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Gehackte Trecker und Brads Frau – Monatsrückblick März

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Es menschelt im Monatsrückblick. Wir haben diesmal den Blick völlig von den großen Meldungen des Monats genommen und auf Highlights aus der zweiten Reihe gerichtet. Und das ist nicht minder interessant: Von lügenden Bloggern, Memes als Lauffeuer der Gerechtigkeit, schlauen Investitionen, Geschichten um Sprachassistenten und software-abhängigen Landmaschinen. Klingt nicht schlecht, also: Füße hoch, hier kommt nochmal der März.

Unser Monatsrückblick März.

#Snap – Investition macht Schule

Wir haben den Rummel um Snapchats Börsengang mitbekommen: erst hochgejubelt mit steiler Wachstumskurve, dann der abrupte Fall und die Normalisierung. Während natürlich noch niemand große Gewinne mit dem Wertpapier deklarieren konnte, hat eine Schule im Silicon Valley schon früher investiert und wurde dafür bereits königlich belohnt: Vor rund fünf Jahren investierte die Saint Francis High-School 15.000 $ in Snapchat. Beim Börsengang trennte sich die Schule von zwei Dritteln ihrer Anteile und konnte so 24 Mio. $ generieren. Hätten sie mit dem Verkauf noch ein paar Tage gewartet, wäre der Gewinn sogar noch auf 38 Mio. $ gestiegen. Das verbleibende Drittel wiegt nach momentanem Kurs rund 18 Mio. $. Gute Gewinne haben an der Highschool Tradition: Bereits 1996 konnte die Schule mit einer 25.000-$ -Investition 2 Mio. $ an einer Telekom-Tochter verdienen. Gut zu sehen, dass die Gelder in soziale Stiftungen für unterprivilegierte Kinder fließen. Denn Saint Francis selbst war auch vor den Börsengewinnen keine notleidende Einrichtung oder unterprivilegiert.

#BradsWife – Gerechtigkeit für Nanette

Nanette arbeitete elf Jahre bei Cracker Barrel, einer Kette, die in ihren Niederlassungen Restaurants und Shops für Wohn- und Deko-Artikel vereint. Nanettes Mann heißt Brad. Und als Nanette von heute auf morgen gekündigt wurde, beschwerte sich Brad lautstark auf Facebook. Wie Cracker Barrel reagierte, ist relativ unwichtig. Entscheidend ist, dass die anderen User reagierten. Und wie! Während das Unternehmen weiterhin keinen Mucks von sich gab, überschwemmten Nutzer alle Kanäle des Unternehmens mit der aktionistischen Frage, was mit Brads Frau sei – garniert von Hashtags wie #BradsWife, #JusticeForBradsWife, #11years oder #notmycrackerbarrel. Und natürlich gibt es einen Facebook-Account, der sich allein diesem Meme widmet und alles in seinen Kontext zieht. Auch außerhalb des Netzes findet man die virale Dame auf amerikanischen Leuchtreklamen und Hinweisschildern. Wir wissen nicht, ob Brads Frau wieder in Lohn und Brot steht, oder ob sich Cracker Barrel nochmal gemeldet haben. Aber wieder einmal ein schönes Beispiel für das Mobilisierungspotential sozialer Medien.

#BelleGibson – Lügen haben dicke Konten

Wenn Ihnen jemand erzählt, einen Gehirntumor nur mittels ayurvedischer Medizin, Nahrungsumstellung und einer Sauerstofftherapie geheilt zu haben, glauben Sie das dann? Nun, es haben genug Leute geglaubt, um die australische Bloggerin Belle Gibson, durch den Verkauf ihres Buches über iTunes & Co. und weitere Vermarktung ihrer vermeintlichen Erkrankung, um rund 300.000 Euro reicher zu machen. Leider kam heraus, dass Frau Gibson niemals an Krebs erkrankt war. Und entgegen ihrer Aussage, den Großteil der Einnahmen spenden zu wollen, gingen auch nur 7.000 Euro an Hilfsorganisationen. Die Dame wurde nun wegen vorsätzlicher Täuschung von einem australischen Gericht verurteilt. Strafmaß leider nicht bekannt. Ein Detail zum Schmunzeln: Die Richterin räumte ein, dass Frau Gibson wirklich geglaubt haben könnte, an einem Gehirntumor erkrankt zu sein. Soso.

