Warum kann man in Russland trotz Blockade weiter gefahrlos westliche Netzwerke nutzen? Warum läuten in Wien nachts die Glocken? Und wie wurde eine Schmierenkampagne zum Boomerang für Facebook? Die Antworten gibt es wie immer in unserem Monatsrückblick. Dazu noch eine wichtige Entscheidung der EU, welche die Karten für große Konzerne neu mischen könnte. Also noch mal Kaffee holen und dann gute Unterhaltung: der März.

#EU – Was ist das Digitale-Märkte-Gesetz?

Das letzte Mal, als in Europa rechtliche Rahmenbedingungen für das Internet festgelegt wurden, wusste man noch nichts von Hatespeech, Fake News oder eben der Marktdominanz der großen Internet-Konzerne. 2020 legte die EU daher ein großes Paket neuer Regularien vor. Wie sich zeigte, kam man mit Handelsbestimmungen des analogen Marktes der Digital Economy nicht bei. Und im Internet muss verboten sein, was auch in der Offline-Welt nicht rechtens ist.

Europarat und EU-Parlament haben sich nun auf den Digital Market Act (DMA) geeinigt, der bereits 2023 in Kraft treten könnte. Darin geht es in der Hauptsache darum, dass die großen Konzerne als „Gatekeeper“ definiert werden und in dieser Position ihre Marktmacht missbrauchen können. Darüber hinaus wird beabsichtigt, dass Messenger-Dienste sich untereinander öffnen.

Während es im DMA um Wettbewerbsregeln geht, wird im noch folgenden Digital Service Act (DSA) mehr operativ auf Inhalte geschaut. Das heißt: Was sind illegale Inhalte? Wie weit darf Targeting gehen? Wie wird der Verbraucher geschützt? Gut, 2022 wird noch einiges passieren.

#GIF – Der Vater des bewegten Bildes ist tot

Bereits 1987 erfunden, lange vergessen, dank Social Media triumphal wiederauferstanden: Das Graphics Interchange Format, kurz GIF, hat einen langen und steinigen Weg hinter sich. Sein Erfinder Steven Wilhite ist nun im Alter von 74 Jahren gestorben. Tragischerweise scheint die Ursache eine Covid-Erkrankung gewesen zu sein. Während viele andere Erfinder oftmals leer ausgegangen sind, soll Wilhite rund 20 Mio. mit der Entwicklung des GIF verdient haben. Bleibt nur noch eine Frage zu beantworten: Wie wird es ausgesprochen? Gif oder Jif?

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#Mobilsicher – Guck mal, wer da betet

Wer es noch nicht wusste: Es gibt Apps für gläubige Muslime, die an die Gebetszeit erinnern, die Richtung gen Mekka anzeigen und unterschiedliche kleine Service-Features bieten. Das Service-Portal Mobilsicher hat die Bet-Hilfen mal etwas genauer unter die Lupe genommen – und das sah nicht immer so beseelt aus (>>hier<<). Neun von dreizehn getesteten Apps geben die Standorte unverschlüsselt an Drittanbieter weiter.

Je nach Region der Erde kann dies unterschiedliche Konsequenzen haben. Bei uns sind solche Daten eher werberelevant. Im asiatischen Raum, wo Muslime mancherorts verfolgt werden, können solche Standortangaben tödliche Folgen für die Gläubigen haben. Die Redaktion fragte auch bei islamischen Verbänden an, welche Apps sie empfehlen können. Die wussten auch keine sichere Alternative.

#Stephansdom – Nächtlich, die Glocken, sie klingen

Man staunt immer wieder, was nicht alles automatisiert läuft. Im Wiener Stephansdom läutet schon lange kein Glöckner mehr. Dafür gibt es eine externe Fima, welche die 22 weltberühmten Glocken auf digitalem Wege zum Bimmeln bringt. Und was digital ist, kann gehackt werden. Das ist dann auch die Erklärung dafür, warum in einer März-Nacht das volle Geläut um 02:11 Uhr morgens losging. Wie der lautstarke nächtliche Hackerangriff dann geklungen haben muss – hören Sie selbst:

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#Typatone – Wie klingt mein Name?

So und jetzt ein Spielzeug, um etwas Zeit sinnlos zu verplempern: Das browserbasierte Tool Typatone.com verwandelt Buchstaben in Töne und folglich Worte in Melodien. Welchen Sinn das machen könnte, kann jeder für sich entdecken. Die Spielerei verfügt über verschiede Features: Download als WAV-Datei, Text gestalten und einfügen, Melodien teilen, unterschiedliche Sound-Variationen. Typatone hat das Potential sowohl süchtig zu machen als auch nach kurzer Zeit unendlich auf den Geist zu gehen. Probieren Sie es selbst.

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#Russland – Halbgarer Kuhhandel

Der Krieg in der Ukraine sorgt täglich für unzählige Meldungen. Aus Social-Media-Sicht war die große Frage, ob und wie lange die Branchen-Granden noch nutzbar sind. Zunächst verbot ein Moskauer Gericht die Netzwerke Facebook und Instagram. Twitter wurde ebenfalls blockiert. Nun sorgte diese Entscheidung jedoch für Unmut, da viele Russen die Meta-Plattformen zum Geldverdienen nutzen und ihnen damit die Verdienstgrundlage genommen wurde. Daher wurde kurzerhand im Urteil mit erklärt, dass die Nutzung der Netzwerke nicht unter Strafe steht.

