit 2013 veröffentlicht das Bündnis gegen Cybermobbing die Referenzstudie Cyberlife. Ende November ist die aktuelle Ausgabe der Studie erschienen und es sieht nicht gut aus: Cybermobbing hat in den letzten 7 Jahren um knapp 40 Prozent zugenommen. Auch die Corona-Krise hat zu mehr Online-Zeit bei Kindern geführt, was die psychologische Gewalt nochmal steigen ließ.

Praktische Hilfe bietet seit 2017 die Organisation Hate-Aid zusammen mit dem Hessischen Justizministerium an. Einerseits durch aktive Hilfe für die Opfer, aber auch direkt im digitalen Raum: Im Dezember ist die Hate-Aid-Meldeapp erschienen. Wie gut die App ist, kann man noch nicht sagen. Aber die Kommentare im Play-Store dokumentieren schon mal, dass so eine App wichtig ist. Facebook-Trolle und Querdenker diskreditieren die App als Feind der Meinungsfreiheit.

#CODBOCW – Reminder: Reagan war ein Drecksack!

Wir haben da was gesehen und es brennt uns unter den Nägeln: Liebe Millennial-Gamer, Ronald Reagan war kein Badass-Präsident. Warum schreiben wir das hier überhaupt? In der aktuellen Auflage der Spielreihe Call Of Duty, Black Ops Cold War, hat der amerikanische Präsident, der die 80er Jahre wie kein anderer prägte, einen bemerkenswerten Auftritt. Und es entsteht der Eindruck, wir hätten es mit einem roughen Helden-Charakter zu tun. Nun, da es eine reale Person der Historie ist und jüngere Generationen vielleicht auf diesem Wege glauben, etwas über einen ehemaligen Präsidenten zu erfahren, müssen wir als Zeitzeugen sagen: Bullshit!

Reagan war vieles: Ein Lügner, ein rechter Radio-Talkmaster und ein Schauspieler, der während der Red-Scare-Ära andere Schauspieler ans Messer lieferte. Reagan war auch der Architekt eines menschenverachtenden Wirtschaftsmodells (Reaganomics), das jeden zerstörte, der höher-schneller-weiter nicht mitgehen konnte. Wir könnten die Liste weiterführen. Reagan war vieles, aber auf jeden Fall nicht der charismatische Badass-Leader, der uns in diesem Computerspiel vorgegaukelt wird.

Und das ist nicht nur uns aufgefallen: Verge merkt zynisch an, es sei gut, wenn uns der Präsident versichere, dass wir in dem Spiel Gutes tun – zumal wir Kriegsverbrechen begehen sollen. Kotaku wird deutlicher: „Falls ihr es nicht mitbekommen habt – Reagan war ein Drecksack„. Und viele weitere Medien stoßen sich auch am Auftreten des 40. Präsidenten in der Spielserie. Weil die Darstellung fern der realen Person ist und weil die reale Person einiges auf dem Kerbholz hatte. Wir befürchten, das wird nicht das letzte Mal sein, dass die jüngere Generation aus dramaturgischen Gründen ein verzerrtes Bild historischer Fakten vermittelt bekommt.

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#Ransomware – Funke Down

Der letzte große Angriff des Jahres hatte die Funke-Mediengruppe zum Ziel. Genaue Informationen hat man, trotz zahlreicher Presseberichte, noch nicht wirklich. Was jedoch schon bekannt ist: Alle Standorte bundesweit (u.a. Essen, Hamburg, Braunschweig, Berlin, Leipzig) sind betroffen und das Landeskriminalamt NRW hat die Ermittlungen aufgenommen.

Wie der Angriff erfolgte, ist bereits bekannt: mit Ransomware. Das heißt: Irgendwer hat wohl einen Link geklickt und damit die Hacker ins Unternehmen gelassen, alle Daten wurden verschlüsselt und dann folgte ein Erpresser-Schreiben, mit einer Lösegeldforderung nach Bitcoins. Alle weiteren kursierenden Informationen, so wissen wir aus sicherer Quelle, sind bisher nur Mutmaßungen. Der Vorfall dokumentiert jedoch einmal mehr, dass der Umgang mit jeder Form der digitalen Kommunikation weiterhin geschult werden muss – alles andere ist gefährlich und wird teuer.

#YouTube – Good News Everybody

Und zum Abschluss doch noch etwas Erbauliches. Die deutschen Top-Trending-YouTube-Videos des Jahres 2020 stehen fest. Und die Top 3 ist weiblich und problembewusst – oder wie man heute sagen würde: woke. Na ja, auch nicht ganz. Aber, alles im Einzelnen:

Über Platz drei darf sich Beauty Bibi mit dem etwas dekadenten Rundgang durch ihr überdimensioniertes Haus freuen. Wir sind da etwas skeptisch: Bibis Crib kommt sehr steril ohne jegliche persönliche Note rüber. Ob das echt ist? Wir glauben nicht. Aber wer ein wahrer Bibinator ist, hinterfragt das nicht.

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Auf dem zweiten Rang finden wir „Männerwelten – Belästigung von Frauen“, aus der Pro7-TV-Show von Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf. Wichtig, schockierend und eigentlich eher eine Kurz-Doku zur sexueller Belästigung und Misshandlung von Frauen in den sozialen Netzwerken.

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Und auf dem ersten Platz landet die Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim. Ihr YouTube-Kanal maiLab gehört ohne jeden Zweifel zu den erfolgreichsten und wertvollsten Medienangeboten des Jahres. Völlig zu Recht moderiert die Heppenheimerin seit 2018 die Wissenschaftssendung Quarks.

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Auch auf den folgenden Plätzen 4 und 5 finden wir Content mit Qualität: Rezos Zerstörung der Presse und Harald Lesch mit einem Erklärbär zur Panik in Corona-Zeiten. Wenn die YouTube-Statistik zumindest etwas repräsentativ für die Informationspräferenzen der jüngeren Generationen ist, fühlen wir uns immens beruhigt.

Und jetzt noch etwas Lehrreiches zur YouTube-Dynamik: Wenn wir die Views heute betrachten, stimmt dieses Ranking nicht mehr. Grund dafür ist, dass für die Auswertung der Zeitraum Januar bis Mitte November gewertet wurde. Mit der Meldung der Top-Trendings 2020 wurden da wohl noch mal ein paar Videos geboostet.

Jetzt könnte man etwas enttäuscht sein, dass ausgerechnet Bibis fake-ass Haus-Führung nochmal die ersten beiden Plätze hinter sich gelassen hat. Aber dann sieht man auch, dass Prof. Dr. Harald Lesch letztlich alle überholt hat. Das freut uns und deshalb zeigen wir ihn hier auch nochmal.

Prosit Neujahr!

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Artikelbild: pixelcreatures (Pixabay-Lizenz)

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