#Siri – Von Gamern und Prostituierten

Was haben eSport und Prostitution miteinander zu tun? Offensichtlich nichts. Doch wenn man im Raum Toronto via Siri nach käuflicher Liebe fragt, werden auffällig viele User zur Meltdown-eSport-Bar geschickt. Fragt man Siri in der kanadischen Großstadt nach „prostitutes“, „escorts“ oder „hookers“, taucht immer wieder die Adresse der Bar für Gamer auf. Alvin Acyatan, Mitbesitzer der eSport-Bar, nimmt es mit Humor, auch wenn es natürlich nervt, dass Anrufe zu später Stunde oftmals nach Damen für besondere Stunden fragen. Eine offizielle Erklärung für das Phänomen gab es bisher nicht. Apple schweigt sich aus. Ähnliche Fälle gibt es anscheinend öfter, wie beispielsweise in China, wo die Frage nach Prostituierten zu verschiedenen Bars und Clubs führte. Schwierig, denn Prostitution ist im Reich der Mitte illegal und es kann den Verdacht der geheimen Zuhälterei bedeuten. Apple begegnete dort dem Problem mit einer Sperre der Frage nach Prostituierten. Was passiert wohl, wenn man Siri in Deutschland nach „Uhren“ fragt?

#Facebook – Volljährige Überbevölkerung

Auf Facebook gibt’s Sachen: „thenextweb.com“ haben sich die Zahlen einer Erhebung von „we are social“ etwas genauer angeschaut und festgestellt: Auf Facebook gibt es mehr 18-Jährige als es überhaupt auf der Erde gibt. Einen ähnlichen Überproporz findet man auch bei 21-Jährigen. Dass Facebook nicht sonderlich exakt bei seinen Daten ist, wissen wir ja. Aber für Marketer ist das ein interessantes Phänomen: Wenn man schon mal die Altersgruppe der 18- bis 21-Jährigen gezielt ansprechen will, weiß man jetzt, dass auch viele Adressaten unterhalb dieser Grenze erreicht werden können. Denn man muss zumindest der Logik nach davon ausgehen, dass sich Facebooker für das Profil älter machen, um das Netzwerk voll zu nutzen. Dass sich jemand extra jünger macht? In bestimmten Szenarien denkbar, aber in der Masse wohl eher nicht. Für manche Produkte ist diese Erkenntnis Gold wert.

Unser Monatsrückblick März.

Sekt, Blumen, Schokolade statt Chancengleichheit und Frauenrechte: Viele nutzten den Weltfrauentag, um ihren Entwicklungsrückstand zu dokumentieren.

#FrauentagFails – Ein Hoch auf Mutti am Herd

Kollektive Glückwünsche an thematischen Feiertagen – gehört eigentlich zum Standardrepertoire des Content-Planers. Im Grunde ein Elfmeter ohne Torwart. Man müsste sich schon anstrengen, das zu verpatzen. Nun ging es im März um den Weltfrauentag und das offenbarte die Rückständigkeit mancher Zeitgenossen. Denn statt ihren Respekt für Frauen auszudrücken, ergingen sich viele in dämlichen Klischees und Stereotypen. Wenige Beiträge widmeten sich der Gleichberechtigung oder Chancengleichheit. Dafür sah man umso mehr Gutscheine für Shopping und Botox-Masken, Blumen, Schokolade und Bratpfannen, männliche Stripper und Sonderangebote für Dessous. Was man unter #FrauentagFails findet, riecht schon fast nach einer Kampagne, die den sachlichen Kern des Feiertags aktiv zu untergraben versucht. Viel Spaß beim Durchscrollen. Wir fühlen uns schlagartig an „Frauengold“, das legendäre Sexismus-Denkmal deutscher Werbung und Produkte, erinnert – frei nach dem Motto: Ist Mama erstmal abgefüllt, hat Papa seinen Frieden (Zynismus off).

#bitcoin – Todgesagte Wertkonstante

Unser Monatsrückblick März.Das Geschichtsbuch der Cyberwährung Bitcoin ist gefüllt mit wilden Geschichten von Höhenflügen, Abstürzen, Kriminalfällen und Betrugsmaschen. Schon oft totgesagt und für vertrauensunwürdig erklärt, genossen die digitalen Goldstückchen im März mal wieder einen Höhenflug. Der Grund dafür hat ausnahmsweise mal nichts mit mysteriösen Geldbewegungen zu tun: Die US-Börsenaufsicht stellte in Aussicht, den ersten Bitcoin-ETF, also Investmentfonds, zu genehmigen. Und auch in Ländern wie Indien oder China, wo der Geldverkehr zunehmenden Reglementierungen ausgesetzt ist, bieten Bitcoins eine Alternative. Dann der Rückschlag: Die Börsenaufsicht genehmigte den ETF doch nicht, woraufhin der Kurs um 25 Prozent einbrach. Es dauerte jedoch nicht lange und der Kurs war wieder dort, wo er schon vorher stand. Wir haben den Eindruck, hier ist das letzte Kapitel noch lange nicht geschrieben. Nettes Detail am Rande: Hinter dem besagten Fonds stecken niemand geringeres als die altbekannten Winkelvoss-Brüder.

