Halluzinieren Gamer, wenn sie zu lange gespielt haben? Kann ich mir mit einem Blick einen reichen Mann angeln? Und wieso weiß ChatGPT nicht, wie spät es ist? Antworten auf diese Fragen und weitere spannende Meldungen aus der Netzwelt vergangenen Monats findet ihr wieder in unserem Monatsrückblick. Macht es euch bequem und dann gute Unterhaltung: Der November.
#Urheberrechte – Gema vs. OpenAI
Die Gema hat OpenAI wegen Urheberrechtsverletzungen verklagt – und gewonnen. Das Landgericht München gab der Verwertungsgesellschaft recht, nachdem sie anhand von neun bekannten deutschen Songs zeigte, dass GPT-4 und GPT-40 weitgehend vollständige Liedtexte ausgaben: Mit den richtigen Prompts konnten Texte von etwa Helene Fischer und Herbert Grönemeyer punktgenau „generiert“ werden.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, da OpenAI dagegen Berufung einlegen kann. Dennoch gilt es bereits als wegweisend, weil vergleichbare Verfahren in anderen Ländern laufen oder vorbereitet werden.
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#Tetris – Dreh nicht das Quadrat!
Und jetzt etwas Lehrreiches – nicht nur für Gamer: Wer lange Tetris gespielt hat und danach weiterhin bunte Steine fallen sieht – keine Sorge, alles normal. Das ist der Tetris-Effekt: Das Gehirn „spielt“ sozusagen nach intensiven Wiederholungen gewissermaßen weiter, weshalb im Alltag noch Formen oder fallende Blöcke vor dem imaginären Blick der Spieler auftreten. Durch Wahrnehmungs- und Lernprozesse lernt es, Muster blitzschnell zu erkennen und Lücken automatisch zu ergänzen. Das funktioniert ähnlich wie eine Art mentale Autovervollständigung.
Aber der Tetris-Effekt kann mehr. Er erklärt, wie unser Gehirn Informationen speichert, was unter anderem auch bei der Heilung von Zuständen wie Amnesie eine Rolle spielen kann:
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#Google – Gemini is watching you
In Kalifornien ist eine Sammelklage gegen Google eingereicht worden. Der Klage zufolge soll das Unternehmen ohne Wissen der Nutzer auf private Informationen aus deren Gmail-Konten zugegriffen haben. Gemini ist schon seit längerer Zeit in Gmail eingebunden.
Konkret kritisiert die Klage, Gemini sei ohne Nutzerzustimmung standarisiert integriert worden und werte dabei Gmail, also auch Mails, Chats und Daten aus Meet aus. Die Option, diese Funktion zu deaktivieren, sei sehr versteckt untergebracht und müsse manuell erfolgen.
Malwarebytes haben den Inhalt der Klage mittlerweile etwas relativiert. Wer trotzdem das Feature in Gmail abschalten will, siehe hier unten:
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#SlavicStare – Millionenblick oder kulturelles Stereotyp?
Auf TikTok macht ein Trend die Runde: Der „Slavic Stare“ (slawische Blick), mit dem reiche Männer angeblich verführt werden sollen. Die Inspiration kommt offensichtlich von stereotypen Darstellungen osteuropäischer Frauen. Kritiker werfen dem Trend vor, sexistisch und antislawisch zu sein.
Nicht ganz unbegründet, denn das, was hier kolportiert werden soll, sind hübsche Ostblock-Frauen mit überschaubarer Hirnleistung, die immer auf der Suche nach reichen Männern sind.
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#EU – Social Media Altersgrenze
In einer gemeinsamen Erklärung hat sich eine große Mehrheit im EU-Parlament für eine Nutzung von Social Media und KI-Chatbots ab 16 ausgesprochen. Von 13 bis 15 Jahren sollen Eltern entscheiden, unter 13 Jahren ist die Nutzung grundsätzlich tabu. Zudem sollen süchtig machende App-Features wie Lootboxen und Glücksspiel-Elemente für Minderjährige verboten werden.
Zur Verdeutlichung: Die gemeinsame Erklärung ist natürlich nicht rechtlich bindend. Aber auch in der EU-Kommission wird bereits über Ideen einer gesetzlichen Regelung gesprochen. Australien hat ein solches Verbot bereits letztes Jahr beschlossen. Die Regelung wird jetzt im Dezember in Kraft treten.
#News – Und dann war da noch…
- #Meta: Zuckerbergs unterschlagen Studie zu psychischen Konsequenzen. <<hier mehr>>
- #Apps: Neun digitale Helfer für den Alltag. <<hier mehr>>
- #Chatbot: ChatGPT weiß nicht, wie spät es ist. <<hier mehr>>
- #Bitkom: Die knappe Hälfte fragt Doktor Chatbot bei Beschwerden. <<hier mehr>>
- #Facebook: Meta schaltet 2026 den Like-Button ab. <<hier mehr>>
#KIFails – Alarm, er hat eine Chipstüte!
Im Bezirk Baltimore (Maryland) wird seit vergangenem Jahr ein KI-gestütztes System zur Waffenerkennung an Schulen eingesetzt. Es wertet automatisch die Bilder der vorhandenen Überwachungskameras aus und schlägt Alarm, sobald es eine mögliche Waffe erkennt. Dass das nicht sehr verlässlich ist, bekam ein High-School-Schüler kürzlich zu spüren: Das System schlug Alarm, der Schüler fand sich bald in Handschellen umringt von Polizisten vor. Einziger Haken an der Sache: Er hatte gar keine Waffe – es war eine Chipstüte.
Weitere wunderbare KI-Fails haben die guten Leute von t3n <<hier>> gesammelt.
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#Tourette – Abschied von Jan und Gisela
Jan Zimmermann startete 2019 mit Tim Lehmann seine Serie „Gewitter im Kopf“ auf YouTube. Im Zentrum stand „Gisela“, wie Jan sein Tourette-Syndrom nannte. Auf ihre Art klärten die beiden damit auch über die Krankheit auf – ohne sie ins Lächerliche zu ziehen. Und das machten sie so unterhaltsam, dass ihr Kanal schnell eine große Reichweite erzielte und speziell Jan inklusiver aller Ticks zu einem sympathischen Internetstar wurde.
Jetzt ist Jan mit nur 27 Jahren unerwartet gestorben, laut seiner Eltern an einem epileptischen Schock. Ein kleines Best of zum Abschied:
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Artikelbild: deevid.ai / Montage
