Dem Finale von Stranger Things ist es zu verdanken, dass die Musik des vor zehn Jahren verstorbenen David Bowie wieder häufiger aus Lautsprechern und Kopfhörern zu vernehmen ist. Sein Song Heroes untermalt den Abspann der letzten Episode des Retro-Spektakels und erfreut sich seitdem großer Beliebtheit auf den gängigen Streaming-Plattformen.

David Bowie, der Internet-Pionier

Weniger bekannt sind hingegen die ersten Gehversuche, die David Bowie selbst auf dem digitalen Musikmarkt unternahm. Wer diesen Spuren folgt, muss nicht bis in die 1980er zurückreisen. Im Jahr 1994 begab sich der Musik für Hollywood Online zu seinem ersten öffentlichen Chat mit Fans.

Damals hatte er selber noch keinen Internetzugang und nutzte deshalb den seines Freundes und Produzenten Brian Eno – jener Eno, der einst die Start-Musik für Microsofts Windows 95 produzierte. Im Chat ging es unter anderem auch um seine CD-ROM-Projekte, wie beispielsweise Jump. Mit dem Silberling konnten Fans ihr eigenes Video zum Song Jump they say basteln.

Musikdownloads gegen Geld

Nach diesem physischen Produkt, das noch ganz klassisch in ein CD-Laufwerk geschoben werden musste, folgte im Jahr 1996 eine rein digitale Veröffentlichung. David Bowie wurde zum ersten großen Künstler, der seine Musik gegen Geld zum Download anbot. Die Single Telling Lies wurde noch vor der CD online veröffentlicht. Laut BMG konnten 300.000 Downloads/Käufe verzeichnet werden. Wieviel ein Download damals kostete, wissen wir leider nicht. Damit dürfte der Musiker aber mehr Geld erhalten haben, als ihm heutzutage für die gut eine Million Streams des Songs bei Spotify (Stand Januar 2026) zustehen würde.

Erinnerungen ans BowieNet

Am 1. September 1998 verkündete David Bowie den Start seines eigenen Internetdienstes BowieNet. Laut Guinness World Records war sein Dienst der erste von einem Künstler gegründete Internetdienst. Für $19.95 pro Monat bekam jeder Subscriber eine Email-Adresse unter @davidbowie.com, 5 MB Webspace, exklusives Audio- und Videomaterial, Chat-Rooms, Shareware und Multiplayer-Gaming. Wer bereits einen anderen Provider nutzte und auf BowieNet verzichten wollte, konnte für $5.95 exklusiven Zugang zu www.davidbowie.com bekommen.

Da wirtschaftliche Erfolge eher überschaubar blieben, endete BowieNet im Jahr 2006. Eine erfolgreiche Zukunft des Unternehmens hätte höherer Investitionen in die Technologie des Dienstes bedurft – darauf lag wohl nicht der Fokus. Nichtsdestotrotz bleibt unterm Strich: David Bowie hat das Internet, die Bedeutung von Communities und die Chancen für die Musikbranche erkannt und verstanden – lange vor Spotify, YouTube, Apple Music, Stranger Things und Taylor Swift.

Teaserfoto: René Bogdanski/SMK

Netzwelt

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