Seit knapp zwei Jahren drängen NFTs in den digitalen Markt. Wer das für Mumpitz hält, könnte sich irren. Wer glaubt, schon alles darüber zu wissen, ebenfalls. Von Basics bis Missverständnissen: Unsere kleine Einführung.
NFT – Muss ich das wissen?

Die sogenannten Non-Fungible-Tokens sind bereits vor gut zehn Jahren im Kontext von Krypto-Währungen und Blockchains aufgetaucht. Das steigende Interesse von Finanzspekulanten an Bitcoins, Ethereum & Co., vor allem aber die großen Vermögenswerte, die seit gut zwei Jahren via NFTs verschoben wurden, haben die Experimentierfreude der Digital Economy beflügelt.
Wer also im Alltagsleben nicht viel mit großen Vermögenswerten oder der digitalen Ökonomie zu tun hat, wird auch zukünftig wenige Berührungspunkte mit NFTs haben. Aber es ist zweifelsohne ein Teil der allgemeinen Netzkultur und vielleicht sogar der Pop-Kultur, also unserer aktuellen Alltagskultur. Und es ist ebenfalls untrennbar mit dem Thema Blockchain verbunden, welches sicherlich nicht mehr verschwinden wird. Wer da noch etwas Nachhilfe braucht, darf ruhig weiterlesen.
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Was heißt NF und was ist das T?
Machen wir es old-school und nehmen einfach erstmal den Begriff auseinander. Keine Bange, eine oberflächliche Erklärung wird reichen. Also: Was ist ein Token? Und wenn es non-fungible gibt, was ist dann fungible?
Token
Der Begriff Token bedeutet in seiner Wortherkunft lediglich Zeichen. In der Geschichte gibt es zahlreiche Beispiele für symbolische Gegenstände, die als Tokens gelten. So nannte man beispielsweise im englischsprachigen Raum Wertmarken oder Scheidemünzen (Geldstücke, deren Material nicht dem Prägewert entsprachen) Tokens.
Im digitalen Kontext und der Informatik kommt der Begriff in mehrfacher Bedeutung vor. Meist ist dabei ein Token eine bestimmte Zeichenfolge oder die Gesamtheit bestimmter Informationen. Für uns ist hier jedoch eher von Interesse, dass etwas zum Token gemacht wird: die sogenannte Tokenisierung.
Tokenisierung schafft Kryptowerte
Mit jeder Aktion in einer Blockchain kommt ein neuer Block hinzu, in welchem einerseits alle vorangegangenen Aktionen protokolliert werden – das macht die Blockchain fälschungssicher. Andererseits enthält dieser neue Block natürlich auch Informationen über Besitzrechte oder Wertemengen. Durch die Feststellung dieser Rechte und Mengen in einem Block, werden sie „tokenisiert“, wodurch natürlich auch automatisch ein Kryptowert entsteht.
Noch einfacher ausgedrückt: Ein bereits existierender Wert bekommt ein digitales Zertifikat in der Blockchain. Stellten wir uns diese Blockchain als Aneinanderreihung von Kontoauszügen oder Besitzurkunden vor, würde die Tokenisierung der Ausstellen dieser Dokumente, und somit das Festhalten des Besitz-Status entsprechen.
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Non-Fungible vs Fungible
Das deutsche Wort für fungible lautet „austauschbar“. Ein beliebtes Beispiel zur Verdeutlichung dieser Austauschbarkeit ist Bargeld: Ein Euro-Stück ist austauschbar, weil jeder Euro genau diesen Wert, nämlich einen Euro, hat. Kryptowährungen wie Bitcoins müssen natürlich fungible sein, weil man mit ihnen ja sonst nicht als Zahlungsmittel arbeiten könnte.
Hätten wir jedoch einen Euro, der einzigartig ist, weil es ihn nur einmal gäbe, wäre sein Wert vermutlich auch höher als ein Euro. Sein Wert wird dann dadurch bestimmt, dass ihm eine Besonderheit zugeschrieben wird und er daher nicht austauschbar, also wie jeder andere Euro, wäre. Damit wäre das Geldstück in logischer Konsequenz non-fungible.
Ohne Blockchain geht es nicht
NFTs entstehen also durch die Tokenisierung von Eigentumsrechten. Deshalb brauchen wir natürlich auch die Strukturen, um Tokens zu erstellen – sprich, eine Blockchain. Das Ethereum-Netzwerk ist hier zur Zeit noch die bevorzugte Plattform für den Handel. Aber, gleich welche Alternativen es in Zukunft auch geben wird, NFTs werden in Kryptowährungen festgeschrieben, also geht ein direkter Handel in Dollar oder Euro nicht.
Wenn wir also hören, dass beispielsweise ein Kunstwerk als NFT für zigtausende Euro verkauft wurde, ist das nur der Umrechnungswert. Faktisch wurde das Kunstwerk in einer Kryptowährung verkauft. Das zu verstehen ist wichtig, wenn man die Kritik an NFTs als Spekulationsgegenstand einordnen will (s.u.).
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Kritik und Skepsis
Zumindest die sachliche Kritik an dem NFT-Hype zielt gar nicht mal auf die Idee oder das System selbst ab. Die Skepsis gilt den hohen spekulativen Summen, welche den Trend maßlos boosten. Wird da gerade eine neue Bubble-Economy aufgebaut? Beispiele wie die Immobilienkrise im Japan der 90er Jahre oder die berühmte Dotcom-Blase schießen sofort durch den Kopf.
Die Skepsis ist nicht aus der Luft gegriffen. Kryptowährungen sind nicht gerade für ihre Stabilität bekannt. Bitcoins haben seit Mitte 2020 eine wilde Spekulationsfahrt aufgenommen, welche den Kurs durch Wertschwankungen von über 20.000 Euro pro Bitcoin gejagt hat. Noch wird der für NFTs relevantere Ether nicht so stark aufgeblasen – aber 2022 könnte das, dank NFTs eben signifikant verändern.

Immateriell oder physisch real
Bekanntheit haben die teuren Token bisher vor allem für digitale Kunst erlangt: Da war die Collage von Beeple oder auch das berühmte Nyan-Cat-GIF. Aber auch für andere digitale Sammlerobjekte wie die erste SMS der Welt oder der ursprüngliche Quellcode des World Wide Web, haben als teure NFTs neue Besitzer gefunden.