Was wohl damit eher gemeint ist: Die Nutzung von VPNs wird toleriert. Denn ohne die Datentunnel in den Westen ist das freie Internet für die Russen nicht nutzbar. Und diese Tunnel erfreuen sich heißester Beliebtheit: Laut aktuellen Messungen stieg seit dem Verbot und der Blockade vieler westlicher Dienste die Nutzung von VPNs in Russland um über 10.000-Prozent. Da muss sich der halbnackte Reiter aus dem Kreml wohl eingestehen: Blinde Gefolgschaft sieht anders aus.

#Reichelt – Der Arno-Dübel unter den „Journalisten“

Gäbe es den Titel „Alter weißer Mann des Monats“, er würde (mal wieder) an Ex-Bild-Chefredakteur Julian Reichelt gehen. Erst legt er via Twitter nahe, dass Long-Covid-Erkrankungen eher was mit Faulheit zu tun hätten, und erntet dafür unter anderem den Titel „Der Arno-Dübel unter den Journalisten“. Dann trollt er die Sendung mit der Maus, weil dort ein Transsexueller in einer Sendung vorgestellt wurde. Natürlich nicht, ohne die entsprechenden Reaktionen zu ernten. Er ist und bleibt die fleischgewordene Peinlichkeit.

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#Meta – Facebooks Schmierentheater wird zum Boomerang

Laut einem Bericht der Washington Post hat Facebook ein Lobbyisten-Büro beauftragt, TikTok in Verruf zu bringen. Neben der verbreiteten Binsenweisheit, dass TikTok-Challenges schlecht für Kinder seien, steht auch der Vorwurf im Raum, der Lobbyist Targeted Victory hätte erfundene Geschichten über die Video-Plattform verbreitet. Darüber hinaus verortet die WaPo das Unternehmen im konservativen Lager und nennt den Lobbyisten eine republikanische Firma.

Der Bericht der Post muss für das Unternehmen ein alarmierender Weckruf gewesen sein und empfindliche Knöpfe gedrückt haben. Denn der CEO Zac Moffatt meldete sich unmittelbar via Twitter, um den Bericht in sieben Teil-Tweets zu diskreditieren und zu erklären, dass man kein republikanisches Unternehmen sei. Leider meldete sich auch die Autorin der Post und merkte an, dass sie immer noch auf seinen Rückruf warte.

Das grenzt schon an einen dämlichen Fall von Streisand-Effekt, wenn der Chef eines Unternehmens, welches eine Schmierenkampagne inszenieren soll, selbige Aktion durch seine dünnhäutige Reaktion öffentlich breit tritt. Kundenschutz scheint für den guten Mann ein Fremdwort zu sein. Wir sind gespannt, wann Facebook aktiv in den Vorfall reingezogen werden.

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#SMS – Technik-Zombie mit Funktion

Die Bundesnetzagentur hat errechnet, dass 2021 erstmals wieder mehr SMS versendet wurden. Genau genommen 800 Millionen Kurznachrichten mehr als noch 2020. Mit 7,8 Milliarden Kurznachrichten ist das alte Format gerade mal auf dem Stand von 2019. WhatsApp braucht für so ein Volumen allerdings lediglich ein paar Stunden. Also von Boom kann man kaum reden.

Es wird trotzdem keine Momentaufnahme bleiben, denn der Grund ist durchaus zeitgemäß: Die zunehmenden Zwei-Stufen-Authentifikationen via SMS und gehäufte Ausfälle großer Netzwerke. Totgesagte leben länger.

#Beckham – Doktor Iryna, übernehmen Sie!

Die Krise in Osteuropa zwingt natürlich auch immer wieder Prominente, Stellung zu beziehen. Und das heißt in der Regel: Was tut ihr eigentlich? Und oftmals sieht man entweder wirkliches Engagement oder das genaue Gegenteil, meist in Form von bedeutungsschwangeren Solidaritätsbekundungen, vielleicht noch mit einem neuen Profilbild.

Ein schönes Beispiel, wie man als Promi mit wenig Aufwand wirklich helfen kann, bot Ex-Kicker David Beckham: Für einen Tag überließ er seinen Instagram-Kanal einer ukrainischen Ärztin aus Charkiw, welche die Storys nutzte, um den Alltag in einer Entbindungsklinik unter Kriegsbedingungen zu zeigen. Die Storys sind auch weiterhin abzurufen. So einfach, so effektiv.

 

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#YouTube – Baby Shark, doo doo doo doo doo doo

Und zum friedlichen Ende noch eine neue Benchmark: Wer erinnert sich noch an den Hype, als Psys „Gangnam Style“ alle Rekorde gebrochen hat? Das ist schon sehr lange sehr kalter Kaffee. Der Koreaner ist mittlerweile „nur“ noch auf Platz 11 der meistgeschauten YouTube-Videos. Die Top-Ten ist heute ein Sammelsurium aus nervigen Pop-Songs und Kinderreimen. Bereits Anfang 2021 übernahm der zermürbende „Baby Shark Dance“ die Spitze des Rankings der Most-Viewed-Youtube-Videos. Und das konnte kürzlich nochmal getoppt werden: Der nervige Hai ist nun das erste Video, das über 10 Milliarden-mal aufgerufen wurde. Wir warnen trotzdem davor, das Video (s.u.) abzuspielen – den Ohrwurm werden Sie den ganzen Tag nicht los.

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Artikelbild: GraphicMama-team / pixabay 

Monatsrückblick Netzwelt

Ein Kommentar zu "Baby Shark und die Glocken in der Nacht – Monatsrückblick März"

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