#RechtAufReparatur – Wenn Bauern ihre Trecker hacken

Wir haben ja schon von vielen Hacks gehört. Auch von gehackter Firmware. Aber dieses Phänomen ist aus mehreren Gründen interessant: John Deere ist der führende Landmaschinenhersteller der USA. Wenn ein Bauer seinen Traktor nun reparieren lassen will, muss er sich die Reparatur erst kostenpflichtig von einem John-Deere-Servicetechniker absegnen lassen. Ansonsten ist die Maschine durch die Software des Herstellers stillgelegt. Das lassen sich viele Landwirte nicht gefallen und setzen auf eine gecrackte Firmware-Version aus der Ukraine, mit der ihr John-Deere-Traktor gehackt wird. Klingt nach Knebel-Service und Wegelagerei. Aber das eigentliche Thema dahinter ist gegenwärtiger als gedacht: Zurzeit wird mal wieder das Recht auf Reparatur diskutiert. Worum es geht, ist der Umstand, dass die Hardware zwar dem Käufer gehört, die betriebsnotwendige Software jedoch anderen Lizenz- und Nutzungsbedingungen unterliegt. Und das heißt in Zeiten von Internet-of-Things und app-gesteuerten Wearables, dass die Anbieter ihre Geräte qua Fernabschaltung unbrauchbar machen können – und es auch bereits tun. Fragen Sie mal Apple-Kunden.

#PokémonGO – Orthodoxer Humor

Wer sich noch an die aktivistische Punkband Pussy Riot erinnert, weiß, dass Kirchen in Russland gänzlich humorbefreite Zonen sind. Ruslan S. aus Jekaterinburg ging in einer orthodoxen Kirche auf Pokemon-Fang und dokumentierte den Stunt in Bewegtbildern. Das ist vielleicht eine Störung der Kirchenruhe, aber kann auch zivilisiert geklärt werden. Hat beim Kölner Dom auch geklappt und der Spieleentwickler hat, vermutlich wegen drohender Klagen, die Tierchen aus dem sakralen Gebäude entfernt. In Russland ist man da weniger lösungsorientiert. Das Urteil steht noch aus, aber Ruslan S. drohen wohl bis zu fünf Jahren Haft. Das Spiel galt ja schon mehrfach als gefährlich, weil Gamer bei der Pokemon-Jagd zu Tode gekommen sind. Das hier ist nochmal eine völlig neue Qualität von Gefahr.

#Siri – Cleverer Lebensretter

Ok, der eigentliche Held hier ist nicht Siri, sondern der kleine Mann, der den Sprachassistenten richtig nutzte – nachdem er das iPhone überlistete. Die Mutter des vierjährigen Retters war gestürzt und lag bewusstlos in der Wohnung. Um mit dem iPhone der Mutter Hilfe zu rufen, musste er jedoch zunächst die Touch-ID überwinden. Also legte er einen Daumen der bewusstlosen Mama auf den Scanner und verschaffte sich so Zugang zum Smartphone. Ein Reaktionsverhalten, auf das mancher Erwachsener nicht gekommen wäre. Dank Siri war die Benachrichtigung des Notarztes ein Klacks. Und die Polizei veröffentlichte sogar den Mitschnitt des Notrufs, als lehrreiches Beispiel für andere Eltern, die ihre Kinder für Notfälle schulen sollten.

#AmazonEcho – Wenn Alexa dicht macht

Und zum Schluss nochmal ein Sprachassistent: Im März gab es einen eigentlich überfälligen Trend bei privaten Netzvideos. Dass smarte IoT-Geräte ihre Umwelt abhören, gehört zur technischen Natur der Sache. Und dass die meisten Tech-Unternehmen, zumindest in den USA, qua Gesetz immer häufiger zur Datenfreigabe gezwungen werden, ist mittlerweile auch bekannt. Da liegt es doch nahe, die Sprachassistenten mal zu fragen, ob sie wirklich mit Regierungsbehörden verbunden sind. Mittlerweile findet man bei YouTube & Co. unzählige private Experimente, die Alexa nach ihrer Verquickung mit CIA und NSA befragen. Ok, das kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein, aber müssen die Antworten, oder besser Reaktionen, wirklich so offensichtlich hilflos sein?

 

Artikelbild: StartupStockPhotos (CC0 Public Domain)

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